Umbau Hartmann weiht "Medical Innovation Center" ein

Heidenheim / Hendrik Rupp 07.07.2014
Rund eineinhalb Jahre nach Beginn der Umbauten hat die Paul Hartmann AG am Montag das neue "Medical Innovation Center" eingeweiht. Die Mischung aus Büros, Reinraumfertigung, gläserner Produktion und Plattform für den Kundendialog gilt im Unternehmen als bedeutender Evolutionsschritt.

Vor mehreren Hundert Gästen erinnerte Hartmann-Aufsichtsratsvorsitzender Fritz-Jürgen Heckmann daran, dass der Schritt zum neuen Zentrum nicht selbstverständlich war. Die 1980 erbauten Hallen standen mit dem Umzug der alten Inkontinenz-Produktion nach Herbrechtingen seit 2011 leer, ein „großer Nachbar“ wollte das Gelände erwerben und in Osteuropa und Asien lockten alternative Standorte mit gleicher Qualität. Doch nun sei das „tolle Fabrikle“ fertig und eine weitere Evolutionsstufe für den Konzern.

„Innovation macht nur Sinn, wenn man sie erleben kann“, sagte auch Hartmann-Vorstandsvorsitzender Andreas Joehle, der den besonderen Kundendialog hervorhob: „Wir wollen Medizintechnik gemeinsam mit den Kunden weiterbringen, denn ihnen müssen unsere Produkte nützen.“

In nur eineinhalb Jahren sei aus den alten Lagerhallen eine hochmoderne Fabrik entstanden – auch durch das enorme Engagement der Hartmann-Mitarbeiter. So stehe er auch zu der bewussten Entscheidung für Heidenheim: „Hier am Stammsitz wollen wir Arbeitsplätze sichern.“

Lobende Worte kamen aus der Politik: An der „Wiege des Mulls“ habe Hartmann mit Investitionen von über 15 Millionen Euro eine bedeutende Innovation geschaffen, so Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: Ambulantes Operieren, kürzere Klinikaufenthalte, gleichzeitig optimale Versorgung – das liege im Trend: „Und Hartmann hat die Produkte dafür“, so der CDU-Politiker.

Baden-Württembergs Wirtschafts- und Finanzminister Dr. Nils Schmid erinnerte an die Bedeutung der Pharma- und Medizintechnikbranche: Im Land stelle sie jeden neunten Arbeitsplatz, und es gehe um eine echte Zukunftsbranche.

Nach einer Feierstunde mit lokalen Einlagen (unter anderem von der Musikschule und dem Neuen Kammerchor) ging es für die Gäste zur Besichtigung in die neuen Hallen. Hartmann-Vorstandsmitglied Dr. Felix Fremerey führte als Projektverantwortlicher durch das neue Zentrum, dessen Schriftzug zuvor enthüllt und dessen rotes Band in Kleinarbeit (mit Verbandsscheren) zerschnitten worden war.

Sauber, schlank und ökologisch solle das Zentrum sein, so Fremerey – auch deswegen habe man die alten Hallen gleichsam „recycelt“. In gewaltigen Reinräumen mit sorgsam gefilterter Luft werden die sterilen Produkte zusammengestellt – von rund 250 Mitarbeitern. Im Dreischichtbetrieb kommt man auf über 90 Millionen Wundauflagen jährlich, täglich verlassen allein zwei Sattelzüge an OP-Sets das neue Zentrum – 700 000 Stück in einem Jahr, zumeist von Hand und individuell nach Kundenwunsch zusammengestellt.

Das dient auch als Showroom und gläserne Produktion für die Kunden. „Sterilität sieht man nicht“, so Fremerey – bei Hartmann gibt es darum auch optische Veränderungen zwischen sauberen Zonen (grauer Boden), noch reineren Zonen (hellgrauer Boden) und echten Reinräumen (weiße Böden).

Auch die Logistik ist neu: Statt einem Gewusel von Gabelstaplern kreist ein Transportzug im 20-Minuten-Takt durch die Hallen, der die komplette Andienung im nicht sterilen Bereich abwickeln soll.

Und das „Medical Innovation Center“ ist die wohl erste Fabrik mit eigenem OP: Um Kunden schulen, aber auch ihre Anregungen aufnehmen zu können, verfügt das Werk über einen kompletten Operationssaal mit allem Zubehör – und mit Blick in den Versand nebenan. Hier testet Hartmann, hier kommt man aber auch mit den Kunden auf neue Ideen. Ein Beispiel? Neue OP-Sets von Hartmann enthalten nicht mehr Dutzende einzeln verpackter Produkte. Denn einmal geöffnet wird ohnehin das ganze Paket verbraucht, und der Verzicht auf dutzendfaches Aufreißen spart den OP-Schwestern wertvolle Zeit.

Gleichzeitig wurde die einstige Halle komplett geöffnet: In den fast 110 Meter langen Bau wurden unzählige Fenster und Lichtkuppeln geschnitten, auch in der Produktion und im Versand wird fast überall bei Tageslicht gearbeitet, in den Büros sowieso.

Kein Wunder, dass die Hartmann-Mitarbeiter längst nicht bis zur offiziellen Einweihung warteten: Die Produktion läuft bereits, und laut Andreas Joehle sind die ersten OP-Sets aus dem neuen Zentrum schon bei den Kunden angekommen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel