Heidenheim Haintal: Wird der Stadtteil verschmäht?

Rechts der Giengener Straße sind die alten Häuser schon seit Jahren abgerissen, links steht das frühere Voith-Ausbildungszentrum, doch das soll der Wohnbebauung weichen.
Rechts der Giengener Straße sind die alten Häuser schon seit Jahren abgerissen, links steht das frühere Voith-Ausbildungszentrum, doch das soll der Wohnbebauung weichen. © Foto: Geyer-Luftbild
Heidenheim / Karin Fuchs 27.07.2018
400 neue Wohnungen könnten links und rechts der Giengener Straße entstehen. Die städtebaulichen Pläne sind fertig. Nur meldet sich keiner, der dort bauen will.

Heidenheim macht da keine Ausnahme: Bezahlbare Wohnungen und Häuser sind heiß begehrt. Bauplätze Mangelware. Luft schaffen könnte eine neue Wohnsiedlung entlang der Giengener Straße. „Neues Wohnen im Haintal“ heißt das Bauprojekt, das für neue Wohnformen steht und einen Gegenpol zu den von Investoren hochgezogenen Einheits-Wohnblocks darstellen soll.

Klingt gut und die Pläne dafür liegen bereits seit einem Jahr in der Schublade. 400 Wohneinheiten könnten entstehen in unterschiedlichen Wohnformen: Eigentumswohnungen, Mietwohnungen, Einfamilienhäuser am Waldrand sowie kombinierte Wohn- und Büroflächen. Daneben gemeinschaftlich genutzte Flächen sowie auch Häuser, die aus modernen Baumaterialien gebaut werden oder auch energetisch neue Wege gehen.

Von Bauinteressenten keine Spur

Das Tübinger Planungsbüro Hähnig Gemmeke hat sich gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Stefan Fromm Gedanken darüber gemacht, wie das neue Stadtviertel aussehen soll. Überplant haben die Architekten dabei die seit Jahren brach liegende Fläche der abgerissenen Siedlung „Klein Zürich“ auf der einen Seite der Giengener Straße sowie die Voith-Ausbildungsstätte Haintal auf der anderen Seite. Die Planer setzten sich mit ihren Ideen gegen sechs weitere Büros durch, die die Stadt zu einem Planungswettbewerb eingeladen hatte.

Die Entscheidung über den Siegerentwurf fiel vor einem Jahr. Doch von Bauinteressenten ist weit und breit keine Spur.

„Ich sehen kein Licht leuchten im Haintal“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg. Seine Enttäuschung schwingt in den Worten mit. „Es klopft niemand an, der dort bauen will.“ Dabei hatten die Stadt und auch der Gemeinderat so viel Hoffnung in das neue Haintal gesteckt. Kürzlich hat die Stadt zu einem Workshop geladen, um herauszufinden, ob das Wohngebiet auf Interesse stößt und wie es vermarktet werden kann. Eingeladen waren Architekten, Spezialisten für Baugemeinschaften, die Stiftung Haus Lindenhof sowie Vertreter von großen Firmen der Region. Das Ergebnis stimmt den OB optimistisch. Denn: „Die wichtigste Botschaft war: Der Bebauungsplan ist tragfähig.“

Details werden überarbeitet

Doch wie geht es weiter? Die Fäden laufen bei Andrea Nußbaum, Heidenheims oberste Stadtplanerin, zusammen. Gemeinsam mit den Wettbewerbsgewinnern arbeitet sie derzeit daran, die Details im Siegerentwurf zu überarbeiten. Dabei geht es um Dinge wie die verkehrliche Erschließung und andere örtliche Begebenheiten. Gleichzeitig entsteht eine Strategie, wie das Wohngebiet besser vermarktet und bekannt gemacht werden kann. „Es ist kein 08/15 Wohngebiet, sondern wir müssen es schaffen, daraus eine Adresse in Heidenheim zu machen“, sagt Nußbaum.

Dass sich kein einziger Bauherr gemeldet hat, ist für Heidenheim durchaus ungewöhnlich, wo es sonst durchaus Wartelisten und Vormerkungen für Bauplätze gibt, sobald Pläne für ein neues Baugebiet bekannt werden. Auch Baugemeinschaften hatten laut Nußbaum bereits angefragt, doch damals habe man kein passendes Grundstück anbieten können. Jetzt wäre es vorhanden, doch niemand meldet sich.

Zuversicht im Rathaus

Dass das neue Wohnen im Haintal kommen wird, daran glaubt man im Rathaus dennoch fest. Zu den nächsten Schritten gehört, einen Bebauungsplan aufzustellen. Im Gebiet vom früheren Klein Zürich gibt es zwar einen, doch muss dieser modifiziert werden. Für das Gebiet gegenüber, am früheren Voith-Ausbildungszentrm und dem momentanen Integrationszentrum, stand Wohnen bislang nicht auf dem Plan

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