Handel Gelungene Kombi: Lange Einkaufsnacht mit 25 Foodtrucks

Heidenheim / Erwin Bachmann 08.05.2016
Meteorologisch wie auch konzeptionell machte die lange Einkaufsnacht richtig was her: Die Innenstadt geriet zum Hotspot einer coolen Gastroszene. Bis in die Abendstunden waren Zehntausende in der Stadt unterwegs – zum Shoppen, aber auch zum Schlemmen.
Essen auf Rädern sorgt nicht immer für kulinarische Sternstunden. Anders am Samstag, als die örtlichen Ausrichter des Night-Shoppings eine ganze Reihe renommierter Botschafter eines noch jungen, aber in Ballungsräumen schon fest etablierten Genuss-Trends gebucht hatten. Um die 25 Foodtrucks parkten in der Fußgängerzone und schafften es, die zudem vom Wetter verwöhnte lange Einkaufsnacht zu einem Großereignis zu machen.

In den USA gehören die rollenden Imbisse schon zum typischen Straßenbild. In Heidenheim hatten sie Premiere, jene mobilen Gourmetküchen, die mit gänzlich unterschiedlichen Speisenkarten unterwegs sind, die aber der Anspruch eint, kein ungesundes Fastfood, sondern frisch zubereitetes Essen aus erstklassigen Zutaten unter die Leute zu bringen. Und die Leute, sie waren da, bevölkerten die innerstädtische Einkaufsmeile bis in die späten Abendstunden, standen bisweilen Schlange vor diesen individuell ausgebauten Freiluft-Kombüsen, in denen die zur lukullischen Revolution blasenden Newcomer der guten alten Würstlesbude zeigten, was sie auf der Pfanne haben.

Speisen aus der Wagenklappe: Die Bandbreite des Angebots ist groß, weil sich die fahrenden Köche auf bestimmte Gerichte spezialisiert haben. Die jungen Wilden vom Wurstdurst-Foodtruck stehen auf Currywürste  und belgische Pommes, die Kartoffelfreunde Schweinfurt sind in der bundesweiten Szene für ihre Spiralkartoffeln bekannt, das Team von Guerilla Gröstl gilt als die Avantgarde handgemachter Burger. Uncle Yo's Markenbotschaft ist es, feinstes Sweetfood und Frozen Yoghurt zu servieren.

Die Donutfactory aus Heilsbronn wiederum produzierte allein im vergangenen Jahr 200 000 Exemplare dieser gern knallbunt daherkommenden Krapfen, während Bayreuths Svagman – der australische Begriff für einen Wanderarbeiter – eher auf Fleisch steht, wenn's denn nur Slow Roast ist. Und die sich selbst als die Foodtruck-Pioniere bezeichnende Burrito-Bande hat das Food-Entertainment schon so gut in Fahrt gebracht, dass sie mit zehn autarken Trucks und fünf Livekitchens unterwegs sind.

Gekocht, gegart, gedampft, gebacken. Die moderne Form von Street Sale ist angesagt, die Leckereien vom Laster kommen mit einem Schuss Erlebnischarakter daher und haben viele Heidenheimer überzeugt. Auch ältere Semester, schon weil alles handgemacht ist, wie etwa die vom Würzburger „Küchen-Dampf“-Team direkt vom Brett geschabten Spätzle. „Wie dahoim,“ so das dicke Lob einer schwäbischen Hausfrau mit Hang zur Hausmannskost. Appetit auf mehr machte die von von der Lunch-Karawane gebotene Abwechslung insbesondere bei jungen Leuten, und insofern hat die lange Einkaufsnacht mit dieser Kombination eine neue Zielgruppe gewonnen.

Lange Einkaufsnacht: Das Rezept war gut, die Zutatenliste stimmte. Das sieht man auch auf Veranstalterseite so, wo Christa Zembsch aus dem Blickwinkel des Heidenheimer Dienstleistungs- und Handelsvereins von einem „phänomenalen Wochenende“ spricht – mit einer Super-Frequenz, die sich auch im Umsatz niedergeschlagen hat. Nach Beobachtung der Geschäftsfrau waren die Menschen richtig begeistert, etliche regten eine Neuauflage an, „alles war perfekt, auch das Wetter“.

Die automatische Zählanlage der Schloss Arkaden registrierte am Tagesende 34 000 Besucher, was wiederum Center-Managerin Roswitha Girdler ausdrücklich zufrieden stimmt. Viele Köche, so lernt man, verderben den Brei nicht.
 
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