Heidenheim / Joelle Schilk  Uhr
Videointerviews, Live-Erzählungen und ein bisschen „Wilhelm Tell“: Mit der Produktion „...und einig wollen wir handeln“ gibt Oliver von Fürich am 12. Juli einen Einblick in die Geschichte des Naturtheaters.

Mit dem Pfeil einen Apfel auf dem Kopf eines anderen treffen? Schwieriges Unterfangen. Und ziemlich riskant. Deshalb wird es das so sicherlich auch nicht geben im Heidenheimer Naturtheater – dennoch stehen Apfelschuss, Rütlischwur und Co. dieses Jahr einmal mehr im Mittelpunkt des Bühnengeschehens. Zumindest einen Abend lang.

Worum es geht? Um Schillers „Wilhelm Tell“ natürlich. Oder besser: um Oliver von Fürichs Bühnenstück „...und einig wollen wir handeln“, das in vielen Teilen an die Schillersche Geschichte angelehnt ist und am Ende doch eine ganz andere erzählen wird: die des Naturtheaters. Aufgeführt wird die Produktion am Freitag, 12. Juli, um 20 Uhr auf der Freilichtbühne, sozusagen als Start in die mit Programm vollgepackte Festwoche zur Feier des 100-jährigen Bestehens des Naturtheaters.

Theater, Dokumentation, Videos

Doch warum ausgerechnet „Tell“? Nun, zum einen, weil damit die Bühne im Jahr 1924 eingeweiht wurde, zum anderen, weil es eines der meist inszenierten Stücke der vergangenen 100 Jahre ist. „Wir führen aber nicht den kompletten ,Wilhelm Tell’ auf. Es werden höchstens Ausschnitte zu sehen sein“, verrät von Fürich. Tatsächlich soll sich dieser Abend nicht einfach einreihen in die Liste von Sommer-, Kinder-, Herbst- und Winterstück, sondern etwas ganz anderes bieten: eine Mischung aus Theater, Vereinsgeschichte, Dokumentation, Zeitzeugeninterviews und Videoeinspielungen.

„Im Prinzip gibt es drei Teile, die parallel ablaufen. Die ,Tell’-Inszenierung, eine Live-Erzählung der Geschichte des Naturtheaters und historische Film- und Fotoausschnitte“, erklärt von Fürich, der selbst schon viele Jahre Mitglied ist und in dieser Zeit zahlreiche Inszenierungen als Regisseur begleitet hat. „Ich wollte zum Jubiläum etwas Besonderes machen. Die Geschichte des Naturtheaters auf der Bühne erlebbar machen. Zeigen, wie es früher war, zeigen, was das Naturtheater ausmacht“, sagt er. Der Titel der Produktion „...und einig wollen wir handeln“ ist dabei angelehnt an „Tell“: „Das ist sozusagen die Kernaussage des Naturtheaters; analog dem Rütlischwur, wo man sich verschworen hat, um Freiheit zu erlangen“, erklärt von Fürich.

Kooperation mit Aalen

Das Stück ist ein ambitioniertes Vorhaben, das er jedoch nicht ganz alleine umsetzt. Unterstützung hat er sich beim Theater der Stadt Aalen geholt; in Person des Intendanten Tonio Kleinknecht, mit dem er regen Kontakt pflegt. „Wir haben ein umfangreiches Abendprogramm erarbeitet – ungefähr 80 Minuten, ohne Pause“, so von Fürich. Zu sehen sind unter anderem Dieter Junginger, der 1957 den Tellknaben gespielt hat, die beiden langjährigen Mitglieder Marianne Teicher und Martha Munz, aber auch Helmut Kuhn als Ehrenvorsitzender des Naturtheaters und dienstältestes Mitglied oder Rudi Neidlein, der das Naturtheater 1981 nach vereinsinternen Konflikten verlassen und die Amateurtheatergruppe Königsbronn mitgegründet hat.

„Wir geben einen ganz breiten Einblick in die Geschichte: wann gab es die erste Abendvorführung, wann die ersten Musicals, wann waren zum ersten Mal Tiere auf der Bühne, wie hat sich die Jugendarbeit entwickelt – solche Dinge“, sagt vor Fürich. Auch auf Paul Wanner, der viele Stücke mit inszeniert und als Autor zum Teil extra für das Naturtheater geschrieben hat, wird eingegangen. Aus 20 Stunden Videomaterial wurde so am Ende ein rund 30-minütiger Interview-Clip – jede Menge Arbeit zusätzlich zu all den Proben, weshalb man mit der Vorbereitung auch bereits zur Spielzeit 2018 begonnen hat. „Wir haben das Projekt außerdem bei der Baden-Württemberg-Stiftung eingereicht. Ohne diese Förderung wäre es finanziell nicht machbar gewesen“, sagt von Fürich.

Und all der Aufwand für nur einen einzigen Abend? Oliver von Fürich nickt. „Da hätten sich sicher mehrere Vorstellungen gelohnt, klar. Aber es soll etwas Besonderes werden – und außerdem wird das Ganze aufgezeichnet, wir können es also auch hinterher nochmal anschauen.“ Oder, im besten Fall, in 100 Jahren nochmal zeigen.

100 Jahre Naturtheater: Programm der Festwoche

Nach der Produktion „...und einig wollen wir handeln“ am Freitag, 12. Juli, um 20 Uhr auf der Freilichtbühne folgt am Sonntag, 14. Juli, von 11 bis 14 Uhr die Schlossbergtafel und von 11 bis 17 Uhr ein Kindertag im Naturtheater. Am Dienstag, 16. Juli, gibt es ab 20 Uhr einen Poetry-Slam-Abend unter dem Titel „Wortgewitter“. Es folgen die Musical-Night am Mittwoch, 17. Juli, um 20 Uhr und die Kleinkunst-Gala am Donnerstag, 18. Juli, um 20 Uhr. Am Freitag, 19. Juli, spielen ab 20 Uhr „Herrn Stumpfes Zieh und Zupf Kapelle“ und die Band „Fools Garden“. Am Samstag, 20. Juli, wird die Produktion „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ aufgeführt und am Sonntag, 21. Juli, folgt zum Abschluss ein Konzert mit „Erpfenbrass“ und „Viera Blech“.