Heidenheim Heid-Tech praktiziert Bildung aus der Cloud

300 Tablets sind derzeit an der Technischen Schule Heid-Tech im Einsatz. Es arbeiten damit die Schüler des Technischen Gymnasiums und ihre Lehrer.
300 Tablets sind derzeit an der Technischen Schule Heid-Tech im Einsatz. Es arbeiten damit die Schüler des Technischen Gymnasiums und ihre Lehrer. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Günter Trittner 05.02.2019
In Sachen Digitalisierung ist die Berufsschule beispielgebend. Anker des Unterrichtsgeschehens ist die selbst aufgebaute digitale Lehr- und Lernbibliothek.

„Wir finden es gut“. Diese kurze Bewertung von Studiendirektor Rolf Väth steht am Ende seiner profunden Erläuterung, warum die Technische Schule Heidenheim in Sachen Digitalisierung beispielgebend ist. Sie steht als Fazit aber nicht nur unter der Auflistung der umfangreichen technischen Ausstattung, dank der an der Heid-Tech ein digitales Netz gesponnen wurde, das von der Tätigkeit der Verwaltung bis zur Programmierung der CNC-Maschinen in den Werkstätten alle Bereiche der Schullebens umschließt. Väth, der Pionier in der schulischen Netzwerktechnik an der Schule war und landesweit Erfahrungen gesammelt hat, will mit diesem Urteil auch unterstreichen, dass diese Digitalstrategie auch ein Gewinn für die Pädagogik ist.

Klare pädagogische Vorteile

Nicht dass die Schüler dank Tablet und Co. intelligenter würden – da winkt auch Studiendirektor Franz Metz ab, wie Väth Abteilungsleiter an der Heid-Tech. Aber die Schüler lernten mit den Instrumenten umzugehen, die sie später im Berufsleben oder im Studium handhaben müssen. Und nicht nur das. Lehrer Melanie Meyer, welche am Technischen Gymnasium unterrichtet, sieht klare pädagogische Vorteile. Dank der digital gespeicherten und in jedem Klassenzimmer unmittelbar abrufbaren Unterrichtsmaterialien bleibe dem Lehrer mehr Zeit, individuell auf die Schüler einzugehen, diese gezielt zu fördern. Und auch für diese gezielte Förderung habe man dank der Digitalisierung wiederum passende Materialen zur Hand. Bildung aus der Cloud, wenn man so will.

Und der Kollege Computer, der an der Heid-Tech die Gestalt eines Tablets hat, kommt auch der Wahrnehmung der Schüler entgegen. Diese, so Meyer reagierten heute viel stärker auf optische und akustische Reize. „Was einst das Handbuch war, ist heute das Reparier-Video auf You-Tube“, gibt Väth ein Beispiel für die digitale Revolution.

Diese Revolution hat die Schule im Bereich ihrer technischen Ausstattung bereits so gut bewältigt, dass sie zum Studienort für andere Schulen geworden ist, die an der Clichystraße sehen wollen, wie man mit einer Bildungs-Cloud umgeht. Nico Gunesch, der wie Väth Netzwerkexperte und in der Lehrerfortbildung tätig ist, verfasst sogar landesweit gültige Handreichungen. „Wir haben hier in Baden-Württemberg eine führende Rolle“, bestätigt Schulleiter Markus Benkmann-Köhler.

Dass man in diese Position gekommen ist, weiß man in der Schule einerseits der Landkreisverwaltung zu danken, die als Schulträger erheblich in Technik und Gerätschaften investiert hat, andererseits sieht man darin auch die Anerkennung für eine große Gemeinschaftsleistung beim Aufbau der Bildungs-Cloud. Wenn heute jeder Lehrer am Technischen Gymnasium Unterrichtseinheiten mit allen zusätzlichen nötigen medialen Verstärkungen einfach per Tablet aus der digitalen Lehrbibliothek herunterladen kann, dann deswegen, weil diese vom Kollegium so sorgfältig angelegt und mit Informationen gefüllt wurde. Dazu wurden fachspezifisch Teams gebildet, welche die Unterrichtsmodule gemeinsam entwickeln. Ein durchaus erwünschter Nebeneffekt: Wenn konsequent digitalisiert wird, dann kann auch kein wertvolles Wissen verloren gehen, wenn ein Lehrer in den Ruhestand geht. „Das ist Wissensmanagement“, sagt Väth.

