Heidenheim Heidenheim lässt sich gute Bildung weiter etwas kosten

Bildungstest gelungen: Das Bildungshaus Ost an der Ostschule mit der Kooperation von Kindergarten und Schule wird fortgesetzt. Die Heidenheimer trotzen der Landespolitik.
Bildungstest gelungen: Das Bildungshaus Ost an der Ostschule mit der Kooperation von Kindergarten und Schule wird fortgesetzt. Die Heidenheimer trotzen der Landespolitik. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Karin Fuchs 13.06.2018
Das Bildungshaus für Drei- bis Zehnjährige ist erfolgreich. Deshalb hält die Stadt daran fest, auch wenn das Land die Hilfe kürzt.

Wie erleichtert man einem Kindergartenkind den Einstieg in die Schulzeit? Indem man das Kind schon vorher mit der Schule und den Kindern dort bekannt macht. Indem man es stundenweise am Unterricht teilnehmen lässt. Indem die Schulkinder ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben. So geschieht es an der Ostschule im sogenannten Bildungshaus 3 bis 10. Die Zahlen stehen für das Alter der Kinder, die hier regelmäßig gemeinsame Sache machen.

Warum das alles? Damit die Defizite, die zahlreiche Studien deutschen Schülern bescheinigen, weniger werden. Das Ziel des Bildungshauses ist es, bereits bei der frühkindlichen Bildung die Grundlagen für eine gute Schulzeit zu legen. Defizite können früher erkannt, Hilfe angeboten oder Maßnahmen eingeleitet werden.

Uni-Studie bescheinigt den Erfolg

Dass das nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern in der Praxis, das besagt eine Studie des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen an der Universität Ulm, das das für sieben Jahre als Modellprojekt angelegte Bildungsexperiment begleitet hat. Danach wurde das Bildungshaus um zwei Jahre verlängert und schließlich nahmen im Jahr 2015 insgesamt 194 Bildungshäuser ihre Arbeit auf. Doch der Rückhalt der Bildungshäuser in der Landespolitik ist nicht vorbehaltlos – trotz des Erfolges. Dies war zentraler Diskussionspunkt in der Sitzung des zuständigen Gemeinderatsausschusses, wo Katrin Fischer von der Ostschule den Abschlussbericht vortrug und dabei einen Einblick in die praktische Arbeit gab. Die anfänglichen Bedenken der Eltern, dass die Kindergartenkinder durch den Schulbesuch überfordert wären, hätten sich zerschlagen.

Doch wie sieht die Zukunft aus? Diese Frage warf Oberbürgermeister Bernhard Ilg auf, nachdem die momentane Regierung keinen großen Wert auf die Bildungshäuser lege. Es sei zugesichert, dass diese bestehen bleiben könnten. Dennoch hat bereits die Vorgängerregierung das finanzielle Engagement zurückgefahren und die drei Deputatstunden je Bildungshaus auf zwei gekürzt. Die Stadt ihrerseits stellt eine halbe Erzieherinnenstelle und will das auch so belassen. „Es ist sehr zu begrüßen, dass es weitergeht“, sagte Elisabeth Kömm-Häfner (Grüne), die das Lernen der Schwachen von den Besseren mit dem Prinzip der Gemeinschaftsschule verglich.

Flächendeckendes Angebot?

Uwe Wiedmann (CDU) ging mit seinem Vorschlag sogar so weit, das Angebot Bildungshaus in Heidenheim weiter auszubauen. Das Ziel: ein flächendeckendes Modell, wo Kindergarten und Schule die räumliche Nähe haben. „Jetzt wird es hochpolitisch und gefährlich“, bremste Oberbürgermeister Ilg und verwies auf die finanzielle Verantwortung, die die Stadt in diesem Falle dem Land abnehmen würde. Wiedmann blieb dabei: Auch in anderen Fällen wie dem Ausbau des Bahnhofs oder der Dualen Hochschule sei die Stadt in finanzielle Vorleistung gegangen. „Solange es keine Kindergartenpflicht gibt braucht man Mut – oder viel Geld“, schaltete sich Gerhard Oberlader (SPD) ein und auch Uli Grath (Freie Wähler) schätzt es als erschreckend ein, wie sehr sich die Landespolitik von der Basis gelöst habe. „Wie kann es sein, dass erfolgreiche Programme auf dem Altar der politischen Machtkämpfe geopfert werden?“ Angesichts der hohen finanziellen Aufwendungen von zehn Millionen Euro für Bildung und Betreuung in Heidenheim schlug Rudi Neidlein vor, bei der nächsten Haushaltsberatung auszuweisen, wie viele Mittel die Stadt freiwillig aufbringt, um das hohe Niveau beizubehalten.

60000 Euro jährlich

Für das Bildungshaus Ost konnte Matthias Heisler, beim Rathaus unter anderem zuständig für die Schulen und Kindergärten, das ausrechnen: In den vergangenen zehn Jahren brachte die Stadt 420000Euro an Sach- und Personalkosten auf. Künftig werden es rund 30000 Euro für die halbe Erzieherinnenstelle pro Einrichtung sein. Die Stadt hat davon zwei.

Heidenheim gehört zu den Vorreitern

Gleich zwei Bildungshäuser für Drei- bis Zehnjährige betreibt die Stadt Heidenheim. Die Ostschule und das Kinderhaus Kapellenstraße bilden den einen Kooperationsverbund, die Silcherschule Mergelstetten mit der Kinderwelt den anderen. Dort startete das Bildungshaus 2012.

Als Modellprojekt hatte die damals CDU-geführte Landesregierung die Bildungshäuser im Schuljahr 2007/2008 als Pilotprojekte eingerichtet. Unter der Folgeregierung standen sie auf der Kippe. Momentan gilt: Es werden keine neue eingerichtet, aber auch keine bestehenden geschlossen.

Weitere Bildungshäuser gibt es im Landkreis Heidenheim darüber hinaus in Hermaringen, im Nattheimer Teilort Auernheim, in Steinheim sowie in den Giengener Teilorten Hürben und Burgberg. Auch dort bleiben die Einrichtungen vorerst weiter bestehen.

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