Kreis Heidenheim Flüchtlinge erledigen Arbeit, die keiner machen will

Wurde aus der Zeitarbeit in eine Festanstellung übernommen: Mitarbeiter Yusupha Faal (links) mit Matthias Hopp, Betriebsleiter bei Honold Contract Logistics in Herbrechtingen.
Wurde aus der Zeitarbeit in eine Festanstellung übernommen: Mitarbeiter Yusupha Faal (links) mit Matthias Hopp, Betriebsleiter bei Honold Contract Logistics in Herbrechtingen. © Foto: Markus Brandhuber
Kreis Heidenheim / Von Silja Kummer 14.06.2018
Als Rettung angesichts eines leergefegten Arbeitsmarktes bezeichnet Daniel Bücheler von der Zeitarbeitsfirma Telkemeyer die Einstellung von Flüchtlingen für ungelernte Tätigkeiten.

Sicherlich, in erster Linie geht es ums Geschäft: Eine Zeitarbeitsfirma vermittelt für einen befristeten Zeitraum Arbeitskräfte an Unternehmen. Wenn die Zeitarbeitsfirma niemanden findet, den sie vermitteln kann, verdient sie kein Geld. Für den Nattheimer Daniel Bücheler, Prokurist bei der Telkemeyer Personal-Leasing GmbH in Langenau, geht es aber beim Thema Flüchtlinge um mehr als nur um neue personelle Ressourcen für seine Firma. Er will gerne zeigen, dass pauschale Ressentiments gegenüber den Neubürgern unbegründet sind. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dieser Personengruppe gemacht“, sagt er. Von ungefähr 600 Beschäftigten bei Telkemeyer sind 120 Flüchtlinge, 30 davon sind im Landkreis Heidenheim beschäftigt.

Abschiebung trotz Arbeit

„Das Tolle ist, dass der Großteil der Flüchtlinge dankbar ist für Arbeit“, sagt Bücheler. Oft gehe es dabei um Tätigkeiten, für die sich keine anderen Bewerber finden. „Die Flüchtlinge nehmen niemandem die Arbeit weg, sondern wir haben durch sie die Chance, Stellen zu besetzen“, meint Bücheler. Angesichts eines beinahe leergefegten Arbeitsmarktes sei diese Personengruppe für seine Firma die Rettung.

Angestoßen wurde die Anstellung von vorwiegend afrikanischen Flüchtlingen durch einen Mitarbeiter von Telkemeyer, der aus dem Kongo stammt. Es geht dabei – bedingt durch die oft begrenzten Sprachkenntnisse – um ungelernte Tätigkeiten im Logistikbereich oder in der Produktion. Mittlerweile habe die Zeitarbeitsfirma auch schon Flüchtlinge als Stapelfahrer ausgebildet, wodurch auch die Verdienstmöglichkeiten der Mitarbeiter steigen.

„Anfangs hatte ich schon Sorgen, ob die Flüchtlinge ins Team passen“, erzählt Daniel Bücheler. Dies sei aber unbegründet gewesen. „Man muss sich aber auch auf die Menschen einlassen und sie kennenlernen“, sagt er. Die Schwierigkeiten bei der Beschäftigung von Flüchtlingen seien oft bürokratischer Natur: Der Aufenthaltstitel gelte nur für drei bis vier Monate, auch die Arbeitsgenehmigung müsse regelmäßig neu beantragt werden. „Wenn ein Land zum sicheren Herkunftsland erklärt wird, zählt es nicht, ob jemand einen Arbeitsvertrag hat“, berichtet Bücheler. Dies ist für ihn unverständlich: „Für mich wäre die Frage eher, ob jemand hier in Deutschland eine Zukunft hat“, sagt er.

Praktische Probleme sind bisweilen die Sprachkenntnisse und dass sich Sprachkurse beispielsweise nicht mit Schichtarbeit kombinieren lassen.

„Bin positiv überrascht“

Eine Firma, bei der mehrere Flüchtlinge arbeiten, ist die Honold Contract Logistics GmbH im Herbrechtinger Industriepark A7. Einer von ihnen, Yusupha Faal, wurde zum 1.Mai in eine Festanstellung übernommen. Matthias Hopp, Betriebsleiter bei Honold, bestätigt den Eindruck von Daniel Bücheler: „Ich bin positiv überrascht von den Flüchtlingen“, sagt er.

Kein angenehmes Geschäft

Er beschäftigt insgesamt 35 festangestellte Mitarbeiter, dazu momentan sieben bis acht Zeitarbeiter. „Im Containerbereich haben wir ziemliche Schwankungen beim Arbeitsaufwand“, erklärt er dies. Das Be- und Entladen von Containern sei „kein angenehmes Geschäft“, schildert er, dafür würden die Flüchtlinge aber überdurchschnittlich engagiert arbeiten. „Das ist körperlich anstrengende Arbeit, das möchte sonst kaum mehr jemand machen“, meint Hopp.

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz schreibe vor, dass die Zeitarbeiter nach neun Monaten den gleichen Lohn wie die festangestellten Mitarbeiter bekommen oder abgemeldet werden müssen, erläutert Hopp. „Das ist wie eine längere Probezeit“, meint er. Ungefähr zwei Mitarbeiter pro Jahr könne er in eine Festanstellung übernehmen, Faal war nun der erste Flüchtling, der davon profitierte.

Zeitarbeit: So viel verdienen überlassene Mitarbeiter

Auch für Zeitarbeiter gibt es in Deutschland Tarifverträge und einen Mindestlohn, der aktuell bei 9,23 Euro liegt. Generell verdienen Zeitarbeiter in den meisten Branchen etwas weniger als ihre festangestellten Kollegen.

Bis zu 15 Euro pro Stunde können Zeitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie verdienen, wenn sie 15 Monate beim selben Kunden eingesetzt sind, erläutert Daniel Bücheler von der Telkemeyer Personal-Leasing GmbH in Langenau. In der Logistikbranche verdient ein Helfer aktuell 9,49 Euro pro Stunde.

Jedoch könnte dort auch oft auf gute Sprachkenntnisse verzichtet werden, was in der Produktion schwerer möglich sei, meint Bücheler. Mitarbeiter, die sich mit einem Staplerführerschein weiterqualifizieren, starten mit einem Stundenlohn von 12 Euro, dieser steigt bis zu 14,79 Euro nach neun Monaten.

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