Interview Garderobe im Konzerthaus: Waltraud Preiß hat ganz schön was zu schleppen

Waltraud Preiß kümmert sich auch im Winter in Congress Centrum und Konzerthaus um die Garderobe der Gäste.
Waltraud Preiß kümmert sich auch im Winter in Congress Centrum und Konzerthaus um die Garderobe der Gäste. © Foto: Oliver Vogel
Manuela Wolf 08.01.2018
Waltraud Preiß betreut die Garderoben für Gäste im Konzerthaus und im Congress Centrum.

Hunderte Besucher bringen hunderte Kleidungsstücke mit zu Veranstaltungen. Vor allen Dingen im Winter sind das meist schwere Jacken und Mäntel. Für die Mitarbeiter in den Garderoben der städtischen Veranstaltungsorte wie Congress Centrum und Konzerthaus bedeutet das jede Menge Arbeit und viel zu schleppen.

Frau Preiß, ist Winterzeit Hauptarbeitszeit an der Garderobe?

Waltraud Preiß: Im Sommer wird kaum was abgegeben bei uns, und wenn, dann nur leichte Kleidungsstücke. Im Winter sind es dicke Jacken und schwere Mäntel, da hat man ganz schön was zu schleppen. Das spür ich dann schon in den Handgelenken.

Wie viele Mitarbeiter sind an der Garderobe beschäftigt?

Im Team sind zehn Leute. Jeder hat einen festen Bereich. Das ist praktisch, weil man mit der Zeit weiß, wo man welche Nummer suchen muss. Und wenn man wie in diesen Tagen mit einem Berg Jacken durch die engen Gänge eilt, muss man sich darauf verlassen können, dass man mit niemandem zusammenstößt. Da sieht man ja nichts.

Was kostet die Abgabe einer Jacke?

Einen Euro. Allerdings pro Stück. Manchen Leuten, die beispielsweise mit mehreren Kindern da sind, ist das zu viel. Ich argumentiere dann immer, dass man ja auch für jede Person eine eigene Eintrittskarte braucht.

Ist das der Grund, weshalb Gäste in voller Montur eine Veranstaltung besuchen?

Ich vermute. Aber ich finde das sehr schade. Gerade bei feierlichen Anlässen sieht es nicht schön aus, wenn Winterkleidung über Stühle gehängt wird. Außerdem können heruntergefallene Jacken oder Mäntel leicht zur Stolperfalle werden. Und wir passen ja nicht nur auf Kleidungsstücke auf, sondern auch auf alles, was drin ist. Deshalb ist bei uns auch in den Pausen oft Betrieb.

Welche Dinge werden in den Pausen gebraucht?

Geld, Zigaretten, Autoschlüssel, Handys. Es gehört zu unserem Service, dass man alles in den Taschen lassen und jederzeit nochmal kommen kann, um etwas zu holen.

Wie viele Haken hat die Garderobe im Congress-Centrum?

Eigentlich geht's bis Nummer 720. Aber an manchen Abenden haben wir 2500 Jacken. Da arbeiten wir mit zusätzlichen Ständern und Kärtchen, auf denen per Hand die Nummern notiert werden.

Hört sich nach einem stressigen Abend an.

Stressige Nacht besser gesagt. Bei der Ü30-Party ist die Garderobe geöffnet von 20 bis 5 Uhr. Uns hat mal interessiert, wie viel Strecke wir bei Hochbetrieb zurücklegen. Der Schrittzähler hat zehn Kilometer angezeigt.

Wie oft kommt es vor, dass Kleidungsstücke vertauscht werden?

Eigentlich so gut wie nie. Manchmal werden Marken bei der Rückgabe an den falschen leeren Haken gehängt. Aber das ist ja nicht weiter schlimm. Wichtig ist nur, dass wir vor dem nächsten Termin kontrollieren, ob jede Marke an ihrem Platz ist.

Viele Begegnungen dauern nur ein Sekunden. Erfahren Sie in dieser Zeit etwas über Ihre Kunden?

Wer an einer Garderobe arbeitet, ist Ansprechpartner für alles. Wo sind die Toiletten? Wo gibt es Taxis? Wie kommt man zu Fuß in die Stadt? Ich habe tatsächlich eine Stammkundschaft, die immer bei mir ansteht. Von den meisten Leuten weiß ich keinen Namen, aber es ist schön, wenn man sich kennt und positive Rückmeldungen bekommt. Lob tut immer gut.