Heidenheim / Kathrin Schuler  Uhr
In Heidenheim wird an diesem Wochenende die seit Jahrzehnten bestehende Freundschaft mit Clichy und St. Pölten gefeiert.

Noch nie war Europa so wichtig. Und doch war Europa noch nie in so großer Gefahr.“ Diese Worte des französischen Staatsoberhaupts Emmanuel Macron wiederholte Oberbürgermeister Bernhard Ilg gestern beim Festakt des Jubiläums der Städtepartnerschaften in der Schlosskirche. Seit mittlerweile 60 Jahren sind Heidenheim und die französische Stadt Clichy freundschaftlich verbunden und auch die Partnerschaft mit St. Pölten in Österreich jährt sich bereits zum 50. Mal.

Grund genug, um diese seit Jahrzehnten andauernde Freundschaft ein Wochenende lang ausgiebig zu feiern, ist Freundschaft doch der Grundstein der europäischen Gemeinschaft. Dazu waren aus den Partnerstädten bereits am Donnerstag Delegationen angereist: Mit Oberbürgermeister Rémi Muzeau aus Clichy, Bürgermeister Matthias Stadler aus St. Pölten sowie zahlreichen weiteren Gästen auch aus der Partnerstadt Jihlava war die Schlosskirche mit rund 150 Gästen gut gefüllt.

Alternativ- statt perspektivlos

Hinsichtlich der kurz bevorstehenden Wahlen stand der Festakt ganz im Zeichen Europas: „Um Europa zu retten, müssen wir handeln“, sagte Ilg. Denn immer mehr Bürger würden Europa als perspektivlos betrachten – dabei sollte das Credo eher lauten: Europa ist alternativlos. Und doch müsse man nun aktiv werden, um Europa zu bewahren und zu befördern.

Das sei jedoch nicht nur die Aufgabe von Politik und Parlament: „Wir brauchen ein Europa von oben und von unten“, meinte Ilg. Von oben brauche es Rechtsgleichheit in den Staaten der europäischen Union und damit eine gemeinsame Verfassung, einen Grenzschutz und eine gemeinsam geregelte Einwanderungspolitik. Und Europa von unten? Gerade heute seien Städtepartnerschaften als die Kraftzentren Europas mehr gefragt denn je, betonte Ilg – und jeder Einzelne als wahlberechtigter Europäer ebenso.

Europa ist in Heidenheim

Das bekräftigte auch die Europaabgeordnete Dr. Inge Gräßle in ihrer Rede beim Festakt: „Europa ist nicht Brüssel und Straßburg – Europa ist Heidenheim, St. Pölten und Clichy.“ Die zahlreichen Städtepartnerschaften, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut wurden, seien noch heute extrem wichtig: „Hier wird Europa für die Menschen erlebbar gemacht  – sie können fühlen, was Europa bedeutet: In persönlichen Begegnungen und Freundschaften, die von den Bürgern selbst über die Ländergrenzen hinweg weitergetragen werden.“

Und gerade weil die Städtepartnerschaften die Grundfesten der Europäischen Union sind, dürfen sie nicht vernachlässigt werden: Es braucht jemanden, der sich um sie kümmert. In Heidenheim ist das seit mehr als 25 Jahren Jürgen Habmann. Seitdem das Partnerschaftskomitee im Jahr 1993 ins Leben gerufen wurde, ist der ehemalige Heidenheimer Lehrer und Rektor des Schiller-Gymnasiums dort als Vorsitzender tätig.

„Mit viel Geschick, Kreativität und Ausdauer hat er die partnerschaftlichen Verbindungen ausgebaut und belebt“, erklärte OB Bernhard Ilg. Für sein jahrelanges Engagement in Sachen Städtepartnerschaft wurde Habmann bei dem Festakt ausgezeichnet, wobei ihm die Bürgermedaille der Stadt Heidenheim verliehen wurde. Auch in das Goldene Buch der Stadt durfte sich Jürgen Habmann eintragen, ebenso wie die Oberhäupter der Partnerstädte sowie Europaabgeordnete Inge Gräßle.

Sechs Partnerstädte in Europa

Seit 60 Jahren sind Heidenheim und Clichy Partnerstädte und auch die Verbindung nach St. Pölten besteht seit 50 Jahren. Insgesamt hat Heidenheim sogar sechs Partnerstädte in Europa: Newport in Großbritannien, Sisak in Kroatien, Jihlava in Tschechien und Döbeln in Sachsen. Außerdem hat Heidenheim Beziehungen nach China: Mit der Stadt Qianjiang besteht seit 1994 eine Städtepartnerschaft.