Heidenheim / Nadine Rau Laura Nerbl soll Künstler und Kinder im Kreis miteinander bekannt machen und Veranstaltungen planen, an denen beide Seiten beteiligt sind. In Gerstetten gibt es nun eine erste Aufführung.

Kinder in der Oper? Passt das zusammen? Laut Laura Nerbl, die seit Herbst vergangenen Jahres im Kulturbüro der Stadt Heidenheim für den Fachbereich „Education“ zuständig ist, ja. Sie erarbeitet Projekt um Projekt, um die Künstler der Opernfestspiele mit Kinderschülern und Schulkindern aus dem ganzen Kreis vertraut zu machen und um den Kindern kreatives Arbeiten näher zu bringen.

Aufgebaut ist ihre Mission auf zwei Standbeinen. Zum einen gibt es die Nachwuchs- und Begabtenförderung, in deren Rahmen etwa Musiker der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg gemeinsam mit den Profis der „Cappella Aquileia“ spielen, zum anderen gibt es die Basisarbeit. „Leider gibt es dafür noch keinen schöneren Namen“, sagt die 28-Jährige. Übersetzt bedeutet das nichts anderes, als dass Kindern die Möglichkeit geboten werden soll, Kunst und Musik in der Schule, der Musikschule oder dem Kindergarten neu zu erleben.

Darunter fällt heuer zum ersten Mal ein Projekt mit dem Bildungszentrum und der Musikschule in Gerstetten. Fünf Klassen aus den Klassenstufen fünf bis sieben arbeiten seit Ende April gemeinsam mit ihren Lehrern und Nerbl im Kunst-, Musik-, Sport- und Deutschunterricht daran, die Geschichte des „Fliegenden Holländers“ auf ihre eigene Art auf die Bühne zu bringen. „Es entstehen Ton-Collagen, Schattenspiele oder Tänze im Unterricht“, gibt Nerbl einen kleinen Einblick.

Wie sieht eine Opern-Probe aus?

Um den Kindern auch außerhalb des Klassenzimmers die Oper näher zu bringen, waren kürzlich alle 120 Schüler bei einer Probe im Rittersaal unter der Leitung von Georg Schmiedleitner dabei. Er hat sich eine Viertelstunde Zeit genommen, um seinen kleinen Besuchern alles zu erklären, ehe er die Opernsänger proben ließ. So konnten die Schüler zum Beispiel gut sehen, wie körperlich anstrengend eine solche Probe und das Singen an sich ist.

Im Unterricht müssen sich die Lehrer überlegen, wie sie die Opern-Parts einbinden können, ohne dabei zu sehr vom Lehrplan abzuweichen. Gerade in den kreativen Fächern und in Deutsch sei das Nerbl zufolge gut möglich. Sie selbst war oft in der Schule dabei und hat mit den Schülern den Wagner-Stoff aufgearbeitet. „In der fünften Klasse haben wir erst einmal über ,Spongebob' geredet, das kommt bei dem Thema automatisch zur Sprache“, sagt sie. Zwar hat die Zeichentrick-Figur (ein gelber Schwamm, der unter Wasser lebt) nur wenig mit dem „Fliegenden Holländer zu tun“, aber immerhin geht es sowohl in der Serie als auch bei Wagner um das Leben auf und in der See. Schon etwas näher am Stoff dran sind die „Fluch der Karibik“-Filme, über die in der siebten Klasse gesprochen wurde.

Als die wahre Liebe zur Sprache kam, hatte es Nerbl auch nicht immer leicht. „Bei den Fünftklässlern geht das noch gut, weil sie es von den Märchen kennen, aber Siebtklässler reagieren da schon nervös kichernd oder auch pubertär“, erzählt Nerbl.

Ein sehr positiver Effekt während der kreativen Arbeit sei gewesen, dass plötzlich Schüler in den Vordergrund geraten seien, die sich sonst eher still und zurückhaltend verhalten. Zwei Jungs zum Beispiel, die beatboxen können, oder Mädchen, die sich Choreographien für Tänze ausdenken.

Die Beschäftigung mit Künsten könnte so in Gerstetten zu einem neuen Profil der Schule beitragen. In Heidenheim gebe es das schon, dass die Schulen ein eigenes Profil haben, im Kreis hingegen weniger, vergleicht Nerbl. Daher werden am 12. Juli, wenn die fünf Gerstetter Klassen zum ersten Mal den Eltern ihre Arbeiten zeigen, auch mögliche zukünftige Fünftklässler eingeladen.

Um auch die ganz Kleinen mit der Basisarbeit anzusprechen, organisiert Nerbl für den 28. Juli ein Kinderkonzert im Konzerthaus. Dafür werden am Vormittag Musiker der „Cappella Aquileia“ in Kindergärten in Heidenheim, Giengen, Königsbronn und Nattheim gehen, ihre Instrumente vorstellen, und gemeinsam mit den Kindern kleine Musikstücke komponieren. Noch am selben Tag sollen die einzelnen Teile dann auf der Bühne zu einem Gesamtwerk zusammengefügt werden.

Engagierte Künstler ohne Ende

Am liebsten würde Nerbl überall voll dabei sein und selbst mithelfen. Doch sie merkt schon: „Je mehr Projekte ich starte, desto mehr Arbeit muss ich auch an andere abgeben.“ Glücklicherweise kann sie in Heidenheim auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen. „Ich bin hier im Schlaraffenland der engagierten Künstler gelandet“, sagt sie dazu gerne. Sie stoße bei ihrer täglichen Arbeit immer auf ein offenes Ohr und auf Interesse. Das Projekt in Gerstetten habe sich etwa ergeben, weil der Musikschulleiter Thomas Neumann selbst auf sie zugekommen ist.

Bis 2020 werden die Vorhaben noch von der Kulturstiftung des Bundes bezahlt, im Rahmen des Projekts „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“. Nerbls Ziel allerdings ist es, ihre Aktionen nachhaltig anzulegen, dass damit auch nach 2020 weitergemacht werden kann. Die Oper kommt damit aufs Land, und das Land, so die Hoffnung, in die Oper. „Die Kinder erzählen ihren Eltern ja davon und vielleicht kommen die dann auch mal vorbei.“ Bislang sei man noch sehr eng ans Schloss und somit an die Stadt Heidenheim gebunden.

Jetzt gilt es nur noch, den Kindern ihre Auftritte auch wirklich schmackhaft zu machen, denn momentan sind sie noch ein wenig zurückhaltend. „Zuerst haben alle gesagt, sie gehen nicht auf die Bühne, mittlerweile sind wir bei ,Okay, ich gehe auf die Bühne, aber ich sag nichts', und jetzt müssen wir nur noch den letzten Schritt schaffen.“