Heidenheim / Marita Kasischke  Uhr
Was Flüchtlinge und Spieler des Naturtheaters in einem dreiwöchigen Intensiv-Workshop erarbeitet hatten, zeigten sie jetzt dem Publikum. Viele Interessierte kamen und genossen eine in vielfältiger Hinsicht beeindruckende Darbietung.

Es war ein ganzes Bündel an Theater-Instrumenten, die die Zuschauer, darunter auch Angehörige und Bekannte der Flüchtlinge, zu sehen bekamen. Es gab pantomimische Beiträge in Kürze und Würze, wobei die Spieler durchaus die Heiterkeit im Publikum zu erregen verstanden.

Es gab Bildprojektionen, Sprechchöre, Tanz- und Spielszenen. Viel war also gearbeitet worden in diesen drei Wochen, das merkten die Zuschauer gleich.

Zu merken war aber auch: Der Workshop unter Thibaud Gross, Naturtheatermitglied und angehender Theaterpädagoge, erzielte Ergebnisse, die weit über die reine Theaterarbeit hinausgehen.

Die rund 30 Teilnehmer im Alter von fünf bis zu 30 Jahren waren zu einer homogenen Gruppe verschmolzen, der der Spaß am gemeinsamen Tun genauso anzusehen war wie das gute Verständnis untereinander.

Da berichtete der 17-jährige Hamo aus Kurdistan in einer berührenden Szene der Aufführung, dass er das Zusammensein sehr genossen habe und sein Deutsch viel besser geworden sei. Und die 15-jährige Rosalie, langjährige Spielerin im Naturtheater, davon, wie interessant der Einblick in zunächst fremde Kulturen gewesen sei. Und alle miteinander tanzten zum großen Finale miteinander – und ließen auch nicht locker, bis nahezu alle Zuschauer in den Tanz einstiegen.

Das Finale war ein schönes Sinnbild dafür, dass in diesem Projekt eine besondere Gemeinschaft entstanden ist, die jeden aufnahm, gleich welcher Herkunft, welchen Alters. Das beein-druckte die Zuschauer beinahe noch mehr als das Theaterspiel, wobei auch hier Staunen machte, was in drei Wochen intensiven Probens so erreicht werden kann.

Denn dabei muss berücksichtigt werden, dass da völlig Spielunerfahrene und zudem Sprachfremde mit auf der Bühne standen. Da war es auch für alte Theaterhasen berührend zu sehen, wie gut die ersten Schritte auf der Bühne gemeistert wurden: Vor einem großen Publikum zu sprechen, ist ja zunächst für jeden eine Überwindung – umso größer für diejenigen, die im jugendlichen Alter allein im fremden Land sind.

Dass diese Gemeinschaft und auch die gemeinsame Arbeit nicht einfach wieder im Sande verlaufen soll, darin ist man sich im Naturtheater einig.

Wie dies aussieht, darüber werden Lara Tschabrun und Julius Ferstl, die die Aktionen initiiert hatten, ein Konzept erstellen. Auf jeden Fall werden Flüchtlinge weiterhin im Getränkeverkauf bei „Kultur im Café“ anzutreffen sein und, wenn möglich, auch in Bühnenbau und Schneiderei, wo helfende Hände immer gern gesehen werden. Und eben womöglich auch auf der Bühne.