Heidenheim Heidenheimer Klinikum tief in den roten Zahlen

Baustelle Klinikum: Nicht nur die Sanierung der Gebäude, auch die Sanierung der Finanzen ist eine große Aufgabe.
Baustelle Klinikum: Nicht nur die Sanierung der Gebäude, auch die Sanierung der Finanzen ist eine große Aufgabe. © Foto: Geyer Luftbild
Heidenheim / Silja Kummer 23.07.2018
Mit 7,2 Millionen Euro war der Verlust auf dem Schlossberg trotz des Sanierungsprogramms so hoch wie noch nie. Geschäftsführer Udo Lavendel sieht aber Anzeichen für eine künftige Verbesserung.

Die finanzielle Lage des Klinikums ist ernst, das ist keine Neuigkeit. So schlecht wie im Jahr 2017 war das Betriebsergebnis aber noch nie: 7,2 Millionen Euro beträgt der Verlust, den die gemeinnützige Kliniken Heidenheim GmbH gemacht hat. Im Vorjahr lag der Verlust bei 2,9 Millionen Euro.

„Das klingt wie ein Schlag in die Magengrube“, sagt Landrat Thomas Reinhardt als Aufsichtsratsvorsitzender. Trotzdem seien auch positive Anzeichen zu erkennen, an die es jetzt anzuknüpfen gelte. „Das Sanierungskonzept fängt an zu greifen“, ist sich Reinhardt sicher.

Dies macht er vor allem daran fest, dass ein deutliches Leistungswachstum zu verzeichnen sei. Die betrieblichen Erträge lagen 2017 bei rund 105 Millionen Euro und damit um rund acht Millionen höher als im Vorjahr. Die Fallzahlen im voll- und teilstationären Bereich stiegen leicht von 20.939 (2016) auf 21.689 (2017). Die Auslastung des Klinikums sank trotzdem von 78 auf 74 Prozent, im Bereich der Geriatrie stieg die Auslastung von 90 auf 92 Prozent.

„2018 kommt es zum Schwur“

„Der Jahresabschluss wird hoffentlich nie wieder in diese Region kommen“, sagt Reinhardt, wohl wissend, dass die Maßnahmen des Sanierungsprogramms, mit dem Mitte 2017 begonnen wurde, sich in dieser Bilanz noch nicht zeigen können. Im nächsten Geschäftsjahr sollte das aber anders sein: „2018 kommt es zum Schwur“, meint der Landrat auch in Bezug auf die neue Geschäftsführung, die für das Sanierungsprogramm verantwortlich ist. Zum Jahresbeginn 2017 trat ein Geschäftsbesorgungsvertrag mit der Unternehmensberatung Oberender & Partner in Kraft, die für vier Jahre die Geschäftsführung des Klinikums übernahm und dafür Udo Lavendel als Geschäftsführer stellte.

Für 2018 rechnet man laut Geschäftsbericht keineswegs mit einem positiven Geschäftsergebnis, aber mit einem weniger hohen Jahresfehlbetrag von 3,78 Millionen Euro. Dieser soll in der Leistungssteigerung, der Produktivitätssteigerung und den Finanzhilfen des Landkreises begründet sein.

Als einen wesentlichen Faktor, der das schlechte Betriebsergebnis mitbegründet, nennt Klinik-Geschäftsführer Udo Lavendel die Rückstellungen, die sich 2017 auf rund 4,15 Millionen Euro beliefen. Im Vorjahr wurden Rückstellungen von 1,85 Millionen Euro gebildet. Rückstellungen sind nicht gleichbedeutend mit Rücklagen. Es handelt sich dabei vielmehr um Verbindlichkeiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft erwartet werden.

Beim Klinikum sind dies beispielsweise nicht abgerechnete Lieferungen und Leistungen, aber auch Prozessrisiken. Zusammen mit den Personalrückstellungen, etwa für Altersteilzeitverpflichtungen, beläuft sich die Summe der gesamten Rückstellungen auf 11,6 Millionen Euro (2016: acht Millionen Euro).

Zudem, so Lavendel, habe man für die Instandhaltung 2,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr ausgegeben. Das Geld floss beispielsweise in die Lüftungs- und Klimaanlage des OP-Bereichs und die Sanierung der Endoskopie und der gynäkologischen Ambulanz. „Unsere Instandhaltungsquote liegt damit höher, als sie eigentlich angesichts unseres Umsatzes sein sollte, aber es gibt auch einen Sanierungsstau“, erläutert der Klinik-Geschäftsführer.

Sieben statt 15 Stellen abgebaut

„Sanierungsprozesse sind nicht in ein oder zwei Jahren leistbar“, sagt Lavendel, erst recht nicht, wenn man eine Aufholjagd zu leisten habe. Mit dem Turnaround zu einem positiven Betriebsergebnis rechnet er für 2019 oder 2020.

„Uns ist 2017 eine signifikante Leistungssteigerung gelungen“, urteilt er. Die Steigerung der betrieblichen Erlöse um 8,4 Prozent nennt er „überdurchschnittlich“, sie seien ein Beweis dafür, dass man in Heidenheim exzellente Medizin mache. Er schreibt dies auch den neuen Chefärzten zu, die 2017 ans Klinikum geholt wurden.

„Alles, was wir auf der Erlösseite zusätzlich schaffen, müssen wir nicht einsparen“, sagt Lavendel. Dies nehme den Druck vom Personal.

45 Vollzeitstellen in vier Jahren abbauen

Was die personelle Entwicklung angeht, enthält das Sanierungskonzept eine geplante Stelleneinsparung von 45 Vollzeitkräften über vier Jahre hinweg. Dies will man nicht über betriebsbedingte Kündigungen, sondern durch die natürliche Fluktuation erreichen. 2017 war der Abbau von 15 Stellen vorgesehen, dies habe man aufgrund der gestiegenen Leistungen gar nicht umsetzen können. Faktisch seien nur sieben Stellen weggefallen. Was jedoch die Produktivität des Personals angeht, sei man noch nicht da, wo man hinwolle, „sie hat sich aber verbessert“, so Lavendel.

In der Verantwortung sind dafür mittlerweile auch die Chefärzte der Abteilungen. Sie werden jeden Monat mit dem Abschluss ihrer Abteilung und der anderen Abteilungen im Haus konfrontiert. „Maximale Transparenz ist notwendig“, sagt Lavendel dazu. Natürlich bedeute dies einen Wettbewerb zwischen den Abteilungen, „aber das hat ja auch Lerneffekte“, so der Geschäftsführer.

Ausgliederung soll bald kommen

Die Ausgliederung verschiedener Versorgungsbereiche des Klinikums in eine Service-Gesellschaft stehe „unverändert auf der Agenda des Aufsichtsrates“, sagte Landrat Thomas Reinhardt beim Gespräch über die Klinikbilanz. Ein Vorschlag für die Umsetzung dieses Plan werde der Gesellschafterversammlung und damit auch dem Kreistag nach der Sommerpause unterbreitet. „Wir haben schon viel vorbereitet und sind auf der Zielgeraden“, so Klinik-Geschäftsführer Udo Lavendel.

Widerstand gegen die Auslagerung von Serviceleistungen gab es schon im Vorfeld, unter anderem durch die Sammlung von 4500 Unterschriften, die den Verantwortlichen übergeben wurden.

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