Forschung Heidenheimer Archäologie-Preis wurde verliehen

Oberbürgermeister Bernhard Ilg überreicht Dr. Sibylle Wolf den Kurt-Bittel-Preis der Stadt Heidenheim.
Oberbürgermeister Bernhard Ilg überreicht Dr. Sibylle Wolf den Kurt-Bittel-Preis der Stadt Heidenheim. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Manuela Wolf 20.11.2017
Die Tübinger Wissenschaftlerin Dr. Sibylle Wolf wurde mit dem Kurt-Bittel-Preis der Stadt Heidenheim ausgezeichnet.

Archäologen suchen im Verborgenen nach Verborgenem. Die Öffentlichkeit bekommt davon selten was mit. Und wenn, ist sie oft nicht sonderlich interessiert. Dass das meist an der Aufbereitung und Präsentation der Ergebnisse liegt, hat der Heidenheimer Forscher Kurt Bittel schon vor Jahrzehnten erkannt. Auf seine Initiative hin fand 1977 das erste Heidenheimer Archäologie-Colloqium statt; vor 30 Jahren wurde ihm zu Ehren außerdem ein Preis für Süddeutsche Altertumskunde verliehen.

In diesem Jahr hat sich die Preisfindungskommission für die Tübinger Wissenschaftlerin Dr. Sibylle Wolf entschieden. Mit ein Grund: Auch sie versteht es, Forschung, Kommunikation und Präsentation zu einem ansprechenden Ganzen zu verbinden. „Ach, ist das schön“, sagte die 35-Jährige nach der Übergabe der Verleihungsurkunde am Freitagabend gerührt. „Ich hoffe, meine Arbeit hätte die Unterstützung und die Zustimmung von Kurt Bittel gefunden.“ Zwischen 2005 und 2012 hatte sie 40 000 Jahre alte Elfenbeinartefakte aus den Nachgrabungen vor der Vogelherd-Höhle aufgenommen und analysiert. Anschließend wertete sie im Rahmen eine Unecso-Projekts ihre Forschungsergebnisse aus und legte dazu 2015 ihre Dissertation vor.

Internationale Relevanz

„Es gab zu diesem Thema hin und wieder Aufsätze, ja“, sagte ihr Doktorvater Professor Nicholas Conard von der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. „Es gab auch Schmuckausstellungen und Funde ohne Ende, aber keine brauchbare Zusammenfassung. Sibylle hat nun sozusagen die Bibel zu diesem Thema geschrieben. Die Ortsverbundenheit und die internationale Relevanz des Werkes rechtfertigen meiner Meinung nach, dass sie nun den Kurt-Bittel-Preis der Stadt Heidenheim erhalten hat.“ Conard geriet bei seiner Laudatio merklich ins Schwärmen für die Preisträgerin. Sibylle Wolf sei nicht nur eine grandiose, hellwache, talentierte Wissenschaftlerin und Organisatorin, sondern auch „als Mensch wunderbar“.

Voll des Lobes war Conard übrigens auch für Baden-Württemberg im Allgemeinen und für Heidenheim im Besonderen. Nirgendwo sonst sei seinen Kollegen und ihm eine derart große Heimatverbundenheit begegnet, und es sei auch nicht selbstverständlich, dass eine Stadt dieser Größe so viel für die Archäologie tue Conard: „Die Archäologie ist Teil des Lebens und kein Elfenbeinturm. Mit ihr ist deshalb ein wissenschaftlicher Auftrag verbunden.“

Mehr als nur Randwissenschaft

Historisches Wissen sortieren und in einen Zusammenhang bringen: Für Heidenheims Oberbürgermeister Bernhard Ilg ist die Archäologie mehr als nur eine Randwissenschaft. „Wie Friedrich Nietzsche schon sagte: Jeder Mensch und jedes Volk braucht eine gewisse Kenntnis der Vergangenheit. Forscher wie Dr. Sibylle Wolf bringen Ordnung in die schier unübersichtliche Geschichtsforschung, damit sich der Blick auf das Wesentliche nicht verliert.“ Heidenheim, das als Industriestadt mit weltweit agierenden Unternehmen sein Entwicklungspotential in der Technologie und der Wissensgesellschaft sehe, richte seinen Blick nicht nur in die Zukunft, sondern sei sich auch seiner Vergangenheit bewusst. Bildung in allen Facetten sei eines der zentralen Handlungsfelder der Politik. Mit der Einweihung der neuen Stadtbibliothek habe die Stadt auf diesem Handlungsfeld nun einen weiteren Meilenstein erreicht. Die Unterbringung des Stadtarchivs in diesem modernen Bildungsforum sei sinnbildlich für die Zusammenführung von traditionellen und modernsten Medien.

Was verraten 17 000 Jahre alte Fußabdrücke über die Menschen, die sie hinterlassen haben? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit Dr. Andreas Pastoors von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In seinem Festvortrag berichtete er über Ergebnisse des Projekts „Tracking in Caves – Der Kontext eiszeitlicher Höhlenkunst im Licht indigenen Wissens“, bei dem Spuren in Höhlen mit Wandmalereien untersucht werden. Die drei Fährtenleser aus Namibia, die ihn bei Forschungen in Frankreich unterstützt haben, entdeckten Interessantes nicht nur unter Tage. Pastoors: „Als sie vor einem Supermarkt warten sollten, waren sie plötzlich verschwunden. Wir fanden sie vor einer Autowaschanlage. Es war ihnen unbegreiflich, wie man mit Wasser so verschwenderisch umgehen kann.“

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