Steuer Heidenheimer Finanzamt will noch schneller werden

Finanzamt Heidenheim: Die Öffnungszeiten im Service-Center werden eingeschränkt. Die so frei werdenden Personalkapazitäten sollen der Beschleunigung von Steuerveranlagungen dienen.
Finanzamt Heidenheim: Die Öffnungszeiten im Service-Center werden eingeschränkt. Die so frei werdenden Personalkapazitäten sollen der Beschleunigung von Steuerveranlagungen dienen. © Foto: Oliver Vogel
erwin bachmann 29.09.2014
Wenn es um die Bearbeitung von Steuererklärungen geht, zählt das örtliche Finanzamt schon jetzt zu den schnellsten im ganzen Land. Künftig will man sogar noch einen Zahn zulegen und ist dabei, die Geschäftsabläufe zu optimieren.

Noch schneller? Möglich macht's eine Umorganisation, die mit einer Reduzierung der Öffnungszeiten im Service-Center des Finanzamts einhergeht. Das klingt auf den ersten Blick kontraproduktiv, erklärt sich aber aus den Gewohnheiten der Bürger, die eine Umschichtung der personellen Kapazitäten möglich machen. Montags bleibt alles beim Alten, denn da erlebt die Finanzverwaltung klassischerweise den größten Zulauf, weil viele Menschen das Wochenende nützen, ihre Steuererklärung fertig zu machen. Der Dienstag hingegen ist der schwächste Tag, so dass man sich entschlossen hat, das Kunden-Center vormittags zu schließen. Im Gegensatz dazu bleibt es am Mittwochvormittag geöffnet, der für viele Zeitgenossen offenbar ganz wichtig ist, die gern nach dem Wochenmarkt rasch beim Finanzamt vorbeischauen und neben der Steuererklärung auch einen Salatkopf in der Tasche haben. Nachmittags hingegen ist zu: wie auch am Freitag, an dem der Zulauf ab 12 Uhr ohnehin deutlich nachgelassen hat.

Die neuen Öffnungszeiten im Kunden-Center gelten ab morgen. Insgesamt fallen dort pro Woche drei halbe Tage weg, wobei diese Einschränkung anderen Bereichen der Finanzverwaltung zugute kommt, das insgesamt rund 150 Beschäftigte – davon viele in Teilzeit – zählt und damit nach eigenen Angaben einen leichten Personalunterstand ausweist. Teile des bisher in dieser sogenannten „Zentralen Informations- und Annahmestelle“ gebundenen Personals wird umgeschichtet und steht künftig unmittelbar der Steuerveranlagung insbesondere natürlicher Personen zur Verfügung.

Diese Umorganisation der Verwaltungsabläufe vollzieht sich nicht im Alleingang, sondern im Rahmen eines Pilotkonzepts zur Optimierung von Arbeitsabläufen im Bereich der Einkommensteuerveranlagung, „Daran beteiligen sich die Finanzämter in Leonberg, Lahr und Bruchsal, und uns ist von der Oberfinanzdirektion Karlsruhe angeboten worden, mitzumachen,“ erklärt der Leiter des Heidenheimer Finanzamts, Dieter Zich, der in diesem Schritt die Chance sieht, das Kerngeschäft zu stärken. „Wir ziehen alle Verwaltungskräfte im organisatorischen Bereich zusammen,“ erklärt der Leitende Regierungsdirektor und beschreibt die Gangart, die zu einer Erhöhung der Schlagzahl führen soll: Das Gesamtaufkommen der jährlich rund 50 000 Steuererklärungen wird von der Masse der einfach gestrickten Veranlagungsfälle getrennt, die dann von einem speziellen Trupp einer schnelleren Bearbeitung zugeführt werden, sodass am Ende alle Bürger ihre Steuerbescheide etwas früher als bisher im Briefkasten finden – und in der Folge auch die Rückerstattung schneller auf ihrem Konto haben.

Die bisher an den Pilot-Standorten gemachten Erfahrungen zeigen, dass diese Hoffnung durchaus berechtigt ist. In Heidenheim liegt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Steuerbescheid aktuell bei etwa 42 Tagen, womit die Behörde bereits heute in der oberen Hälfte aller 63 Finanzämter Baden-Württembergs angesiedelt ist. Darüber hinaus erwartet sich Heidenheims Geschäftsstellenleiter Friedrich Banzhaf von der Veränderung der Geschäftsabläufe eine Qualitätsverbesserung: also eine geringere Fehlerquote bei der Steuerfestsetzung.

Dem Wunsch, möglichst viele Fälle in möglichst kurzer Zeit vom Tisch zu bringen, kommt im Übrigen auch der Vormarsch der elektronischen Steuererklärung entgegen. Immerhin 85 Prozent aller von Steuerberatern eingereichten Erklärungen kommen bereits papierlos auf den Tisch des Finanzamts, wo sich rund 70 Bedienstete allein mit Steuerveranlagungen beschäftigen. Bei nur etwa 38 Prozent liegt die Online-Quote dagegen bei Steueranmeldungen, die nicht vom Steuerbüro kommen: Hier funkt's noch nicht im erwünschten Maße.