Heidenheim GEW beklagt Lehrermangel an Schulen

Bei krankheitsbedingtem Unterrichtsausfall werden Schüler viel zu selten nach Hause geschickt, beklagt die Lehrergewerkschaft GEW.
Bei krankheitsbedingtem Unterrichtsausfall werden Schüler viel zu selten nach Hause geschickt, beklagt die Lehrergewerkschaft GEW. © Foto: Stefan Merkle/stock.adobe.com
Heidenheim / pm 05.08.2018
In der Gewerkschaft engagierte Pädagogen tauschten sich bei einem Treffen zum Ferienbeginn über die aktuellen Probleme bei der Unterrichtsversorgung und der Inklusion aus.

Zum Beginn der Ferien veranstaltete die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einen Hock für Lehrer, bei dem von den rund 40 Teilnehmern zahlreiche aktuelle Themen angesprochen wurden. Das Vorsitzenden-Team des Ortsvereins, Sabine Ocker, Volker Spellenberg und Michael Pfeiffer moderierte die Diskussion.

Ein Thema brannte den Lehrern besonders auf den Nägeln: die aus ihrer Sicht teils dramatische Verschlechterung der Unterrichtsversorgung, vor allem an den Grundschulen, und die massive Zunahme der Arbeitsbelastung. Bei krankheitsbedingtem Unterrichtsausfall werde das im Notfall durchaus genehmigte verlässliche Heimschicken von den Schulleitungen oft viel zu wenig angewandt.

Lehrermangel wird kaschiert

Der Lehrermangel werde durch Maßnahmen wie Klassenzusammenlegungen und/oder die Anweisung von unbezahlter Mehrarbeit, zu der jeder Beamte bis zu drei Unterrichtsstunden pro Monat verpflichtet ist, auf diese Weise kaschiert.

Das derzeitige Scheitern der Inklusion sei ein weiteres offenes Geheimnis: Aufgrund von massivem Lehrermangel bei den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren sei die Abordnung von Sonderschullehrerern sehr schwierig, wenn nicht unmöglich geworden. So müssten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf von den Lehrern in relativ großen Klassen ohne Sonderpädagogen mitversorgt werden.

Hinzu kämen Kinder mit mangelhaften oder keinerlei Deutschkenntnissen die in die Regelklassen gesteckt werden, weil kein ausreichendes Personal für Vorbereitungsklassen vorhanden ist. Vor allen Dingen im Sekundarbereich sei offensichtlich, dass die meisten älteren Kinder eben noch nicht nach einem Jahr in einer Vorbereitungsklasse die deutsche Sprache in dem Umfang beherrschen, dass sie in den Regelklassen dem Unterricht ansatzweise folgen können.

Klassen können größer werden

Die Nachricht von den Schulämtern, dass der Klassenteiler keine Muss-Regelung ist, sei das I-Tüpfelchen der Grausamkeiten, weil sei bedeute, dass die Klassenstärke in Zeiten des Lehrermangels an manchen Standorten massiv größer werden kann.

Eine nicht unbeträchtliche Zahl von Lehrern, die als Krankheitsstellvertreter einen befristeten Arbeitsvertrag erhielten, würden wie jedes Jahr Ende Juli entlassen mit der Hoffnung, ab Mitte September wieder einen Arbeitsvertrag zu bekommen. Außerdem haben diese befristet Beschäftigten nie den Anspruch auf Arbeitslosengeld, weil sie nie die Chance erhalten, zwölf Monate am Stück zu arbeiten. Dieser Spartrick ist aus Sicht der GEW ein unwürdiges Verhalten für einen seriösen Arbeitgeber, in diesem Fall das Kultusministerium.

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