Heidenheim / Justus von Daniels (Correctiv) und Silja Kummer Die HZ und „Correctiv“ wollen mit den Bürgern mehr über den Wohnungsmarkt herausfinden. Hier der Hintergrund.

Wie kann man mehr über den Wohnungsmarkt herausfinden?

Indem man die Mieter fragt. Mit der Bürgerrecherche „Wem gehört Heidenheim?“ geht die HZ einen ganz neuen Schritt: Wir bitten die Mieter in Heidenheim, sich an unserer Recherche zu beteiligen, damit wir herausfinden können, wer die großen Vermieter sind und welche Preise in welchem Stadtteil für Mieten verlangt werden. Unser Partner ist dabei das gemeinnützige Recherchezentrum „Correctiv“ aus Berlin.

Die Correctiv-Redaktion hat eine solche Recherche bereits in drei Großstädten (Hamburg, Berlin, Düsseldorf) mit Kollegen aus Zeitungsredaktionen vor Ort umgesetzt. Heidenheim ist die erste kleinere Stadt, in der ein solches Projekt gestartet wird. Dafür wurde von „Correctiv“ ein sogenannter Crowdnewsroom, eine virtueller Redaktionsraum für alle, im Internet erstellt.

In den nächsten Wochen wollen wir im Internet auf der Plattform wem-gehoert-heidenheim.de mit den Bürgern gemeinsam mehr über die Eigentumsverhältnisse der Stadt herausfinden. Ein repräsentatives Umfrageergebnis erwarten wir dabei nicht, aber wir wollen Schlaglichter werfen auf verschiedene Aspekte des Wohnungsmarktes: Wer hinter Häusern oder Hausverwaltungen steht, die Mietern Probleme bereiten. In welchen Vierteln Vermieter tätig sind, die Mieter wegsanieren. Vielleicht auch, welche Firmen ihre Gewinne aus hohen Mieten in Steuerparadiesen verstecken.

In Heidenheim wurde beispielsweise vor zwölf Jahren die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBH an die Gagfah verkauft. Heute heißt der Eigentümer Vonovia, Teile des Wohnungsbestands wurden aber auch schon an andere Firmen weiterverkauft. Auch wenn die Namen der Käufer bekannt sind, wissen wir nicht, wie hoch die Mieten sind oder wie es den Vermietern mit dem neuen Eigentümer geht.

Firmengeflechte erkennen

Es geht bei der Recherche nicht darum, einzelne Eigentümer ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Heidenheim ist auch eine Stadt der Hausbesitzer und Kleineigentümer. Um sie soll es nicht gehen. Aber der Markt hat sich gedreht. Hin zu Investoren mit undurchschaubaren Firmengeflechten. Es wird gezockt, mit neuen Bauprojekten, mit dem Kauf ganzer Wohnungsunternehmen und lukrativen Immobilien. Die Leidtragenden sind die Mieter, die die Kosten der Spekulation am Ende bezahlen müssen.

Manchmal wissen die Mieter selbst nicht, wem die Wohnung gehört, in der sie wohnen. Weil hinter der Wohnung nicht ein privater Eigentümer steht, der ein oder zwei Immobilien besitzt. Sondern weil hinter der Hausverwaltung, die auf dem Mietvertrag auftaucht, eine anonyme Firma steht. In diesem Fall können wir bei einer Grundbuchanfrage helfen, die dem Mieter zusteht.

Der deutsche Immobilienmarkt ist deutlich intransparenter als in anderen EU-Ländern, weil die Grundbücher nicht einsehbar sind. Das nützt vor allem denen, die den Markt kennen, also den großen Immobilienfirmen. Für Mieter und Bürger ist es schwer, die krassen Auswüchse auf dem Wohnungsmarkt zu erkennen. Selbst für Behörden ist es praktisch unmöglich, undurchsichtige Firmengeflechte aufzudröseln.

Keine Meinungsumfrage

Die Bürgerrecherche unterscheidet sich grundlegend von einer reinen Meinungsumfrage: Wir verlangen für die Angaben, die gemacht werden, echte Belege wie z.B. ein eingescanntes oder fotografiertes Bild vom Mietvertrag. So wollen wir sicherstellen, dass wir tatsächlich über Fakten berichten und niemand die Recherche manipulieren kann.

Wir sammeln die Informationen in unserer virtuellen Redaktion allein für die Recherche, und werden keine Listen über Eigentümer veröffentlichen. Der Datenschutz ist uns sehr wichtig, daher verarbeiten wir Daten für die Recherche und berichten nur, wenn ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit vorliegt. Wir behandeln die Daten nach den Regeln der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) mit großer Sorgfalt. Alle Daten unterliegen dem Schutz des Redaktionsgeheimnisses.

Wir werden in den nächsten Wochen berichten, wie sich die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt auf die Bürger auswirkt. Leser können von ihren Erlebnissen mit Vermietern berichten.

Was das mögliche Ergebnis einer solchen Recherche sein kann, kann man sich beispielsweise auf wem-gehoert-hamburg.de schon einmal ansehen.

Für Anregungen oder Fragen melden Sie sich per E-Mail unter heidenheim@hz.de oder telefonisch unter 07321.347-153.

Dabei sein bei der Bürgerrecherche

Machen Sie mit bei der Bürgerrecherche
„Wem gehört Heidenheim?“

Mitmachen

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Mitmachen kann man unter wem-gehoert-heidenheim.de.

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Was wir von den Heidenheimer Bürgern wissen wollen:

  • Wer ist der Eigentümer Ihrer Mietwohnung?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Vermieter gesammelt?
  • Wie hoch ist Ihre Miete?

Aus den gewonnen Daten können wir ein neues Bild der Stadt zusammensetzen und recherchieren, wo sich Missstände beim Mieten zeigen.

Das Projekt ist eine Kooperation der Heidenheimer Zeitung mit „Correctiv“, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum.

Die Redaktion finanziert sich ausschließlich über Spenden von Bürgern und Stiftungen. Mehr unter correctiv.org