Heidenheim Handy statt Karte statt Bargeld

Kontaktloses Bezahlen ohne Eingabe der Pin? Heute ist das fast überall möglich.
Kontaktloses Bezahlen ohne Eingabe der Pin? Heute ist das fast überall möglich. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Tina Lischka 28.08.2018
Mit der Karte bezahlen ist nicht neu, aber auch das Handy kommt mittlerweile zum Einsatz. Ob Bargeld deshalb zunehmend verschwindet? Laut Volksbank und Sparkasse ist man davon weit entfernt.

Das macht dann acht Euro und 43 Cent – heißt es an der Supermarktkasse. Anstatt den Geldbeutel zu zücken und nach Kleingeld zu suchen, greifen heute mehr Menschen denn je zur EC- oder Kreditkarte, ja sogar zum Handy. Bequem und schnell wird so bezahlt. Aber ist das auch sicher? Und wo liegen die Vorteile für Kunden, Banken und Händler?

Bargeldloses Zahlen ist in fast allen Bereichen möglich, wie auch Jürgen Pröbstle von der Volksbank Heidenheim bestätigt. „Da gehört heute so viel dazu: Online-Banking, per App aber auch mit Girocard und Kreditkarte bezahlen“, sagt er. Und der Bargeldumsatz gehe zurück, die digitalen Transaktionen hingegen nähmen deutlich zu. Über 50 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr allein mit der Girocard, so Pröbstle.

Während Kartenzahlungen nichts Neues sind, gibt es die kontaktlose Variante noch nicht so lange. Ein kleines Zeichen auf der Karte, das aussieht wie ein Wlan-Symbol, deutet auf die sogenannten NFC-Funktion hin. Mit der ist es möglich, Beträge unter 25 Euro noch einfacher zu bezahlen. Die Karte wird an das Lesegerät gehalten und muss nicht mehr eingeführt werden. Die Eingabe des Pins entfällt. „Viele Kunden hatten anfangs Angst. Aber die Karte kann deshalb nicht einfach so ausgelesen werden“, so Pröbstle. Auch Wolfgang Neubrand von der Kreissparkasse Heidenheim bestätigt das: „Aus Sicherheitsgründen muss ein enger Kontakt zwischen Karte und Lesegerät bestehen“, sagt er. Nur wenige Zentimeter dürften es sein. Außerdem würden die Daten verschlüsselt übertragen. Der deutsche Datenschutz und die Sicherheitsvorkehrungen seien hier sehr hoch und seit diesem Jahr noch weiter verschärft, versichert Neubrand.

Kontaktlos sind maximal vier Zahlungen pro Tag möglich und insgesamt sechs, dann muss der Pin eingegeben werden, erklärt Neubrand weiter. Das diene ebenfalls der Sicherheit des Karteninhabers. Sollte es also zu einem Diebstahl der Karte kommen, wäre es trotzdem nur begrenzt möglich, Beträge unter 25 Euro zu bezahlen, ohne sich identifizieren zu müssen. Trotzdem sollte in so einem Fall die Karte schnellst möglich gesperrt werden.

Apropos Identifikation: Als einen Nachteil gegenüber Bargeld bezeichnet Pröbstle die fehlende Anonymität beim digitalen Bezahlen. Jeder Zahlungsverkehr mit der Karte übertrage schließlich Daten. Aber: Auch er versichert höchste Sicherheit im Umgang mit den Kundendaten.

Und die Digitalisierung bringt immer wieder neue Entwicklungen. So ist es bei der Sparkasse seit 30. Juli möglich, auch mit dem Handy zu bezahlen. Einfach gesagt: Mit einer App kann man nun auch die Girocard auf dem Smartphone mit sich führen. Die NFC-Funktion ermöglicht es auch hier, dass man das Handy einfach an das jeweilige Lesegerät an der Kasse hält und bezahlt. Auch bei der Volksbank wird das mobile Bezahlen im Moment eingeführt, so Pröbstle. Neubrand erklärt, dass die Sicherheitsstufe beim mobilen Bezahlen von jedem selbst festgelegt werden kann. Heißt: Bezahlen, indem man einfach nur einen Knopf am Handy betätigt und der Bildschirm hell wird. Stufe zwei: Bezahlen, indem man den Bildschirm entsperren muss. Oder die höchste Stufe: Die App muss zusätzlich gestartet werden.

