Ehre Hanns-Voith-Stiftung zeichnet drei Nachwuchswissenschaftler aus

Anerkennung für Topleistungen: Die diesjährigen Hanns-Voith-Stiftungspreosträger (vorne von links) Sören Schenke, Inga Noll und Julian Schelling mit (dahinter von rechts) Michael Rogowski, Angela Voith, Erwin Krajewski und Meinrad Schad von der Hanns-Voith-Stiftung.
Anerkennung für Topleistungen: Die diesjährigen Hanns-Voith-Stiftungspreosträger (vorne von links) Sören Schenke, Inga Noll und Julian Schelling mit (dahinter von rechts) Michael Rogowski, Angela Voith, Erwin Krajewski und Meinrad Schad von der Hanns-Voith-Stiftung. © Foto: Hendrik Rupp
Heidenheim / Hendrik Rupp 24.06.2016
Zum vierten Mal hat die Hanns-Voith-Stiftung gestern abend ihre Stiftungspreise für herausragende Arbeiten von Studenten vergeben.

Dass er in seinen einleitenden Worten über Eliten sprach, konnte Dr. Michael Rogowski als Vorsitzender des Stiftungsrates heuer wörtlicher nehmen, als es der Stiftung lieb ist: Nur in drei der maximal möglichen sechs Kategorien wurden Preise vergeben. „in manchen Bereichen haben wir Probleme, an gute Arbeiten zu kommen, zum Beispiel in den Wirtschafstwissenschaften“, so Rogowski. Aber auch in den Bereichen Papier und Industriedienstleistungen gingen entweder gar keine oder keine preiswürdigen Bewerbungen ein. Überdie swill die Stiftung die Preise, die sich immer an den Aktivitäten des Voith-Konzerns anlehnen, für die Zukundt abändern. Das hieße: Industriedienstleistung raus, Digital Solutions rein.

„Uns geht Qualität vor Quantität, es ist nicht unser Ziel, möglichst viele Preise zu vergeben“, sagt Meinrad Schad, neben Erwin Krajewski Vorstand der Stiftung.

Dennoch: Immerhin 22 preiswürdige Bewerbungen wurden von der sechsköpfigen Jury und den jeweiligen Fachgutachtern unter die Lupe genommen – und nicht nur Erwin Krajewski findet es spannend, die Arbeiten zu lesen, „auch wenn man manchmal keine zehn Prozent davon versteht“.

Drei studentischen Abschlussarbeiten wurden gestern mit einem der jeweils mit 5000 Euro dotierten Hanns-Voith-Stiftungspreise bedacht: Im Bereich „neue Werkstoffe“ geht der Preis heuer an Inga Noll. Die 26-jährige Maschinenbauerin aus Bonn überteugte die Jury mit ihrer an der hat an der RWTH Aachen erstellten Masterarbeit über die Eisnatzmöglichkeiten sogenannter Polyetherimide in der Automobilindustrie. „Diese Thermoplaste sind widerstandsfähiger, man kann sie schneller herstellen und vor allem haben Sie eine sogenannt Class-A-Oberfläche“ sagt Noll. Das bedeutet, man muss ein Anbauteil nicht unbedingt lackieren, weil es schon von Haus aus schön glatt ist und glänzt. „Sie können da auch für schöne Karbon-Optik sorgen“, sagt Noll. Eine der schwierigsten Hürden bei dem neuen Werkstoff: Teile müssen bei deutlich höheren Temperaturen verarbeitet werden als sonstige Kunsstoffsorten.

Was macht man mit 5000 Euro für die eigene Forschungsarbeit? Weiterforschen, natürlich: Noll promoviert jetzt und will dafür auch mal wieder in die USA: „Da kann man das Geld gut brauchen“.

Beim Festabend im Voith-Training Center hielt Noll gestern die Dankesrede für alle Preisträger, also auch für ihre beiden Kollegen. Also auch für Sören Schenke, den Preisträger bei der Antriebstechnik. Für seine Masterarbeit an der Technischen Hochschule Hamburg-Harburg untersuchte Schenke, der vom Bodensee stammt, Computersimulationen im Schiffsbau und löste ein altes Problem: Virtuell lassen sich sowohl die Strömung an einem Schiffsrumpf berechnen als auch die Strömung an einer sich drehenden Schiffsschraube – aber wie kombiniert man beides? Schenke rechnete mehr als ein halbes Jahr und stellte dann ein Modell her, das die komplizierten Sog- Druck- und Wirbeleffekte eines Propellers einfach in das Strömungsmodell eines Rumpfes überführt – ohne zu viel Details, aber mit allen Effekten, um gut simulieren zu können. Schenkes Berechnungsverfahren wird erfolgreich in der industriellen Produktentwicklung angewendet.

Auch der 28-jährige Schenke macht inzwischen seinen Doktor – in den Niederlanden beschäftigt er sich mit dem Phänomen der Kavitation, also der Blasenbildung an Propellern oder Turbinen im Wasser. Das passt geradezu verblüffend zum dritten Preisträger im Bunde: Julian Schelling wurde im Bereich Wasserkraft ausgezeichnet – für seine an der Uni Stuttgart erstellte Masterarbeit „Experimentelle Untersuchung von Kavitationsstrukturen an einem Tragflügel“. Auch per Computersimulation, aber auch buchstäblich mit dem Modell im Wasserbad kümmerte sich Schelling (29), der aus der Nähe von Meersburg kommt, mit der Blasenbildung, die für Vibrationen, Lärm und weniger Leistung sorgt. Besonders spannend seine Methoden, Kavitation mit verschiednen Sensoren direkt an den Turbinenblättern zu messen – das wäre die Voraussetzung, damit sich ein Wasserkraftwerk 4.0 besser selbst steuern und regeln kann.

„Da habe ich ja gleich 1000 Fragen“, so Kavitations-Doktorand Sören Schenke – und viele davon werden bei dem halbtägigen Rundgang durch das Werk (nebst Besichtigung der eigenen Schiffssimualitionen bei Voith) auch zur Sprache gekommen sein.

Gestern abend dann wurden die drei Preise dann offiziell und in feierlichem Rahmen im Voith Training Center überreicht. Neben Dr. Michael Rogowski und und Meinrad Schad würdigte besonders Jury-Vorsitzender Prof. Sigmar Wittig die Preisträger. Und auch Angela Voith, selbst im Vorsitz des Stiftungsrates der nach ihrem Vater benannten Hanns-Voith-Stiftung, war eigens für die Verleihung nach Heidenheim gekommen und sprach zu den Preisträgern und Festgästen – unter anderem die Vertreter der an den Preisarbeiten beteiligten Lehrstühle sowie die Betreuer der Abschlussarbeiten. Musilakosch wurde der Abend vom Sextett „Ma'cappella umrahmt.

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