Großkuchen / Ursula Grüninger  Uhr
Die Helleinstein Solar/Wind GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Heidenheim, plant die Errichtung von elf Windenergieanlagen rund sieben Kilometer nordöstlich von Heidenheim. Der Ortschaftsrat Großkuchen war jetzt zu einer Stellungnahme aufgerufen. Die zehn Bürgervertreter hatten schwer zu schlucken.

Das Windparkprojekt trägt zwar den Namen „Nattheim“, da seine südlichen Anlagen an Nattheim grenzen; gegen Osten und Norden reichen die geplanten Windräder jedoch ebenfalls und teils sehr nahe an die Häuser von Rotensohl, Kleinkuchen und Großkuchen. Der Großkuchener Ortschaftsrat beschäftigt sich zwangsläufig schon seit Jahren mit dem Thema Energiegewinnung durch Windkraft, denn, so der Ortsvorsteher Josef Weber, „wir sind jetzt schon von Windkraftanlagen umzingelt“.

Elf Windkraftanlagen mit 2,4 Megawatt Leistung und einer Nabenhöhe von 141 Metern sind geplant. Das „vereinfachte“ Genehmigungsverfahren hierfür liegt derzeit noch beim Landratsamt, und von dort aus hatte man um eine Stellungnahme gebeten.

Gleich zu Eingang der Sitzung betonte Weber, dass Ortschaftsrat und Bürger hinter der Idee der Energiewende stünden. Allerdings sah sich der Ortsvorsteher in die schwierige Lage versetzt, als Laie auch umfassende und detaillierte Fragen aus dem Rat und von Bürgern beantworten zu sollen: Fachleute der Stadtwerke hatten ihren Besuch der Sitzung kurzfristig wieder abgesagt und Weber nur eine „Kurzbeschreibung“ des Vorhabens übersandt.

Euphorie kam bei keinem der Bürgervertreter auf. Vielmehr überwogen kritische Sachlichkeit, jedoch auch eine gehörige Frustration darüber, dass neben dem bereits bestehenden „Blauwind“-Windpark im Ostalbkreis, der wider Erwarten dicht an die Häuser von Nietheim herangerückt sei, nun erneut Großkuchen zum Nachbarn eines weiteren Windparks werde. „Das ist nicht in Ordnung“, so Ratsmitglied Franz Schmid. Josef Weber machte klar, dass es den Großkuchenern nicht um das Sankt-Florians-Prinzip gehe: Man wolle Verantwortung übernehmen, auch vor der eigenen Haustüre. Dennoch sieht Weber mit der Zustimmung zu diesem weiteren Windpark im direkten Umfeld das Ende der Zumutbarkeit für die Großkuchener Bürger erreicht: „Wir haben jetzt genug getan. Künftig müssen andere Gemeinden ran, wenn es darum geht, Maßnahmen zur Stromgewinnung durch Windkraft umzusetzen.“

Tobias Hafner präsentierte eine Karte der vom Regionalverband noch 2012 nahe Großkuchen ausgewiesenen so genannten Zusatzflächen, auf denen ebenfalls Windräder hätten errichtet werden können. Es sei dem Widerstand des Ortschaftsrats zu verdanken, dass all diese Zusatzflächen wieder gestrichen wurden. Der Windpark werde jetzt ausschließlich auf einer so genannten „Vorrangsfläche“ östlich der A7 gebaut. Diese Fläche sei nicht straßennah, so die Erläuterung des Ortsvorstehers, sondern liege im Wald und sei somit „nicht ganz so störend“. Vor allem aber habe man erreichen können, dass ein Mindestabstand von einem Kilometer zu Wohnhäusern überall eingehalten werde, meist liege er sogar deutlich darüber.

Hinsichtlich der Schallbelastung durch die Rotoren, einer der zentralen Fragen, kommen die Anlagenbetreiber laut Beschreibung zu dem Schluss, die zulässigen Grenzwerte würden eingehalten. Josef Weber hält aber auf Prognosen ebenso wenig wie auf Panikmache und Hysterie: „Wie der Schall letztendlich auf die einzelnen Anwohner wirkt, sehen wir erst, wenn die Anlagen laufen“.

Insgesamt wurde in der Diskussion der Räte deutlich, dass es zu dem Projekt noch viele offene Fragen und Bedenken gibt. Thomas Hasenfus zum Beispiel wollte wissen, ob die Windräder permanent laufen, oder ob sie teilweise still stehen. Hier konnte sein Ratskollege Martin Kawälde Auskunft geben. Zu Stillständen käme es nur, wenn zum Beispiel sehr viel Sonnenenergie zur Verfügung stehe und gleichzeitig die Abnahmemange gering sei. Da aber eigens für den Windpark Nattheim ein Umspannwerk bei Rotensohl gebaut werden solle, werde sichergestellt, dass genügend Leitungskapazität zur Einspeisung des produzierten Stroms zur Verfügung stehe.

Auch die Frage nach dem Eingriff in die Flora und Fauna wurde gleich mehrfach, auch von Bürgerseite, aufgegriffen und befürchtet, Fledermäuse, Graustorch und heimisches Wild seien durch die bereits begonnenen Rodungsarbeiten und den Ausbau der Waldwege gestört. Der Ortsvorsteher sah das ebenfalls mit Sorge, verwies aber auf die Kompensationsmaßnahmen, die der Betreiber hierfür leisten wolle und von denen, so hoffe er, auch die Gesamtgemeinde Großkuchen profitieren werde.

Webers Fazit: „Wir Großkuchener sind von dem weiteren Windpark vor unserer Haustür nicht begeistert, stehen aber zu dem Konzept der erneuerbaren Energien und sind bereit, unseren Beitrag dazu zu leisten. Durch unsere gemeinsamen Bemühungen haben wir für den Moment das Bestmögliche erreicht. Wo künftig Optimierungen möglich sein werden, zum Beispiel beim Schallschutz und der Beleuchtung, werden wir uns aber weiterhin einsetzen.“