Schnaitheim / erwin bachmann 3,333 Millionen Euro stehen für die Sanierung des Schnaitheimer "Hagen" bereit. Von diesem Fördertopf profitieren nicht zuletzt Hauseigentümer.

18,7 Hektar umfasst das im nördlichen Vorort gelegene Wohngebiet, in dem rund 630 Menschen leben und das nun aus seinem städtebaulichen Dornröschenschlaf erwachen soll. Der Weckruf geht von der Stadt Heidenheim und dem Gemeinderat aus, die das von der Bahnlinie durchschnittene Quartier zum Sanierungsgebiet erklärt haben – womit der Jahre währende Weg frei wird für die schrittweise Aufwertung dieses Viertels, in dem neben Brachen und früheren Industrieflächen wie der ehemaligen Zigarrenfabrik Schaefer ältere Einfamilienhäuser aus den 1900- und 1950er-Jahren dominieren.

Die über das Sanierungsprogramm generierten Fördermittel eröffnen mancherlei Möglichkeiten. Die Stadtverwaltung selbst wird die ordnende Hand ins Spiel bringen können, marode Straßenzüge sanieren und mit der Umgestaltung öffentlicher Räume zu einer Verbesserung des Wohn- und Arbeitsumfeldes beitragen. Viel wird aber auch von den Eigentümern der Wohnhäuser abhängen, die jetzt die Chance haben, sich mit staatlicher Hilfe an die Erneuerung ihrer oft in die Jahre gekommenen Immobilien zu machen, sie auch unter energetischen Gesichtspunkten zu modernisieren – oder auch ganz abzubrechen und städtebaulich angepasst neu zu bauen, wenn die alte Substanz nicht mehr erhaltenswert erscheint.

Nun, da die Förderrichtlinien für private Sanierungsmaßnahmen feststehen, wird alles habhaft. „Jetzt können wir richtig loslegen“, befand Oberbürgermeister Bernhard Ilg bei einer Informationsveranstaltung in der Turn- und Festhalle Schnaitheim vor etwa 50 Gebäudeeigentümern. Das im Rathaus verspürte Interesse, sich an dem Erneuerungsprozess zu beteiligen, geht aber weit über diesen Kreis hinaus – und das Stadtoberhaupt wusste auch davon zu berichten, dass bei der Liegenschaftsverwaltung nicht nur konkrete Anfragen vorliegen, sondern auch schon erste Vorverträge geschlossen sind.

Wer auf privater Seite mit ins Sanierungsboot will, wird dazu in Bälde vor Ort eine Anlaufstelle finden. Die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, die mit der Betreuung der Sanierungsmaßnahme beauftragt ist und sich auch in anderen Stadtteilen als bewährter Partner der Stadt Heidenheim erwiesen hat, wird in der Hirscheckschule eigens ein Stadtteilbüro einrichten. Das Projektteam besteht aus Sophie Hufnagl und Anna Tvardovskaya und arbeitet im Rathaus eng mit Petra Kurz zusammen, die für die Sanierungsverträge zuständig ist.

Als weitere Instanz empfiehlt sich der „Runde Tisch Energie Heidenheim“, eine Initiative der örtlichen Architektenkammergruppe, die bei der Info-Veranstaltung mit den Architekten Clemens Schmid und und Wolfgang Sanwald vertreten war. Die von dieser Stelle in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt angebotene Energieberatung trifft durchaus ins Schwarze, denn eine von Wüstenrot vorgenommene Erhebung hat ergeben, dass fast 60 Prozent aller befragten Eigentümer und Mieter im Wohngebiet Hagen im Zuge ihrer privat ins Auge gefassten Modernisierungsmaßnahmen explizit an energetischen Verbesserungen interessiert sind.

Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich: Ein Fünftel der Befragten hat eine Teilsanierung im Sinn, acht Prozent erwägen eine Gesamtmodernisierung ihres Hauses. 16 Prozent wollen Garagen und Stellplätze haben, 14 Prozent beabsichtigen eine Übergabe des Grundstücks an die Kinder, zehn Prozent wollen an Dritte verkaufen. Knapp vier Prozent geben an, einen Abbruch mit anschließender Neubebauung anzupeilen.

Städtebauförderung: Heidenheim holt viele Millionen von Bund und Land

Wenn komplette Stadtteile saniert und ganze Wohnquartiere fit für die Zukunft gemacht werden, geht mit der Steigerung der Lebensqualität auch ein gehöriges Stück Wirtschaftswachstum einher.

Oberbürgermeister Bernhard Ilg hat nachgerechnet und kommt in Summe auf mehr als 47 Millionen Euro, die seit dem Jahre 2000 in Heidenheims Sanierungsgebiete geflossen sind. In diesem ansehnlichen Betrag stecken Fördermittel des Bundes und des Landes in einer Gesamthöhe von 28,4 Millionen Euro, die man aus verschiedenen städtebaulichen Programmen nach Heidenheim geholt hat.

Damit leistet die Städtebauförderung einen bedeutenden Beitrag zur Heidenheimer Stadtentwicklung. Gelungene Beispiele aus aktuellen und bereits abgeschlossenen Sanierungsmaßnahmen hat die Stadtverwaltung in Form einer Ausstellung dokumentiert, die anlässlich des Tages der Städtebauförderung konzipiert worden ist und demnächst im Foyer des Heidenheimer Rathauses gezeigt wird