Heidenheim / Thomas Zeller  Uhr
Der 1. FC Heidenheim hat auf Basis einer Studie eine Änderung des Bebauungsplans für sein Areal beantragt. Wenn der Gemeinderat dem zustimmt, wäre ein Ausbau der Voith-Arena bis auf 23 000 Plätze möglich.

Wie könnte es auf dem Schlossberg in zehn oder 20 Jahren aussehen? Im Auftrag der Stadt und des 1. FC Heidenheim haben die Firmen Klink Consult und Brenner Bernard versucht, eine Antwort auf diese Frage zu finden, die über das reine Stadion-Areal hinausgeht. Herausgekommen ist nach 15 Monaten eine Machbarkeitsstudie für eine „Fußball-Erlebniswelt“.

Das Herzstück des Konzeptes ist eine mögliche Erweiterung der Voith-Arena von jetzt 15 000 auf dann 23 000 Plätze. „Im Zuge der sportlich so erfolgreichen vergangenen Saison sind wir von der Deutschen Fußball-Liga nochmals darauf hingewiesen worden, dass wir die Bedingungen für eine Lizenz in der 1. Bundesliga nicht vollumfänglich erfüllen“, sagt der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Heidenheim, Holger Sanwald.

Denn dafür müsse der Verein 8000 Sitzplätze vorweisen, doppelt so viele wie bisher. „Wir könnten dafür zwar Stehplätze umwandeln, aber dann erreichen wir nicht mehr die von der Liga geforderte Zahl von mindestens 15 000 Plätzen im Stadion.“

Am liebsten hätte der Verein die Möglichkeit gehabt, die bestehende Kapazität der Arena zu verdoppeln. Die Machbarkeitsstudie kommt hier aber zu einem anderen Schluss: Ohne wesentliche Beeinträchtigungen in Bezug auf Schall, Umwelt- und Naturschutz könne das Stadion auf ein maximales Fassungsvermögen von 23 000 erweitert werden. Allerdings seien dafür Anpassungen im Verkehrskonzept notwendig. Denn der Transport der Fußballfans an Spieltagen auf den Schlossberg bleibt eine Herausforderung.

Neue Shuttlebus-Haltestelle

„In erster Linie muss dafür der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden“, bringt Oberbürgermeister Bernhard Ilg die Position der Verwaltung auf einen Punkt. In der Untersuchung wird deshalb auch der Bau einer Shuttlebus-Haltestelle auf dem Stadionvorplatz empfohlen.

Um die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs weiter zu verbessern, soll die Zahl der eingesetzten Busse an Spieltagen verdreifacht werden. Insgesamt könnten so 6000 Fans in das Stadion befördert werden. Die schlechte Nachricht für die Autofahrer: Auf dem Stadionvorplatz würden wegen der Haltestelle rund 200 Stellplätze wegfallen.

Auch das Fahrrad rückt künftig stärker in den Fokus der Überlegungen. „Durch die zunehmende Zahl an E-Bikes ist das Stadion auf dem Schlossberg auch mit diesem Verkehrsmittel bequem zu erreichen“, ist sich Sanwald sicher. So wurde bei der Machbarkeitsstudie in der Endausbaustufe angenommen, dass bis zu 1000 Menschen auf zwei Rädern zur Voith-Arena fahren können, wenn die entsprechenden Voraussetzungen wie Abstellplätze oder Anlehnbügel dafür geschaffen werden.

Das Konzept greift zudem die Idee einer Rolltreppe auf, die Idee einer Rolltreppe auf, die zwischen Schloss und Congress-Centrum (CC) auf den Berg führen soll. „So ein Angebot würde viele Synergieeffekte für das Klinikum, das Naturtheater oder das CC mit sich bringen“, ist sich Ilg sicher. Insgesamt könne damit die Attraktivität des Schlossbergs gesteigert werden.

Der Stadionkauf hat den Weg geebnet

Neben diesen Wegen ins Stadion kommt in dem Konzept aber auch der Autoverkehr nicht zu kurz. So könnte im Katzental ein Parkhaus mit etwa 1000 Stellplätzen entstehen. „Dadurch könnte der gesamte Verkehr auf dem Schlossberg erheblich reduziert werden und es würden zusätzliche Parkmöglichkeiten geschaffen“, meint Sanwald. In der Studie sind außerdem ein deutlicher Ausbau der Park & Ride-Plätze vorgesehen, sowie die Einführung eines dynamischen Parkleitsystems für alle Stellplätze in der Stadt.

Der Haken an der Studie: Für all die vorgeschlagenen Punkte ist eine Änderung des bestehenden Bebauungsplans notwendig. „Eine Voraussetzung, warum wir in diesem Jahr die Voith-Arena gekauft haben, war, dass uns vom Planungsbüro signalisiert wurde, dass es für das Areal Erweiterungsmöglichkeiten gibt“, sagt Holger Sanwald. Deshalb habe man nun auf Basis der Studie einen Brief an die Stadt geschickt, in dem eine Änderung des Bebauungsplans beantragt wurde.

Der Oberbürgermeister hat in der Zwischenzeit die Vertreter des Ältestenrats mündlich informiert und will in einem nächsten Schritt die neu gewählten Stadträte ins Bild setzen. Bis dahin kann allerdings noch einige Zeit vergehen, da der neue Gemeinderat erst Anfang Juli zusammentreten wird.

Eine Vision für den Schlossberg

„Die Fertigstellung des neuen Bebauungsplans für den Schlossberg, nach einer möglichen Zustimmung durch den Gemeinderat, könnte innerhalb eines Jahres erfolgen“, sagt der FCH-Vorstandsvorsitzende.  „Erst danach könnten wir in die Detailplanung für den Stadionausbau gehen“, führt Petra Saretz aus, die beim Verein den Bereich Organisation leitet und zeitgleich noch Fraktionsvorsitzende der CDU im Heidenheimer Gemeinderat ist.

Das Konzept sei eine Art Vision für den 1. FC Heidenheim und den Schlossberg insgesamt, von dem nur einzelne Punkte umgesetzt werden können. „Auf der anderen Seite möchten wir die infrastrukturelle Weiterentwicklung rund um die Voith-Arena aber nicht vom Aufstieg in die 1. Bundesliga abhängig machen“, sagt Sanwald. Stattdessen werde man sich an der Auslastung der Voith-Arena orientieren, und die sei in der zweiten Saisonhälfte bereits hoch gewesen.

Weitere Elemente der Studie

Das Konzept sieht den Bau eines Fußballinternats auf dem Vereinsgelände vor. Das würde eine Verlagerung des bestehenden Angebots vom Fechtzentrum auf den Schlossberg bedeuten. Außerdem soll noch ein Rehabilitationszentrum entstehen. Durch die Nähe zum Klinikum erhofft sich der Verein hier deutliche Synergien.

Neu ist auch der Plan für den Bau einer großen Drei-Feld-Halle. Laut Studie soll sie für Handballspiele der 1. Bundesliga ausgelegt sein. Petra Saretz betont aber, dass der FCH auch künftig ein Ein-Sparten-Verein bleiben möchte und kein Interesse am Aufbau anderer Sportarten-Abteilungen habe. „Mit einem Bebauungsplanverfahren sollen lediglich alle potenziellen infrastrukturellen Weiterentwicklungsmöglichkeiten berücksichtigt werden, dazu zählt zum Beispiel eben auch eine für den Heidenheimer Sport nutzbare Drei-Feld-Halle.“ tz