Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger „Junges Blut“ lautete das Motto des ersten Konzerts der neuen Saison aus der Reihe „Museumsmusik“.

Heidenheim. „Junges Blut“ lautete das Motto des ersten Konzerts der neuen Saison aus der Reihe „Museumsmusik“. Bei den neuen Lehrkräften der Musikschule Heidenheim konnte man getrost von „jungem Blut“ sprechen, wobei das beachtliche spielerische Können bei dem anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programm nichts mit den Lebensjahren zu tun hatte.

Sophie Fischer (Violine), Moritz Papp (Viola) und Friederike Saxen, die „Grande Dame“ des Cellos an der Musikschule, boten zu Beginn ein pulsierendes, feinsinniges Spiel bei Zoltan Kodalys „Intermezzo per trio d’archi“. Die kühne Harmonik, die blühende Farbigkeit, vom Impressionismus nicht unberührt, wurde von dem aus einem Guss spielenden Trio dezent hervorgehoben.

Man konnte Moritz Papp nur zu seinem Mut gratulieren, eine Viola-Version von Johann Sebastian Bachs Cellosuite Nr 1 G-Dur zu Gehör zu bringen. Die Klangfülle eines Cellos vermisste man kaum. Moritz Papp arbeitete mit eleganter Bogenführung und hohem gestalterischen Feinsinn und zeigte einen Reichtum an Figurationen und Akkordbrechungen. Mit Temperament und dennoch kontrolliert brachte er auf seinem „kleinen“ Instrument die Spannkraft und die melodische Schönheit des Werks souverän zum Ausdruck.

Sein Können konnte er danach beim Duo C-Dur für Violine und Viola von Jean Sibelius erneut präsentieren. Sophie Fischer ließ sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen. Taktsicher und mit stimmigem Zusammenspiel arbeiteten die beiden die rhapsodische Tonsprache des finnischen Musik-Übervaters heraus. Sophie Fischer zeigte eine spielerische wie gestalterische Souveränität, unverkrampft und bruchlos singend klang ihr Instrument bei diesem von spätromantischer Leuchtkraft bereicherten Stück aus dem Jahre 1892.

Frisch und mit schwebender Eleganz spielte sie Paul Hindemiths Sonate für Violine solo mit vitaler Bogenführung und sorgfältiger Gestaltung der Tempi. Die fünf Variationen über das Mozarts Lied „Komm lieber Mai“ hatten ihre Tücken mit Hindemiths „erweiterter Tonalität“, was aber der souverän arbeitenden Violinistin keine Schwierigkeiten bereitete. Die bisweilen leicht eruptiven Figuren kamen mit nuanciert gespielten Sautillé- Bewegungen. Nicht nur eine brillante Technikerin mit einer differenzierten Ausdruckspalette kam hier zum Zug. Sie legte auch Sentiment und Temperament in ihr ansprechendes Spiel.

Bei dem Quartett Nr.1 C-Dur für Fagott und Streichtrio des französischen Flötisten und Klassikers Francois Devienne konnte man mit der Fagottistin Klara Baszun ein munteres Werk genießen, bei dem es zuweilen kräftig „mozartete“. Das sanglich geführte Fagott leuchtete beim traumhaft schönen Adagio cantabile zu den farbigen Streicherlinien und dem sauberen Cello-Bassfundament von Friederike Saxen. Ein ungewöhnlich spannendes und kurzweiliges Vergnügen wurde da geboten mit fast „frechen“ Harmonien wie beim Rondo am Schluss. Es schien nicht nur den 50 Besuchern Spaß gemacht zu haben, und man darf der Musikschule zu dem mit hohem Können sich vorstellenden „Jungen Blut“ nur gratulieren. Hans-Peter Leitenberger