Heidenheim Halbzeit fürs Naturtheater-Kinderstück: Auf die Bühne ist's ein langer Weg

Max Barth (oben rechts) war zum ersten Mal als Regisseur für die Freilichtbühne im Naturtheater beim diesjährigen Kinderstück tätig. Er steckt auch hinter den Ideen für die ausgefallenen Kostüme.
Max Barth (oben rechts) war zum ersten Mal als Regisseur für die Freilichtbühne im Naturtheater beim diesjährigen Kinderstück tätig. Er steckt auch hinter den Ideen für die ausgefallenen Kostüme. © Foto: Fotos: Markus Brandhuber
Heidenheim / Joelle Reimer 26.07.2018
Das Kinderstück „Der Prinz und der Bettelknabe“ hatte Halbzeit – Zeit für einen Rückblick von Regisseur Max Barth, der erklärt, wie eine Idee zum Textbuch und zum fertigen Bühnenstück wird.

Von der Fußballweltmeisterschaft spricht niemand mehr. Vorbei ist vorbei. Hingegen war im Heidenheimer Naturtheater gerade mal Halbzeit. Und, anders als im Fußball, wird eine solche Halbzeit hier keineswegs für eine kurze Atempause genutzt; vielmehr bietet sie sich an, einmal aufzuzeigen, warum die meiste Arbeit schon weit im Vorfeld der Aufführungen erledigt sein muss – so auch beim diesjährigen Kinderstück „Der Prinz und der Bettelknabe“.

Eine spannende Inszenierung, ist es doch die erste von Regisseur Max Barth auf der Freilichtbühne des Naturtheaters. „Natürlich habe ich schon vorher Bühnenerfahrung gesammelt, sei es durch die Weihnachtsmärchen, als Choreograph oder auch als Schauspieler. Aber letztes Jahr war es dann so weit: Ich wollte ein Stück auf die Freilichtbühne bringen“, sagt Barth, der quasi seit seinem Geburtsjahr 1992 im Naturtheater mit dabei ist.

Gesagt, getan – doch zwischen Idee und Umsetzung liegt bekanntlich einiges an Arbeit. Schritt eins: das passende Stück. „Ich hatte den ,Prinz und den Bettelknaben‘ schon mal als Wintermärchen geplant, aber wieder verworfen.

Und als ich dann im Kopf durchgegangen bin, was für unsere Bühne machbar wäre, wusste ich: Das könnte als großes Kinderstück gut funktionieren.“ Kleine Pointe am Rand: Eine kurze Filmversion der Geschichte kannte Barth bereits, doch als er das Stück als Vorschlag einreichte, wusste er nicht, dass dies nicht die Original-Geschichte war – „als ich den Zuschlag hatte, habe ich mir das Buch durchgelesen und den Film angesehen und bin erschrocken: ich fand es fürchterlich!“ Viel zu komplex, nicht kindgerecht, keinen durchgehenden dramaturgischen Bogen – es folgte also Schritt Nummer zwei: Das Textbuch so zu entwerfen, dass ihm die Geschichte selbst wieder gefallen konnte. „Ich habe mich nicht wirklich am Buch orientiert.“

Von Oktober vorigen Jahres bis Januar 2018 hat er daran gearbeitet: Rollen gestrichen, Charaktere erschaffen, das gesamte Stück auf das Ensemble im Naturtheater angepasst. Zeitgleich und auch schon im Vorfeld entwickelte er Ideen für Kostüme und Maske – „ein grober Rahmen fürs Budget wird ja bereits ganz am Anfang im Kostenerfassungsplan festgelegt, daran sollte man sich halten“, so Barth.

Das hat er auch, obwohl die Kostüme durchaus als eines der auffälligsten Bestandteile in „Der Prinz und der Bettelknabe“ bezeichnet werden können. Und auffällig meint hier auch aufwendig: „Man greift nicht einfach in den Kostümfundus und schaut, was gut passen könnte. Dahinter steckt ein richtiges Farbkonzept“, sagt der junge Regisseur. Das arme Volk in erdigen Tönen, Braun, Grau, ein gedecktes Grün und Blau – hier war tatsächlich ein Großteil der Kostüme schon vorhanden und musste nur noch abgeändert werden. Der Betteljunge sticht allein durch seine Hose hervor: Alle Farbtöne, die im armen Volk vorkommen, wurden hier eingewebt. „Vieles erledigt sich auch von selbst, beispielsweise die Maske. Im armen Volk sind viele Schauspieler mit langen Haaren, die sie einfach offen tragen – sie haben ja keine Spangen oder Haargummis.“

Im Hinblick auf die eher neutral gehaltene Bühne wollte Barth dann beim reichen Volk so richtig in die Vollen gehen: hier ist Rokoko angesagt, und zwar von oben bis unten. Gelb, Rot, Rosa, Weiß – überladen und exzentrisch kommen die Palastbewohner daher, mal mit fünf Handschuhen übereinander, mal mit einem langen Rock, der über den Kopf gezogen wird. Und auch hier wieder: alle Farben sind aufgegriffen und im Mantel des Prinzen eingewebt. „Ich habe das eisern durchgezogen. Zur Not wurden die Sachen eben eingefärbt.“

Die dritte Gruppe – das „Böse“ – kleidet sich komplett in Schwarz. Nun ja, fast: Der Hauptmann, der zu Beginn noch etwas mehr Rot trägt und am Ende nur noch seine roten Handschuhe behält, ist sozusagen die farbliche Verbindung zum Palast. „Hier war mir das Kriegerische, das Amazonenhafte wichtig – noch mehr in der Körpersprache als im Kostüm“, so Barth.

Was ihm bei seinem Regie-Debüt auf der Freilichtbühne am schwersten gefallen ist? Da kommt Max Barth ins Grübeln. „Beide Positionen, sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur, haben ihren Reiz“, sagt er schließlich. Als Spieler könne man das Publikum direkt bewegen, als Regisseur habe man das Komplettpaket, könne aber während der Vorstellung nicht mehr aktiv eingreifen – „und es sind genau diese Momente, wenn auf der Bühne etwas Ungeplantes passiert, in denen es mir wirklich schwer fällt, nicht vom Stuhl aufzuspringen.“ Doch auch im Theater muss ab und an die Contenance bewahrt werden – nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel