Heidenheim „Info über Bakterien im Wasser kam rechtzeitig“

Erneute Proben vom Ortsnetz im Osterholz nahmen die Stadtwerke am Donnerstag.
Erneute Proben vom Ortsnetz im Osterholz nahmen die Stadtwerke am Donnerstag. © Foto: Thorsten Wieczorek
Heidenheim / Silja Kummer 21.06.2018
Christoph Bauer, Leiter des Gesundheitsamtes, spricht im HZ-Interview über die Trinkwasser-Keime im Osterholz und die Sicherheit des Wassers.

Keime im Trinkwasser, die auf eine fäkale Verunreinigung hinweisen, wurden Ende letzter Woche im Kindergarten St. Margaretha gefunden. Dass das ganze Ortsnetz Osterholz betroffen war, stellte sich erst am Montag heraus.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Stadtwerke aber bereits ihre Leitungen gespült und das Wasser gechlort. Christoph Bauer, der Leiter des Heidenheimer Gesundheitsamtes, erläutert, wieso dank dieser Maßnahmen ein Abkochgebot verhindert werden konnte.

Viele Bürger im Osterholz fragen sich, warum sie nicht früher über die Keime in ihrem Trinkwasser informiert worden sind. Warum war das aus Ihrer Sicht nicht notwendig?

Bauer: Die Stadtwerke haben am Freitag Proben aus den Hydranten im Osterholz entnommen. Unmittelbar darauf haben sie damit begonnen, die Leitungen zu spülen. Damit haben sie absolut richtig reagiert. Die Ergebnisse der Proben vom Freitag lagen erst am Montagmittag vor. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nicht mehr wirklich alle 4000 Bewohner des Stadtteils informieren können – und die notwendigen Maßnahmen waren ja schon durchgeführt. Am Dienstag lag der Laborbefund vor, dass die Proben vom Montag sauber waren, es hat also keine Gefahr bestanden.

Aber wäre es nicht besser gewesen, man hätte vorsorglich das Wasser abgekocht?

Informationen sind wichtig, aber es muss der richtige Zeitpunkt sein. Wir hätten am Montagnachmittag möglicherweise Ängste geschürt und am Dienstag sagen müssen, dass die Informationen falsch sind. Wäre der Laborbefund von der am Montag genommenen Probe am Dienstag positiv gewesen, hätten wir am Dienstag ein Abkochgebot erlassen müssen.

Die Stadtwerke haben die öffentlichen Leitungen gespült, aber im Hausnetz könnten die Keime doch überlebt haben, oder?

Zwischen Freitag und Montag liefen sicher mehrere 100 Liter Wasser durch jede Hausinstallation. Problematisch könnten höchstens selten benutzte Wasserhähne sein. Wenn man solche jetzt öffnet, empfiehlt es sich, zunächst mehrere Liter Wasser ablaufen zu lassen.

Wie oft werden Wasserproben entnommen?

Die Stadtwerke beproben ihr Wassernetz routinemäßig jeden Montag. Unglücklicherweise kam der Starkregen, der die Verunreinigung höchstwahrscheinlich ausgelöst hat, am Montagabend. Das Gesundheitsamt überprüft die Hausinstallation von öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen einmal jährlich. Bei so einer Routineuntersuchung haben wir am Dienstag (12. Juni) die kontaminierte Trinkwasserprobe im Kindergarten St. Margaretha genommen.

Warum dauert es mindestens einen Tag, bis es Untersuchungsergebnisse gibt?

Man kann ein einzelnes Bakterium nicht nachweisen. Das Wasser muss auf einen Nährboden ausgebracht werden. Wenn Bakterien enthalten sind, bilden diese Kolonoien. Aber es dauert eben einige Zeit, bis diese wachsen.

Wie oft stellen Sie Belastungen mit Keimen fest?

Im Kaltwasser ist das sehr ungewöhnlich, der Auslöser war ein Naturereignis. Im Warmwasser kommt eine Belastung öfter vor, wir finden regelmäßig Legionellen.

Und was hilft dann?

Beim Kaltwasser müssen die Leitungen gespült werden und dem Trinkwasser kann nach der Trinkwasserverordnung bis zu 0,3 Milligramm Chlor pro Liter zugesetzt werden. Diese Maßnahmen haben die Stadtwerke am Freitag absolut richtig umgesetzt. Gegen Legionellenbelastungen im Warmwassersystem helfen ebenfalls ausgiebiges Spülen und eine Hitzedesinfektion.

Würden Sie dazu raten, eher Mineralwasser als Leitungswasser zu trinken?

Ich möchte dazu eigentlich keinen Rat geben, das muss jeder selbst entscheiden. Aber es gibt Studien, die nahelegen, dass Mineralwasser stärker belastet sein kann als Leitungswasser. Wer noch weitere Fragen zum Trinkwasser hat, kann sich gerne ans Gesundheitsamt, Tel. 07321.321-2600, wenden.

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