Gericht Flughafen-Baby: Prozess startet im Mai

Am 30. Juli wurde auf einer Toilette am Münchner Flughafen ein Neugeborenes gefunden.
Am 30. Juli wurde auf einer Toilette am Münchner Flughafen ein Neugeborenes gefunden. © Foto: dpa
erwin bachmann 23.03.2016
Seit Sommer 2015 schon sitzt sie in U-Haft, jene junge Frau, die beschuldigt wird, ihr neugeborenes Baby auf einer Toilette des Flughafens München zurückgelassen zu haben: Jetzt naht der Verhandlungsauftakt.

Eigentlich scheint alles ziemlich klar zu sein: Eine Woche lang hatte die Polizei Anfang August 2015 nach einer Frau gefahndet, die ihr neugeborenes Baby in einem Parkhaus-WC des Flughafens München zur Welt gebracht und anschließend dort zurückgelassen hatte.

Das im kalten Wasser einer Toilettenschüssel steckende Baby wurde in einem lebensbedrohlichen Zustand aufgefunden und konnte gerettet werden, bevor eine 23-jährige Heidenheimerin aufgespürt wurde, die von den Ermittlern spätestens nach einem DNA-Abgleich zweifelsfrei als Mutter des zurückgelassenen kleinen Mädchens erkannt worden ist.

Und doch ist die Sache komplizierter, zumindest was die juristische Aufarbeitung dieser dramatisch verlaufenen Geburt des als „Flughafen-Baby“ bekannt gewordenen Mädchens betrifft: Die an jenem heißen Sommertag nach einem Au-Pair-Aufenthalt aus Dubai nach Deutschland zurückkehrende junge Frau leugnete von Anfang an, die Mutter des Kindes zu sein und bestreitet nach Informationen unserer Zeitung bis heute, überhaupt schwanger gewesen zu sein.

Mutter hatte vor der Tür gewartet

Diese Behauptung wird auch von elterlicher Seite aufgestellt, wiewohl die seinerzeit ermittelnde Kripo Erding rekonstruiert hatte, dass die Deutsch-Türkin nach der Landung am Flughafen zusammen mit ihrer Mutter ins Parkhaus gegangen war, die dort vor der Tür der Besucher-Toilette bis zur Entbindung gewartet haben soll.

Jetzt darf man gespannt sein, ob und wie sich die seit Dezember vergangenen Jahres von der Staatsanwaltschaft Landshut wegen versuchten Totschlags angeklagte Frau vor Gericht einlassen wird und welches Aussageverhalten die Eltern an den Tag legen werden. Bei der Beweisaufnahme wird auch von Bedeutung sein, inwieweit das Handeln der Frau von einer psychischen Ausnahmesituation bestimmt war.

Verfahren wird sich hinziehen

Dass sich die mutmaßlich auf Indizien und Gutachten stützende Beweisaufnahme hinziehen wird, zeigt sich an der jetzt erfolgten Terminierung des Strafprozesses, die das Schwurgericht Landshut noch vor seiner formalen Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens vorgenommen hat. Dem Prozessauftakt, der am 3. Mai vorgesehen ist, werden möglicherweise vier weitere Verhandlungstage folgen, bevor ein Urteil gesprochen wird. Folgt die Kammer der Auffassung der Staatsanwaltschaft, droht der Angeklagten eine Haftstrafe, die bei vorsätzlicher Tötung bis zu 15 Jahren währen kann.

Die Frau verbringt die Zeit bis zur Aufnahme des Strafverfahrens in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim. Sie sitzt seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft, wo sie nach Medienberichten patzig und aggressiv auftreten soll. Als Haftgrund spielt neben der Fluchtgefahr auch die Schwere der Tat eine Rolle.

Eine erste Haftprüfung war Anfang Februar vorgenommen worden, wobei das Oberlandesgericht München die Fortdauer der U-Haft angeordnet hatte. Was sich aus der Strafprozessordnung erklärt, die vorsieht, dass der Vollzug der Untersuchungshaft über sechs Monate hinaus nur aufrechterhalten werden darf, wenn die besondere Schwierigkeit oder der besondere Umfang der Ermittlungen oder ein anderer wichtiger Grund das Urteil noch nicht zulassen.

Das inzwischen knapp acht Monate alte Mädchen, um das die Wahrheitsfindung kreist, ist wohlauf. „Findelkind, 45 Zentimeter, 3500 Gramm“ hatte über dem Wärmebettchen im Krankenhaus gestanden, wo das Neugeborene nach der Rettung in ein künstliches Koma versetzt worden war. Heute trägt es den Namen Franziska und lebt in einer Pflegefamilie.