Nachruf Felskletterer Manfred Stängle ist verstorben

Manfred Stängle: eine Kletter-Legende.
Manfred Stängle: eine Kletter-Legende. © Foto: Archiv
Heidenheim / Erwin Bachmann 13.12.2017
Manfred Stängle, Pionier der Felskletterei, ist im Alter von 87Jahren verstorben.

Er wollte schon in jungen Jahren ausgesprochen hoch hinaus und tatsächlich war er sein Leben lang voll auf der Höhe. Jetzt, kurz vor seinem 88. Geburtstag, ist Manfred Stängle am Gipfel seines irdischen Daseins angelangt, und viele Begleiter seines bevorzugt steil nach oben führenden Weges nehmen Abschied von einem, der schon zu Lebzeiten als Urgestein der Felskletterei in die Alpingeschichte eingegangen ist.

Mit 20 Jahren hatte er zum erstenmal Hand an den Fels gelegt, den er mit selbstgebastelten Kletterschuhen und abenteuerlich anmutendem Sicherungsmaterial eroberte. Die Tatorte seines aufstrebenden Tuns lagen vor der Haustür des Heidenheimers, im Eselsburger Tal und am Albtrauf, wo er sich die nie stumpf gewordenen Hörner abstieß und rasch zu einer Klettergröße heranwuchs. In der mehr als 100-jährigen Geschichte des Bergsports der Schwäbischen Alb nahm und nimmt Stängle als Pionier der Kletterbewegung eine anerkannt führende Rolle ein.

Höchster Schwierigkeitsgrad

Dem Reiz der Vertikalen erlag er aber auch fern seiner steinreichen Heimat. Wo immer der vielzitierte Ruf der Berge erschallte: „Stängles Manne“ folgte ihm ins Wettersteingebirge, in den Wilden Kaiser, in die Dolomiten, an den Watzmann, an den Großglockner und ins Mont-Blanc-Massiv. Zu seinem dort absolvierten Programm zählten Touren, die mit dem damals höchsten Schwierigkeitsgrad bewertet wurden. Und als die Mauer fiel, war er einer der ersten Wessis, die in der Sächsischen Schweiz ausprobierten, wie die Sportler drüben mit dem glatten Fels zurechtgekommen waren. Der Prophet ging zum Berg.

Im Streben nach Höherem ist Stängle nie dem Hang erlegen, zum Solisten seiner Lust zu werden. Bergkameradschaft, wie sie in besonderer Ausprägung am gemeinsamen Seil entsteht, war ihm ebenso wichtig wie der Dienst in einer größeren Gemeinschaft. Die fand er nach Kriegsende in der von ihm zusammen mit neun Kletterfreunden mitgegründeten Bergwachtbereitschaft Heidenheim, in der er Vorsitzender, Bereitschaftsleiter und Ausbilder in Sachen Klettern und Skifahren war.

Mit zunehmendem Alter kehrte der „wilde Hund“ mit den sympathischen Zügen wieder an die Kalkfelsen der Ostalb zurück, wo er den zur Leidenschaft gewordenen Biss nie verloren hat. „Altersschwäche war keine zu erkennen,“ berichtet Bergwachtler Werner Petzold, einer seiner alten Seilgefährten - und in der Tat: Mit 80 kletterte der Bergfex noch am Rosenstein, am Himmelsfelsen und an der Roggennadel die alten Touren im 5. und 6. Grad, bevor er seine Aktivitäten dann immer mehr in die Kletterhalle nach Waldstetten verlegte.

Dort hatte er zwei Tage vor seinem überraschenden Tod seinen letzten Auftritt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel