Heidenheim / Silja Kummer Ein Kommentar von Silja Kummer zum Schulstreik fürs Kilma.

Man hat es als Jugendlicher nicht leicht: Mal abgesehen von all den persönlichen Veränderungen, die man auf dem Weg zum Erwachsenwerden durchstehen muss, haben auch die Erwachsenen verschiedenste Erwartungen an den Nachwuchs. Je nach persönlicher Einstellung hätte man gerne, dass die Jugend nicht so viel ins Handy schaut, auch mal das Jugendzimmer verlässt, nicht so viel Fastfood isst, abends früh nach Hause kommt, sich politisch engagiert, keine Widerworte gibt, sich ordentlich anzieht oder einen anständigen Beruf ergreift. Es den Erwachsenen recht zu machen, ist oft nicht wirklich einfach – und manchmal auch gar nicht gewollt, das ist das Privileg der Jugend.

Wenn sich also 800 Schüler lieber zwei Stunden lang in den kalten Regen stellen als im warmen Klassenzimmer zu sitzen und den Erwachsenen einen Spiegel vorhalten, in dem sie auf die drängenden und völlig ungelösten Umweltprobleme hinweisen, müssen sie sich auch dafür Kritik anhören: Sie sollen doch lieber etwas lernen, sich nicht mit dem Auto in die Schule fahren lassen und nicht den Verkehr in der Stadt blockieren, weil die Erwachsenen zu wichtigen Terminen müssen.

Das Verhalten von Jugendlichen ist für Erwachsene oft so unangenehm, weil man entweder Verhaltensweisen sieht, für die man selbst das Vorbild abgegeben hat, oder weil man daran erinnert wird, welche Ideale man selbst einmal hatte und sich fragen muss, wann genau diese abhanden gekommen sind.

Wer also bei den „Fridays for Future“-Schulstreiks ein großes Unbehagen empfindet, sollte, bevor er den Jugendlichen Faulheit, Dummheit und Ignoranz unterstellt, erstmal darüber nachdenken, warum es ihn so wahnsinnig ärgert, dass die Schüler demonstrieren. Vielleicht liegt es daran, dass sie recht haben und man sich so hilflos fühlt angesichts eines globalen Problems. Und vielleicht sollten die Erwachsenen bei der nächsten Schülerdemo einfach mit auf die Straße gehen.

Trotz Dauerregens folgten viele junge Demonstranten dem Aufruf von Organisatorin Anna Prasser und forderten die Politik zum Handeln auf.