Archäologie Heidenheimer Alamannen-Siedlung größer als je angenommen

Ein alamannisches Grubenhaus (dunkle Färbung im Erdboden) gehört zu den neuesten Entdeckungen bei den archäologischen Ausgrabungen im Fürsamen.
Ein alamannisches Grubenhaus (dunkle Färbung im Erdboden) gehört zu den neuesten Entdeckungen bei den archäologischen Ausgrabungen im Fürsamen. © Foto: Foto: räp
Heidenheim / Andreas Uitz 02.12.2012
Der Fürsamen gilt schon heute als die größte bekannte alamannische Siedlung des vierten Jahrhunderts. Die tatsächliche Größe der Siedlung wird wohl nie erforscht werden können. Aber die laufenden archäologischen Ausgrabungen zeigen Monat für Monat, dass das Dorf an der Brenz deutlich größer war, als bislang vermutet.

Im Jahr 1998 haben die archäologischen Ausgrabungen im heutigen Fürsamen begonnen. Und auf dem bis dahin unbebauten Gelände konnten schon zu dieser Zeit hochinteressante archäologische Erkenntnisse gewonnen werden. Immer mehr Überreste von Gebäuden stellten die Archäologen fest, so dass sich schon vor zehn Jahren andeutete, dass die entdeckte alamannische Siedlung etwas Besonderes sein muss. Denn eigentlich sind aus der Zeit zwischen dem Ende des 3. und dem Ende des 4. Jahrhunderts nur einzelne Gutshöfe bekannt, in denen Alamannen lebten. Eine große Siedlung aus späterer Zeit existiert in Lauchheim.

Im Laufe der Ausgrabungen, die sich mit Unterbrechungen über nunmehr 14 Jahre hinziehen, kamen immer mehr Erkenntnisse hinzu. Während der erste Bereich der Ausgrabungen schon lange mit dem Wohngebiet Fürsamen I überbaut ist, analysiert Archäologe Dr. Peter Knötzele bereits seit Monaten das Erdreich nördlich dieses Wohngebiets. Denn auch hier sollen neue Bauplätze ausgewiesen werden.

Mehr als 60 Wohngebäude unterschiedlichster Größe konnten bislang im Fürsamen nachgewiesen werden. Hinzu kommen weitere Bauwerke wie eine Brücke, die auf eine damals existierende Brenzinsel führte, ein großes, mehr als 40 Quadratmeter umfassendes Speichergebäude sowie zahlreiche Feuerstellen, Scherben, Schmuck und Werkzeuge. Aktuellen Erkenntnissen zufolge müssen in der alamannischen Siedlung am Ufer der Brenz mindestens 600 Menschen gelebt haben.

Die neuesten Erkenntnisse Knötzeles lassen sogar darauf schließen, dass es noch erheblich mehr gewesen sein könnten. Denn im derzeit untersuchten Grabungsfeld am nördlichen Rand des Geländes nimmt die Dichte an Befunden noch immer nicht ab. „Es ist kein Ende der Besiedelung erkennbar“, sagt der Archäologe.

Zu den neuesten Entdeckungen auf dem Grabungsfeld zählt unter anderem ein sogenanntes Grubenhaus, eine Art überdachter Keller. In diesen Grubenhäusern gingen die Alamannen handwerklichen Tätigkeiten wie etwa der Metallverarbeitung, der Keramikherstellung oder der Weberei nach. Das jüngst entdeckte Grubenhaus hatte einst eine Fläche von vier auf zwei Meter und war wahrscheinlich rund 1,5 Meter tief. Doch welche Art Handwerk hier ausgeübt wurde, lässt sich noch nicht näher bestimmen.

Die Tatsache, dass im Fürsamen schon zahlreiche derartige Befunde entdeckt wurden, untermauert die Vermutung, dass die alamannische Siedlung ungewöhnlich groß gewesen sein muss. Doch ob sich je herausfinden lässt, wie viele Menschen hier tatsächlich lebten, ist fraglich. Denn dies wäre nur mögliche, würde man an die Grenzen der Siedlung stoßen. Knötzele vermutet, dass sich das Dorf noch ein gutes Stück nach Norden in Richtung Schnaitheim zog und auch noch Richtung Westen über den Verlauf der heutigen Bahnstrecke und Heidenheimer Straße hinausreichte. Nach Osten dürfte die Ansiedlung durch die Brenz begrenzt gewesen sein.

Doch wo diese zu alamannischer Zeit floss, ist ungewiss. Insgesamt vier Brenzarme hat Knötzele bislang entdeckt, der westlichste liegt mehr als 120 Meter vom heutigen Flussbett entfernt. Zeitlich jedoch lässt sich bisher noch nicht einordnen, wann die Brenz wo floss oder ob sie im vierten Jahrhundert gar mit mehreren Seitenarmen durch die alamannische Siedlung mäanderte.

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