Mit dem Handy bezahlen

Das gute daran: Sein Handy habe heutzutage jeder immer bei sich, den Geldbeutel hingegen nicht, sind sowohl Neubrand als auch Pröbstle überzeugt. Außerdem habe der Kunde die Möglichkeit sowohl die Karte als auch das Handy zu verwenden – „das ist jedem selbst überlassen“, so Neubrand. „Der Kunde hat jederzeit seine Bank in der Hosentasche“, sagt er über die App.

Eine weitere Funktion, die mit der jeweiligen App möglich ist, heißt „Kwitt“. Kleine Beträge können mit dieser Funktion an gespeicherte Kontakte im Mobiltelefon übertragen oder von diesen angefordert werden. Sammelt man zum Beispiel unter Kollegen für ein Geburtstagsgeschenk, sei das eine optimale Lösung erklärt Pröbstle.

Schnelligkeit als Vorteil

Der größte Vorteil für den Kunden beim digitalen und bargeldlosen Bezahlen ist also die Schnelligkeit. Man muss nicht lange nach Geld suchen und beim kontaktlosen Bezahlen nicht einmal mehr den Pin eingeben. Ein Vorteil für die Banken ist, dass Bargeld enorme Kosten verursache, so Pröbstle. Geld einsammeln, rollieren – Tonnen würden hier bewegt. 300 000 Rollen Münzgeld pro Jahr sind es allein bei der Volksbank. „Bargeld ist teuer“, sagt auch Neubrand. Der logistische Aufwand sei enorm.

Ein Vorteil für Händler: „In den Kassen befindet sich nicht so viel Wechselgeld“, erklärt Pröbstle. Das sei sicherer und erspare dem Personal in Geschäften viel Zeit. Große Geldbeträge zu den Banken bringen, entfalle somit.

Auch die Hygiene spreche für das bargeldlose Bezahlen, weil man so gar nicht mehr mit Scheinen und Münzen in Berührung kommt. Und nicht zu vergessen: Die Sicherheit. Größere Geldbeträge könne der Kunde sicherer digital begleichen als bar, so Pröbstle. Das einzige Risiko: „Wenn man seine Karte verliert“, sagt er. Dann hätte man aber immer noch den Schutz durch Pin- und Tan-Nummern. Deshalb sollte man diese natürlich niemals aufgeschrieben mit sich führen.

Geht es ganz ohne Bargeld?

Trotz des Vormarsches der Digitalisierung sei man aber noch lange nicht so weit wie in skandinavischen Ländern, in denen fast keine Bargeldzahlung mehr möglich ist, so Neubrand. Das Thema Bargeld sei nach wie vor relevant für die Bevölkerung in Deutschland. „Die Kartenzahlungen werden zunehmen, aber das Bargeld sicher nicht ersetzen“, sagt er. „Der Deutsche liebt sein Bargeld viel zu sehr“, sagt auch Pröbstle. Jeder habe im Schnitt 116 Euro Bargeld in seinem Portemonnaie.

Dass die Bargeldlose-Variante dennoch sehr gefragt ist, zeigen Zahlen aus dem Online-Banking, das zunehmend häufiger in Anspruch genommen wird. Bei der Volksbank sind es 15 500 Nutzer, die auf die digitale Variante zurückgreifen. Elf Millionen Abfragen seinen es allein beim Online-Banking der Volksbank im Jahr 2017 gewesen. Auch Eva Keller von der Kreissparkasse kann eine steigende Nutzung in den vergangenen Jahren verzeichnen. 70 Prozent der Privatkunden nutzten mittlerweile das Online-Banking der Sparkasse. Außerdem seien es 10 000 Kunden, die die Sparkassen-App verwenden.

Warum wird häufiger mit Girocard anstatt mit Kreditkarte bezahlt?

Wer im Supermarkt mit Karte bezahlt, greift meist zur Girocard. Kreditkartenzahlungen hingegen sieht man in Deutschland seltener als im Ausland.

Der Grund? Bei den großen Discountern sei es erst seit wenigen Jahren möglich, überhaupt mit Kreditkarte zu bezahlen, so Pröbstle. Das hängt mit den unterschiedlichen Kosten für die Einzelhändler zusammen, die sich früher bei Kreditkartenzahlungen ergaben. Früher waren diese Gebühren erheblich höher.

Seit 2015 ist das sogenannte Interbankenentgelt (auch Interchange Fee) bei einer Zahlung mit Kreditkarte auf maximal 0,3 Prozent des Kaufpreises begrenzt. Zuvor konnten es bis zu 1,78 Prozent sein.

Immer häufiger sei die Zahlung mir Kreditkarte nun möglich, weil Händler einen Vorteil im schnellen bargeldlosen Bezahlen für sich entdecken, so Pröbstle.

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