Geschäft Hartmann kauft spanische Inkontinenz-Marke

Die Heidenheimer Paul Hartmann AG will auf den spanischen Inkontinenz-Markt.
Die Heidenheimer Paul Hartmann AG will auf den spanischen Inkontinenz-Markt. © Foto: HZ-Archiv
HZ 04.03.2017
Heidenheimer Firma will die Procter & Gamble-Tochter Lindor samt Produktionsstandort übernehmen und damit auch in Spanien Inkontinenz-Produkte herstellen.

Die Hartmann-Gruppe will die spanische Inkontinenz-Tochter des US-amerikanischen Großkonzerns Procter & Gamble übernehmen und künftig auch in Spanien Inkontinenzprodukte herstellen. Entsprechende Pläne hat Hartmann jetzt bekannt gegeben.

Im Auge hat der Konzern dabei Lindor, im professionellen Pflegebereich eine der bekanntesten Inkontinenzmarken für Erwachsene in Spanien und Portugal. Die Transaktion soll laut Hartmann im laufenden Geschäftsjahr bis Ende des zweiten Quartals vollzogen werden. Die Übernahme unterliegt der Genehmigung der lokalen Kartellbehörde.

Hartmann hofft auf neue Synergien auf dem Inkontinenzmarkt

Im Rahmen des Übernahmevertrags wird Hartmann von Procter & Gamble alle Vermögenswerte im Zusammenhang mit dem Lindor-Produktsortiment übernehmen (dazu gehören die Markennamen Lindor, Salvacamas, Lindor Care, Lindor Pants). Auch alle Mitarbeiterverträge sowie einen 25.000 Quadratmeter großen Produktionsstandort im spanischen Montornés wollen die Heidenheimer erwerben.

„Durch diese Übernahme wird Hartmann einer der bedeutendsten Akteure auf dem Inkontinenzmarkt für Erwachsene in Spanien und Portugal,” erklärt Hartmann-Vorstandsvorsitzender Andreas Joehle. „Sie wird unsere lokale fachliche Präsenz auf dem Inkontinenzmarkt erweitern und uns die Möglichkeit eröffnen, Synergien auf Konzernebene in Bezug auf unseren Geschäftsbetrieb, die Produktion und Lieferkette zu erzielen.”

Nach Ansicht von Andreas Joehle wird die Übernahme Hartmann auch ermöglichen, eigene Produkte besser auf der iberischen Halbinsel verkaufen zu können. Dank des Umsatzvolumens und der Markenbekannheit von Lindor soll sich zudem der Marktzugang zu Großhändlern, Apotheken und Allgemeinärzten verbessern.

Hartmann: Vorausschauendes Handeln

Im Geschäftsjahr 2015/2016 erzielte Lindor einen Umsatz von 75 Millionen Euro. Der Großteil des Umsatzes kommt aus dem Apothekengeschäft, der kleinere Anteil von öffentlichen Institutionen, wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Hartmann will im weiterhin wachsenden Pflegeheimmarkt auf kosteneffiziente Lösungen fokussieren, die sowohl Pflegekräften als auch Patienten praktischen Mehrwert bringen. Das Regionalteam wird sich einerseits auf erstattungsfähige Produkte für die häusliche Pflege, andererseits auf Up- und Cross-Selling-Ansätze über die Apotheken konzentrieren.

„80 Prozent aller Menschen in Pflegeheimen sind inkontinent”, so Marc Perez, bei Hartmann Regional Director für Westeuropa. „Betrachten wir speziell Spanien, liegt dieser Wert ebenfalls bei 80 Prozent. Das vorausschauende Handeln und das Anpassen an die Auswirkungen des demographischen Wandels, in Verbindung mit der steigenden Zahl chronischer Erkrankungen und schrumpfender Gesundheitssysteme, haben uns in eine gute Position für diese strategische Übernahme gebracht.”