Die den Schülern zugewandte Seite dieses digitalen Speichers ist die Lernbibliothek. Auch für diese haben die Lehrer im Team gearbeitet, damit sich die Schüler mit dem Tablet oder anderen mobilen Endgeräten, wo auch immer sie sind, darin bedienen können, um Hausaufgaben zur erledigen, Präsentationen vorzubereiten, Informationen zu sammeln. „Jede Klasse hat ihren Ordner“, sagt Karin Eckerle, die Fachbereichsleiterin am TG. Die Schüler-Ausrede, Arbeitsblatt vergessen, zieht bei dieser immerwährenden Zugriffsmöglichkeit allerdings nicht mehr.

Sofortige Rückmeldung

Der Umschwung von Daten im Tempo eines Wimpernschlags macht den Unterricht auch flexibler. Schnell noch vor Schluss der Schulstunden ein Quiz zur Lernkontrolle? Die Fragen laufen bei jedem Schüler auf dem Bildschirm ein, der Lehrer kann sofort eine Rückmeldung geben und bei Bedarf auf Arbeitsblätter in der Lernbibliothek verweisen, die helfen nicht Verstandenes zu begreifen.

„Digitalisierung ist mehr als ein Internetzugang und ein Tablet“, sagt Väth. Es ist ein System, eine Strategie, eine Arbeits- und eine Denkweise. „Bei mir arbeiten Schüler auch noch auf Papier“, berichtet Meyer. „Aber, das Ergebnis wird dann fotografiert und digital abgelegt. „Wir können bei den Methoden und Unterrichtsformen weiter alle Register ziehen“, bekräftigt Väth, „aber das Ergebnis am Ende muss digital sein.“

An der Heid-Tech ist dank der Digitalisierung auch die „Eule“ heimisch geworden. Diese steht als Begriff für eigenverantwortliches Üben, Lernen und Arbeiten. Dieses kann in zwei eigens dafür geschaffen Räumen praktiziert werden, kann aber auch Konzept im Klassenunterricht sein. Der Lehrer wird dabei zum Lernbegleiter, der nicht vorgibt, sondern anleitet. Auch bei Eule ist das Tablet der Schlüssel, um Informationen zu finden und Wissen zu bilden.

Wie man wahre Quellen von falschen unterscheiden kann, mussten die Schüler auch schon in der analogen Welt lernen. Vermehrt hat sich in der digitalen Welt nur die Zahl der Quellen. „Es ist die Kunst des Filterns, die man lernen muss“, sagt Gunesch. Auch diese ist Teil der Medienkompetenz, welche die Schüler erreichen sollen. „Wenn ein Schüler selbst für andere Schüler ein Lern-Video erstellt, dann ist ein Maximum erreicht“, gibt Nico Gunesch ein Beispiel.

Auch an der Heid-Tech hat man gespürt, dass der Wechsel in die Digitalisierung eine Generationsfrage ist. „Das ist etwas anderes als einen Schalter umzulegen“, weiß Väth. Die digitale Kompetenz sei eine neue Anforderung an den Lehrer. Entsprechend wird auch heute noch an der Heid-Tech eine intensive Fortbildung der Lehrer betrieben. „Denn nur wenn alle Lehrer ein Tablet einsetzen, dann ändert sich der Unterricht“, sagt Benkmann-Köhler.

Digitale Infrastruktur

Zur digitalen Infrastruktur gehören bei der Heid-Tech zirka 600 PC, zirka 400 Tablets, zirka 100 Drucker, zirka 60 Zugangspunkte für das schulweiter W-Lan sowie 250 Software-Pakete und Apps. Sämtliche Maschinen und Anlagen in der Heid-Tech sind in das schulinterne Netz eingebunden.
Mit eigenen Mitteln des Landkreises wurde eine Lernfabrik 4.0 aufgebaut. Ein weiterer Ausbau der Lernfabrik in Richtung Robotik und Virtual Reality ist vorgesehen.
Seit dem Schuljahr 2015/16 ist die Heidtech Teil des Landesprogramm Tablet BS. Die Heidenheimer waren damit schon bei der ersten Tranche dabei. Seitdem erhalten sämtliche Schüler des Technischen Gymnasiums ein Tablet.
In der Fertigungstechnik wird an der Heid-Tech mit CNC-Maschinen konstruiert, an modernen Fertigungszentren hergestellt und an präzisen Messmaschinen vermessen. Die Übermittlung der Daten erfolgt über das schulweite Intranet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel