NS-Zeit Georg Elsers Mut und Weitsicht gewürdigt

Oberbürgermeister Bernhard Ilg würdigte in seiner Gedenkrede die Tat Georg Elsers vom November 1939. Für die musikalische Begleitung sorgten die Hirscheckschule und der Musikverein.
Oberbürgermeister Bernhard Ilg würdigte in seiner Gedenkrede die Tat Georg Elsers vom November 1939. Für die musikalische Begleitung sorgten die Hirscheckschule und der Musikverein. © Foto: Jennifer Räpple
Schnaitheim / MICHAEL BRENDEL 08.11.2013
Georg Elser: ein Mann ohne Ideologie, aber mit Weitsicht. Dieses Charakterbild des Hitler-Attentäters zeichnete Oberbürgermeister Bernhard Ilg am Freitag bei einer Gedenkstunde in Schnaitheim.

Geschichte vergeht, ihre Lehren bleiben. Dieser Erkenntnis folgend, ehrt die Stadtverwaltung jährlich aufs Neue Georg Elser, dessen Versuch, Adolf Hitler zu töten, am 8. November 1939 scheiterte. Ilg bezeichnete es am Freitag Nachmittag als verpflichtend, sich angesichts des Schicksals Elsers und aller anderen Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft „mit jenem unheilvollen Kapitel der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen“. Dazu bedürfe es der Denk- und Mahnmale wie demjenigen in der nach Elser benannten Anlage in Schnaitheim, wo zahlreiche Personen der traditionellen Kranzniederlegung den Rahmen gaben.

Dass der teilweise schwierige und schmerzliche Prozess, die deutsche Geschichte aufzuarbeiten, nach wie vor andauert, belegte Ilg mit einem Hinweis auf die Diskussion um das Rommel-Denkmal auf dem Zanger Berg.

Aktuell stehe die Erinnerungsarbeit vor neuen Herausforderungen. So verfüge die heutige Jugend über keinen persönlichen Zugang zur NS-Zeit, gleichzeitig gebe es von Jahr zu Jahr weniger Zeitzeugen. Und nicht zuletzt sei es der Zuwanderungsgesellschaft zu eigen, dass viele Jugendliche „einen von außen gerichteten Blick auf die deutsche Geschichte“ hätten.

Wachsende Bedeutung kommt Ilg zufolge somit neuen Formen der Geschichtsvermittlung zu. Exemplarisch nannte er das vom städtischen Jugendreferat organisierte Kooperationsprojekt „Ich wusste es nicht“, an dem überwiegend Schüler mit Migrationshintergrund teilnahmen.

Unverzichtbar bleibt bei jeglicher Auseinandersetzung mit der Geschichte freilich zunächst einmal die reine Faktenkenntnis, und so rief Ilg die Eckpunkte des gescheiterten Attentats auf Hitler in Erinnerung: Dieser kam mit dem Leben davon, weil er infolge schlechten Wetters statt mit dem Flugzeug mit dem Zug nach Berlin reiste und die Veranstaltung im Münchner Bürgerbräukeller deshalb wenige Minuten vor der Detonation des Sprengsatzes verließ. Elser wurde am Abend desselben Tages festgenommen, am 9. April 1945 wurde er im Konzentrationslager Dachau ermordet.

Was ist geblieben von Georg Elser, dem die anderen Vertretern des deutschen Widerstands ohne Zögern zugesprochene Würdigung erst sehr viel später zuteil wurde? Es ist zum einen seine Weitsicht: „Elser ahnte, als Millionen Deutsche noch dem ,Führer' zujubelten, die Gefahren, die von der NS-Politik ausgingen, und die durch unvorstellbare Gräuel auf das Bitterste bestätigt werden sollten“, so Ilg. Zum anderen sei es Elsers Mut, als Einzeltäter „gegen Repression und Propaganda eines Unrechts- und Gewaltregimes zu handeln“, wie Ilg bemerkte – als Schreinergeselle aus einfachen Verhältnissen und nicht als gebildeter Offizier aus dem Adelsstand.

Elsers Gewissen habe ihm den Mord zwar verboten, allerdings habe er keine andere Möglichkeit gesehen, das drohende Unheil abzuwenden.

Mitgestaltet wurde die Feierstunde durch eine Bläsergruppe des Musikvereins Schnaitheim, ein Gitarrenensemble der benachbarten Hirscheckschule sowie die Zehntklässlerin Paula Bischoff mit Gedichtvorträgen.

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