Heidenheim / Elena Kretschmer  Uhr
Um die Gäste musikalisch und kulinarisch auf die Opernfestspiele 2019 einzustimmen, wurde im Sparkassen-Business-Club gesungen, gehackt und geplaudert.

Was haben heroische Messerschwünge, heldenhafte Gesangseinlagen und herzhafte Köstlichkeiten mit Tschaikowskis „Pique Dame“ zu tun? Nun, all diese Zutaten wurden bei „Helden am Herd“ zu einem musikalisch-kulinarischen Menü verarbeitet und den rund 200 Gästen mit einer Prise Unterhaltung serviert.

Indem er den Taktstock für einen Abend gegen den Kochlöffel eintauscht, möchte Marcus Bosch, der künstlerische Direktor der Opernfestspiele, sein Publikum auf die bevorstehende Festspielsaison einstimmen. Um das Ganze abzurunden, lädt er sich drei „Helden“ zum gemeinsamen Kochen, Singen und Plaudern ein. Am Montag waren es Sparkassen-Direktor Dieter Steck, HZ-Redaktionsleiter Thomas Zeller und die amerikanische Mezzosopranistin Tamara Gura, die im Sparkassen-Business-Club der Voith-Arena einen russischen Gaumenschmaus zauberten.

Gespräche am Herd

Blini, also russische Pfannkuchen, wahlweise mit Schmand und Kaviar oder in süßer Ausführung mit Marmelade, sowie ein Salat Olivier, eine Art russischer Kartoffelsalat, standen auf dem Speiseplan. Aber auch wenn das Kochen immer mal wieder den Gesprächsfluss unterbrach, so lag der Fokus doch auf Boschs Fragen und den Antworten seiner Gäste.

Dass Gura so gar nicht schwermütig ist – im Gegensatz zu der Arie aus „Pique Dame“, mit der sie das Publikum begrüßt hatte – merkte man sofort, als sie strahlend und mit leichtem amerikanischen Akzent von ihrer Heimat New Jersey erzählte und wie sie nach Europa kam. Im Sommer übernimmt sie in der Heidenheimer Opernproduktion die Rolle der Polina. Diese wurde ihr bereits einmal während ihrer Zeit an der Staatsoper in Hamburg zuteil. „In Heidenheim gibt es dafür das heißblütigere Publikum“, witzelte Bosch.

Ihre Koloraturfähigkeit und ihre dynamische Bühnenpräsenz stellte die junge Mezzosopranistin bei einer von Bosch als „Gurgelmusik“ angekündigten Arie von Rossini und der „Habanera“ aus Bizets „Carmen“ unter Beweis. Kein Blick wich mehr von ihr, als sie mit den Männern in der ersten Reihe flirtete oder sich einfach singend mitten ins Publikum setzte.

In der Koch-Revue „Helden am Herd“ kümmerten sich Marcus Bosch, Margit Stumpp, Katerina Hebelkova und Hendrik Rupp neben Nudeln vor allem auch um Politik.

Weniger musikalisch, sondern eher pragmatisch-unterhaltsam hielten es Steck und Zeller. Während der Sparkassen-Chef munter über die geplatzte Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank plauderte, hatte der HZ-Redaktionsleiter alle Hände voll zu tun, die Zutaten für den Salat zu schnippeln. Dennoch überzeugte er das Publikum davon, dass er in Heidenheim angekommen ist – „Sie sollten im Stadtmarketing anfangen“, so Bosch. Außerdem klärte er darüber auf, dass sich am Journalismus über die Jahre nicht viel mehr verändert habe als die Darreichungsformen.

Dass Steck mit seiner Aussage „im Gegensatz zu den großen Medien kann eine Lokalzeitung nicht bei anderen abschreiben“ eine Lanze für den Lokaljournalismus brach, begrüßte Zeller. Weniger angetan wirkte Marcus Bosch, als er den ersten Löffel Olivier-Salat nach dem Abschmecken kostete, denn mit seinem „mhm, gut“ ließ er ziemlich lange auf sich warten.

Gespannt harrten die Zuschauer auch auf Zellers Antwort zum Thema Bezahlschranke bei der Heidenheimer Zeitung. Der gestand zwar ein, dass die Paywall im Juni oder Juli kommen wird. Mit konkreten Zahlen rückte er allerdings nicht heraus: „Es wird unterschiedliche Preismodelle geben und wir werden viel testen und probieren müssen.“

Wie Steck in der Welt der Banken, prophezeite auch Zeller im Verlagswesen diverse Fusionen. Als Vorbilder für tolle journalistische Arbeit nannte er die skandinavischen Länder und betonte zum wiederholten Mal, dass die Kommunikation mit dem Leser das A und O sei, ebenso wie es für Steck als Banker die Nähe zum Kunden ist. Facebook ist für ihn dabei aber keine Option: „Da gehe ich nicht drauf.“ Bosch hatte darauf angespielt, dass in dem sozialen Netzwerk teilweise richtig derbe Kommentare zu lesen seien. Zeller verwies dabei nur auf die Arbeit der Onlineredaktion, die stets versuche, regelkonform zu arbeiten. „Außerdem ist Facebook eine Art Stammtisch mit Sozialhygiene, bei dem sich die User gegenseitig in die Schranken weisen“, so Zeller.

Die Sache mit dem Mehl

Damit gab sich Bosch zufrieden, zumal er damit beschäftigt war, den viel zu dünnen Teig doch noch etwas dicker zu bekommen: „So viel Mehl habe ich da noch nie rein. Aber das zieht jetzt durch und in zehn Minuten ist der Teig perfekt.“ Und damit schwenkte der künstlerische Direktor auch schon über zu Aktien und Wertpapieren. „Die Heidenheimer kaufen zunehmend und sind erfolgreich“, so Steck. Er warnte davor, Prognosen zu glauben und ermutigte dazu, Trends zu folgen und beim Kauf zu streuen. Außerdem sagte er eine noch lange andauernde Niedrigzinsphase vorher.

Für die eher weniger bankaffinen Zuschauer schlug Bosch vor dem Essen noch einen Bogen zum Fußball. Er wollte wissen, ob der FCH noch eine Chance auf den Aufstieg in die erste Bundesliga hat. Die Antwort Zellers „Es wäre auf jeden Fall ein spannendes Spiel“ konterte Bosch ganz nüchtern mit „das wären ja dann zwei“ und sorgte damit für den Lacher des Abends.

Bei den „Helden am Herd“ ging's um Image durch Fußball und Kultur, die Filialen der Kreissparkasse und die städtebauliche Zukunft.

Näheres zu „Helden am Herd“ und „Pique Dame“

Bei der nunmehr 27. Auflage von „Helden am Herd“ wurde am Ende des Abends noch auf das zehnjährige Jubiläum von Marcus Bosch in Heidenheim angestoßen. Besonders stolz waren die Veranstalter auf die Zuschauerzahl. „So viele waren noch nie da“, sagte Oliver von Fürich freudig, zumal das Format 2018 aufgrund des vollen Terminkalenders von Bosch überhaupt nicht stattgefunden hatte.

Was „Pique Dame“ angeht, so versuchte Gura während des Kochens die Handlung zusammenzufassen: „Es geht ums Glücksspiel, um German und Lisa, und um das Geheimnis der Contessa, wie man immer gewinnt.“ Weitere Informationen zum gesamten Programm 2019 gibt es unter www.opernfestspiele.de ek