Heidenheim Fußgänger - die Gewinner im Stadtverkehr Heidenheims?

Ganz schön eng geht es an manchen Stellen der Innenstadt für Fußgänger zu.
Ganz schön eng geht es an manchen Stellen der Innenstadt für Fußgänger zu. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Manuela Wolf 07.07.2018
Die schwächsten Verkehrsteilnehmer sind, ganz klar, die Fußgänger. In Heidenheim zählt diese Gruppe trotzdem zu den glücklichen Gewinnern. Das liegt vor allem an den Planern im Rathaus.

Heinz Erhardt steht in „Der letzte Fußgänger“ am Fenster, blickt auf eine große Kreuzung hinunter, auf Autos, Radfahrer, Laster, Fußgänger, Straßenbahnen. „Wie sie alle rennen und rasen, als ob es ihr Leben gilt, durch den Wald der Häuser und Straßen wie von Hunden gehetztes Wild“, sinniert er verwundert vor sich hin. Bald 60 Jahre ist das jetzt her. Die Hektik in den Innenstädten ist geblieben.

Doch gerade für Fußgänger in Heidenheim hat sich vieles verändert. Und zwar zum Guten. Wer von den Schloss-Arkaden hinunter zum Konzerthaus spaziert oder vom Schiller-Gymnasium hinaus Richtung Waldbad, findet ein durchgängig überlegt ausgebautes Wegenetz. Fast überall kommt man bequem, zügig und sicher voran.

Gut, die Kreuzung beim Pressehaus ist eine Sache für sich. Wer sich an Recht und Gesetz hält, braucht mitunter mehrere Minuten, um zur gegenüberliegenden Straßenseite zu gelangen. „Aber das geht an solchen Knotenpunkten allen Verkehrsteilnehmern so, da muss man halt warten“, sagt Helene Pallluch, „an der Ampel am Jaekleplatz steht man ja auch immer eine Weile.“ Die Seniorin wohnt am Zanger Berg und fährt mehrmals die Woche mit dem Bus in die Stadt, um dort zu Fuß Besorgungen zu erledigen.

Falschparker sorgen für Konflikte

Mehrfach und mit einer gewissen Schärfe genannt wird auch der altbekannte Konflikt zwischen Radlern und Fußgänger. Allerdings sei daran nicht die Wegführung schuld oder die fehlende räumliche Trennung; beides habe sich in den letzten Jahren merklich verbessert.

Aber Falschparker und mangelnde Rücksichtnahme auf beiden Seiten sorgen offenbar immer wieder für Konflikte. Da weiche der eine eben auf die Spur des anderen aus, der Platz werde eng, natürlich könne man absteigen, einen Schritt zur Seite gehen, die Straßenseite wechseln, das sagen Befragte aus beiden Lagern. Aber wer macht das schon?

Unterm Strich ist das aber alles, was an Kritik anfällt bei einer Vielzahl von Gesprächen mit Fußgängern im gesamten Stadtgebiet.

Selbst Ralf Lindenmaier ist voller Lob für das Wegenetz in der Innenstadt. Als kleiner Junge hat er bei einem Unfall ein Bein verloren. Nach vielen Jahren mit Prothese ist der 54-Jährige inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen. Lindenmaier: „Ich habe viele Jahre in Isny im Allgäu gelebt. Weil es dort eine Behinderteneinrichtung am Ort gibt mit vielen Rollstuhlfahrern, hat sich die Stadt auf deren Bedürfnisse eingestellt. Ich muss sagen: Es gibt kaum Unterschiede zu Heidenheim.“

Selbst die großen Gefälle zur Straße hin an manch abgesenkten Randsteinen sieht er nicht als ernsthaftes Problem an. „Da braucht man starke Arme. Wer die nicht hat, nimmt eben einen anderen Weg, es gibt genügend Ausweichmöglichkeiten.“

Ein laufender Prozess

Im Rathaus freut man sich über die positiven Rückmeldungen, erstaunt ist man aber nicht. Pressesprecher Wolfgang Heinecker listet auf, was bereits für Fußgänger getan wird und welche Punkte im neuen Verkehrsentwicklungsplan genannt werden: abgesenkte Randsteine, Fußgängerüberwege an viel befahrenen Straßen, barrierefreie Bushaltestellen, Tempolimits (Beispiel: Ploucquetstraße).

Durch die Verbreiterung von Gehwegen auf mindestens 1,50 Meter soll eine Gleichstellung der Fußgänger im Verhältnis zu anderen Verkehrsteilnehmern erreicht werden. Heinecker: „Wir verbessern die Situation für Fußgänger in einem laufenden Prozess, insbesondere dann, wenn ohnehin im Straßenraum gearbeitet wird, zum Beispiel bei Straßenneubau und in Sanierungsgebieten.“ In diesem Zuge werden etwa Ampeln für Blinde und Sehbehinderte installiert oder Radwege räumlich von Gehwegen getrennt.

Hilfe für Senioren

Interessant: Heidenheim ist Gründungsmitglied der Arbeitsgruppe Fußverkehr Baden-Württemberg (AGFK-BW). Langfristiges Ziel der AGFK-Mitglieder ist es, das Wegenetz zu optimieren und dafür mit dem Titel „Fußgängerfreundliche Stadt“ ausgezeichnet zu werden. Themen wie konfliktfreies Parken, ansprechende Beleuchtung, Sauberkeit und Wegweiser sind im Kriterienkatalog aufgelistet und damit verpflichtend umzusetzen.

Den Titel „Seniorenfreundliche Stadt“ habe sich Heidenheim indes längst verdient, findet Helene Palluch. Ob beim Einsteigen in den Bus oder auf dem Heimweg vom Einkaufen, ob sie mit Rollator oder Gehstock unterwegs ist, die 84-Jährige hat schon oft Hilfsbereitschaft erlebt: „Manchmal tragen mir junge Leute die schwere Tasche sogar nach Hause. Alle helfen, wenn es klemmt. Das freut mich sehr.“

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