NABU Heidenheim als grünes Vorbild für andere Städte

Für viel Natur im Siedlungsgrün, etwa in der Zanger Straße, wird die Stadt Heidenheim als vorbildlich für andere Kommunen im Land bezeichnet.
Für viel Natur im Siedlungsgrün, etwa in der Zanger Straße, wird die Stadt Heidenheim als vorbildlich für andere Kommunen im Land bezeichnet. © Foto: Archiv
Karin Greth 09.04.2014
Heidenheim ist Vorbild für die mehr als 1100 Kommunen im Land: als eine von 20 Beispielkommunen im Rahmen des Projekts "Mehr Natur im Siedlungsgrün" des Naturschutzbundes Baden-Württemberg. Eine Ausstellung im Rathaus zeigt die Hintergründe und Konzepte.

Natur in der Stadt? „Heidenheim zeigt, wie es geht“, bemerkte Oberbürgermeister Bernhard Ilg in seinem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung „Mehr Natur im Siedlungsgrün“ am Dienstagabend: „Wir freuen uns sehr, dass wir als Modellkommune ausgewählt wurden“. Ein bisschen Unmut konnte der Oberbürgermeister bei aller Freude dennoch nicht verbergen: Ausgerechnet von den Grünen hatte sich kein Stadtrat zur Feier der Ausstellungseröffnung eingefunden. Ilg begrüßte deshalb die anwesenden Vertreter der CDU und SPD besonders herzlich und verteilte einen kleinen Seitenhieb auf die Abwesenden: „Es scheint doch ein Unterschied zu sein, ob man sich polemisch für etwas interessiert oder sich konkret und in der Praxis dafür einsetzt“.

In der Praxis setzt man sich in Heidenheim als Bündnispartner der Kommunen für biologische Vielfalt schon lange für die einheimische Flora und Fauna ein, nicht nur im Außenbereich sondern vor allem auch in der Stadt selbst durch gezielte Pflanzkonzepte und naturverträgliche Pflege. „Nicht perfekt, aber schon sehr vorbildlich“, fasste Ilg zusammen.

Dazu gehörten Staudenbepflanzungen statt asphaltierter Mittelstreifen, Blumenwiesen statt Zierrasen und Schafe statt Rasenmäher auf den Heideflächen, zählte der Oberbürgermeister auf. Außerdem sei es gelungen, das Gelände der Landesgartenschau fast vollständig als Park zu erhalten, mit vielen naturnahen Bereichen und einem Grünen Klassenzimmer.

„Menschen fühlen sich in grünen Städten wohler als in grauen“, so der Oberbürgermeister. Deshalb plane man keine Straßenumgestaltung mehr ohne neue Bäume. Außerdem sei man gerade dabei, eine Idee mit dem Namen „Pflücken und Naschen erlaubt“ umzusetzen: „Auf bislang kaum genutzten Flächen pflanzen wir Obstbäume und Beerensträucher und sähen Blumenwiesen ein. Ernten und pflücken kann dann jeder, der Hunger hat oder jemanden mit einem Strauß Blumen eine Freude machen will.“ Bereits umgesetzt werde das Konzept im Knupfertal, im Ugental, an der Zanger Straße und in Großkuchen. Geplant sei die Umsetzung nun auch am Schloss, in Bereichen der Innenstadt und am Spielplatz Bungalowsiedlung.

Als weiteres aktuelles Projekt verwies Ilg auf die Umsetzung der innerstädtischen Brenzufer-Renaturierung. „Der Abschnitt vom Brenzpark bis zur St.-Pöltener-Straße soll naturnaher und erlebbarer gestaltet werden und der Biodiversität Rechnung tragen“.

Um Grünflächen naturverträglich zu erhalten, gibt es in Heidenheim ein Grünflächenmanagement. Zum Konzept gehöre, dass ausschließlich organische Dünger verwendet werden, so Ilg. Außerdem habe man die Mähfrequenz verringert, Grünschnitt werde weiterverwendet und man verzichte auf Pestizide und Herbizide.

Die Sicherung der biologischen Vielfalt könne jedoch keine Stadtverwaltung alleine erreichen, betonte der Oberbürgermeister. Dazu bedürfe es des Engagements der Bürger und Vereine. Besonders dem Nabu, dem Schwäbische Albverein, dem Obst- und Gartenbauverein, dem Brenzparkverein und den Gartenfreunden Mergelstetten gelte sein besonderer Dank.

Als Vertreter des Nabu war Martin Klatt, Referent für Arten- und Biotopschutz, zur Ausstellungseröffnung nach Heidenheim gekommen. Er erinnerte an den Weltumweltgipfel 1992 in Rio. Zum Schutz der biologischen Vielfalt war damals per Konvention beschlossen worden, spätestens bis 2010 das globale Sterben von Arten und Lebensräumen zu stoppen. „Die Politik wurde auf jeder Ebene nicht müde zu betonen, wie wichtig das ist“, berichtete Klatt.

Passiert sei trotzdem nichts. „Das Völkerrecht wurde gebrochen“, stellte der Nabu-Referent klar, „die Zielvorgabe um zehn Jahre verschoben, auf 2020“. Deshalb gelte es nun, die Ärmel hochzukrempeln, vor Ort die Beschlüsse ernst zu nehmen und umzusetzen. So wie dies in Heidenheim bereits geschehe: „Rio ist Heidenheim“, lobte Klatt. An vielen Stellen werde hier bewiesen, dass man das Konzept selbst auf kleinsten und scheinbar unbedeutenden Flächen umsetzen kann. In der Broschüre des Nabu zum Thema ist das Heidenheimer Beispiel auch mit dem Foto eines lückig bewachsenen Schotterparkplatzes vertreten. Das Heidenheimer Modell sei wert, Kreise zu ziehen und Nachahmer zu finden, betonte Klatt, „und vielleicht auch als Anregung für die Gestaltung des eigenen Gartens oder Balkons“.