Heidenheim Bauern wollen ihr schlechtes Image verbessern

Gläserne Produktion, Tage der offenen Tür und andere Aktionen sollen dazu beitragen, die Landwirtschaft transparenter zu machen damit das Vertrauen der Verbraucher gegenüber den Bauern zu stärken.
Gläserne Produktion, Tage der offenen Tür und andere Aktionen sollen dazu beitragen, die Landwirtschaft transparenter zu machen damit das Vertrauen der Verbraucher gegenüber den Bauern zu stärken. © Foto: Archiv/Oliver Vogel
Heidenheim / Andreas Uitz 15.04.2018
Die Bauern haben nicht nur mit vielen Auflagen und anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, sondern auch mit dem schlechten Ruf der Landwirtschaft.

Probleme hat die Landwirtschaft genug, das wurde beim Kreisbauerntag am Freitagabend im Oggenhausen deutlich. Probleme, die oftmals die Bauern direkt betreffen, aber auch solche, die durchaus gesellschaftlich relevant sind. Denn immerhin sind die Landwirte die Nahrungsmittelversorger dieser Gesellschaft.

Trotz der großen Bedeutung der Bauern sei ihr Ruf nicht der Beste, bedauerte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Christian Ziegler. Düngemittelbelastung, Tierseuchen, angeprangerte schlechte Zustände in Ställen, Aktionen von Tierschützern und Lebensmittelskandale trügen zum schlechten Bild bei, das in der Öffentlichkeit von den Landwirten gezeichnet werde.

„Wir müssen dieses Bild dringend verbessern, mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben und mehr Transparenz schaffen.“ Es könne nicht angehen, dass Kinder von Bauern gemobbt werden, eben weil sie Kinder von Bauern sind.

Um mehr Verständnis werben

Immer neue Auflagen und Vorschriften bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln erschweren Ziegler zufolge nicht nur den Landwirten die Arbeit und bringen viel Bürokratie mit sich, sondern verwirrten auch zunehmen die Verbraucher. „Landwirte und Politik lassen sich da vom Handel treiben, und das muss aufhören“, betonte der Vorsitzende und appellierte an das Selbstbewusstsein der Landwirte. „Mit der gläsernen Produktion können wir zeigen, was wir leisten und dadurch um mehr Verständnis werben.“

Aktuell sei die Afrikanische Schweinepest ein großes Problem, die von Wildschweinen auf die Hausschweine übertragen werden kann. „Das ist eine Gefahr, der wir uns stellen müssen“, sagte Ziegler und ermutigte die Jäger, die ohnehin mit den Bauern eng verbunden seien, die die sehr starken Wildschweinbestände zu reduzieren. Auch forderte er Landrat Thomas Reinhardt auf, den Jägern in der aktuellen Situation die Kosten für die Strichninuntersuchung zu erlassen. Dieser sagte zu, den Vorschlag „wohlwollend zu prüfen.“

Doch auch von anderer Seite wünscht sich Ziegler mehr Unterstützung für die Landwirtschaft: „Die Feldwege sind teils in sehr schlechtem Zustand, das zu beheben ist Aufgabe der Kommunen.“ Außerdem hofft der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes auf Förderprogramme, um auch der Landwirtschaft, insbesondere Aussiedlerhöfen, einen besseren und schnelleren Zugang zum Internet zu verschaffen.

Ein großes Thema für die Landwirtschaft sei seit vielen Jahren die Düngung. „Wir nehmen den Trinkwasserschutz sehr ernst und die ständig rückläufigen Nitratwerte im Wasser beweisen das“, so Ziegler. Doch die Auflagen zu erfüllen werde für die Bauern immer schwieriger, auch hier müsse die Politik helfend einschreiten. Was den Landverbrauch betrifft, mahnte Ziegler die Kommunen, bei Bebauungsplänen darauf zu achten, sparsam mit Neubauflächen umzugehen.

„Betrachten Sie die Politik und die EU nicht als Ihren natürlichen Feind“, appellierte die Europaabgeordnete Dr. Inge Gräßle an die Bauern. Für die Zeit nach 2020 werde es zahlreiche Veränderungen geben, aber das betreffe in erster Linie die „Riesenfarmen“, die von Konzernen betrieben werden. „Die kleineren Betriebe sind davon nicht betroffen, die Regeln werden sich zwar verlagern, aber was das Geld angeht, wird sich nur wenig ändern“, versprach Gräßle.

Aufgabe der Politik sei es nicht, Riesenbetrieben, sondern den kleineren Bauern zu helfen, betonte auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter. Er griff auch Zieglers Klage auf und forderte „mehr Wertschätzung für die Familien in der Landwirtschaft, da muss die Gesellschaft zusammenhalten.“

Vertrauen wieder herstellen

Diesen Ball nahmen der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Stoch und sein Grüner Kollege Martin Grath auf. „Oft wird nicht das Gesamtbild, sondern nur ein Zerrbild der Landwirtschaft gezeigt“, sagte Stoch. „Das Verbrauchervertrauen muss wieder hergestellt werden“, betonten er und Grath. Auch der Hauptredner, Joachim Hauck vom Landwirtschaftsministerium, ging auf die Probleme der Bauern ein. „Sie müssen Lebensmittel produzieren und gleichzeitig das Grundwasser schützen.“ Zwar müsse die Tierwohl-Diskussion geführt werden, aber eben auch unter Klima-Gesichtspunkten. Für eine nachhaltige Agrarpolitik sei es wichtig, alle Aspekte aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Umwelt und Verbraucher im Auge zu behalten, so Hauck: „Eine ausreichende Versorgung mit guten Nahrungsmittel ist unverzichtbar für die Gesellschaft.“