Heidenheim Filmender Lehrer: Keine Auskunft über Konsequenzen

Mit einer Minikamera filmte ein Lehrer in der Umkleidekabine ahnungslose Sportlerinnen.
Mit einer Minikamera filmte ein Lehrer in der Umkleidekabine ahnungslose Sportlerinnen. © Foto: emmanuelcaro, stock.adobe.com
Heidenheim / Silja Kummer 08.08.2018
Ein Heidenheimer Gymnasial-Lehrer filmte junge Frauen beim Duschen. Das Regierungspräsidium Stuttgart will nicht mitteilen, welche dienstliche Konsequenzen dies für den Mann hatte.

Schon vor einigen Monaten wurde ein Heidenheimer Gymnasiallehrer verurteilt, weil er eine Videokamera in der Dusche einer Damenumkleide deponiert hatte.

Das Regierungspräsidium habe „die dienstrechtlich notwendigen Maßnahmen ergriffen“, teilte die Behörde zunächst auf HZ-Anfrage mit. Wie genau diese Maßnahmen aussehen, will die vorgesetzte Dienstbehörde der Heidenheimer Schule auch auf mehrfache Nachfrage unserer Redaktion nicht mitteilen.

Das Regierungspräsidium beruft sich auf „Amtsverschwiegenheit in Personalangelegenheiten“. Dem gegenüber steht das Landespressegesetz, nach dem ein Auskunftsanspruch besteht. Die HZ-Redaktion ist der Meinung, dass in diesem Fall das öffentliche Interesse an den dienstlichen Konsequenzen höher zu bewerten ist – zumal weder der Name des Lehrers noch der Schule genannt werden.

Ethisch-moralisches Versagen

Enttäuscht vom Verhalten der Schulbehörde äußert sich Dr. Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats: „Ich verliere das Vertrauen in die Schulverwaltung“, sagt er. Das moralisch-ethische Versagen des Lehrers sehe er klar im Zusammenhang mit dessen pädagogischer Tätigkeit. Die Mechanismen, die in diesem Falle ablaufen, benennt er mit „unter den Tisch kehren und verdrängen.“ Wenn sich die Opfer der Tat, laut Aussage der Staatsanwaltschaft Ellwangen vier Frauen über 18 Jahre, heute noch schämen würden, habe die Schulverwaltung komplett versagt, so Rees.

Keine Bilder auf dem Smartphone

Sowohl die Schulbehörde als auch die Staatsanwaltschaft gehen in dem Fall von einem einmaligen Fehlverhalten aus. Es wurden weder der Computer des Mannes noch seine Wohnung durchsucht. „Die technische Überprüfung der Kamera ergab, dass diese so eingestellt war, dass die Bilder nur auf dem Gerät gespeichert wurden“, erläutert Armin Burger, Sprecher der Ellwanger Staatsanwaltschaft. Die Polizei habe das Smartphone des Mannes durchgesehen, dort habe man keine belastenden Bilder gefunden.

„Die Tat war damit vollständig ausermittelt und aufgeklärt, weitere Beweiserhebungen waren nicht mehr geboten“, so der Staatsanwalt. Insbesondere habe es keinen Grund gegeben, zur Aufklärung dieser Tat auch noch den Computer des Lehrers zu beschlagnahmen und zu diesem Zweck eine Wohnungsdurchsuchung zu beantragen. Allein aus der bekannt gewordenen Tat hätten sich keine Anhaltspunkte für weitere Taten ergeben. Deshalb habe es an einer entsprechenden rechtlichen Handhabe für weitere Ermittlungen gefehlt.

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