Heidenheim Voith-Arena: So kam der Pachtvertrag mit dem FCH zustande

Am Ende der ersten Saison in der 3. Liga bedankte sich die FCH-Mannschaft bei den Fans. Unterstützung bekommt der Verein nach wie vor auch von der Stadt, die allen Sportvereinen Fördermittel gewährt.
Am Ende der ersten Saison in der 3. Liga bedankte sich die FCH-Mannschaft bei den Fans. Unterstützung bekommt der Verein nach wie vor auch von der Stadt, die allen Sportvereinen Fördermittel gewährt. © Foto: Archiv/Jennifer Räpple
Heidenheim / Silja Kummer 09.08.2018
Mit dem Verkauf des Stadions an den Fußball-Zweitligisten hat sich die Stadt aus einem unangemessenen Pachtvertrag befreit. Wie es zur Höhe der Pachtsumme kam und warum der Verein weiterhin Geld von der Stadt bekommt:

Für viel Kritik hat nach dem Beschluss des Gemeinderats, die Voith-Arena für zwei Millionen Euro an den FCH zu verkaufen, der Pachtvertrag der Stadt mit dem Verein gesorgt.

Der Fußball-Zweitligist hat bisher eine Jahrespacht von rund 2900 Euro für das Stadion und die Trainingsplätze auf dem Schlossberg bezahlt. In derselben Liga werden jedoch auch ganz andere Summen bezahlt. So hat beispielsweise der Stadtrat von Kaiserslautern im März auf Antrag des 1. FC Kaiserslautern beschlossen, die Stadionpacht in der 2. Liga von 3,2 Millionen Euro pro Jahr auf 2,4 Millionen Euro und in der dritten Liga auf 425 000 Euro zu senken. Der Verein war damals abstiegsgefährdet und spielt nun tatsächlich in der 3. Liga.

Pachtvertrag 2009 aufgesetzt

Aufgesetzt wurde der Heidenheimer Pachtvertrag bereits am 17. März 2009, also kurz vor dem Aufstieg des Vereins in die 3. Liga. Die Höhe der Pacht ergab sich damals aus den Sportförderrichtlinien der Stadt. Danach bezahlen Vereine für Freisportflächen, die im Besitz der Stadt sind, eine jährliche Miete in Höhe von 0,03 Euro pro Quadratmeter. Die Pachtdauer wurde auf 25 Jahre festgelegt.

„Ich nehme die Schuld auf mich, dass ich nicht wusste, dass der FCH so schnell in die 2. Liga aufsteigt“, sagte Oberbürgermeister Bernhard Ilg in der Gemeinderatssitzung, in der der Stadionverkauf beschlossen wurde. „Im übrigen haben alle Verträge mit den Vereinen der Stadt zum Ziel, die Vereine zu unterstützen. Das war auch Leitmotiv dieses Vertrages“, ergänzt die städtische Pressesprecherin Birgit Baumann.

2014 wurde die Laufzeit des Pachtvertrags noch einmal verändert: Damals hatte der FCH neben der Stadionerweiterung Bereiche für die Jugendarbeit ausgebaut. Die Vertragslaufzeit wurde erneut auf 25 Jahre festgesetzt, nun also bis 2039 festgeschrieben. „Nur unter der Voraussetzung der Verlängerung des Pachtvertrags auf 25 Jahre war es dem FCH damals möglich, Zuschüsse vom WLSB zu erhalten“, erläutert Birgit Baumann, Sprecherin der Stadtverwaltung. Andere Vertragsinhalte seien damals nicht zur Debatte gestanden.

FCH von Anfang an einbezogen

Der jetzt vom Gemeinderat beschlossene Kaufvertrag für das Stadion zu einem Preis von zwei Millionen Euro sei im Frühjahr 2018 aufgesetzt worden, erläutert Birgit Baumann. „Der FCH wurde von Anfang an einbezogen“, so die Sprecherin der Stadt. Das klang vor zwei Monaten noch anders: Auf Nachfrage hatte der FCH-Vorstandsvorsitzende Holger Sanwald Mitte Juni geantwortet, der Vertragsentwurf liege den Gremien des FCH noch nicht vor.

Unterzeichnet werden soll der Kaufvertrag „sicher nicht vor dem vierten Quartal 2018“, so Baumann, da bis dahin noch Prüfungen und Genehmigungen erforderlich seien.

Geld von der Stadt Heidenheim wird der FCH auch weiterhin bekommen: Gemäß der Sportförderrichtlinien erhielt der Verein 2017 ca. 260.000 Euro. Diese Summe bemisst sich unter anderem an der Zahl der Mitglieder unter 18 Jahren (Förderung von Jugendarbeit), außerdem gibt es auch Förderbeiträge für den Leistungssport. „In den Folgejahren wird der FCH einen Betrag von ca. 200.000 Euro bekommen“, schätzt die Sprecherin der Stadtverwaltung.

Darüber hinaus sind theoretisch nach den Sportförderrichtlinien auch Investitionszuschüsse für den Bau und die Instandhaltung von Sportstätten möglich, die der FCH erhalten könnte. Voraussetzung ist, dass „ein öffentliches Bedürfnis für das Vorhaben besteht“ und der Bau nach den Sportförderungsrichtlinien des Landes bzw. des Landessportbundes als förderungswürdig anerkannt ist.

Sollte die Stadt das Stadion oder den Sparkassen-Business-Club nutzen wollen, müsste sie die übliche Miete dafür bezahlen. „Die Vermarktung der Business-Clubs läuft über die Firma Ahrens, die allen Kunden gleiche Konditionen gewährt“, sagt Baumann. Allerdings habe die Stadt das Stadion auch in der Vergangenheit noch nie für eine Veranstaltung gemietet.

1,4 Millionen Euro an städtischer Förderung: Alle Sportvereine profitieren

Im Haushaltsplan für 2018 hat die Stadt Heidenheim insgesamt 1,448 Millionen Euro für die Sportförderung eingestellt. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Leistung der Stadt. Die Zuschüsse bemessen sich meist an den Mitgliederzahlen der Vereine – deshalb profitiert der HSB am meisten von dem Geld, das die Vereine für den Sportbetrieb erhalten. Von rund 266.000 Euro entfallen auf diesem Gebiet 49 Prozent an den HSB, 22 Prozent an den FCH, neun Prozent an die TSG Schnaitheim und fünf Prozent an den SV Mergelstetten. Die anderen, kleineren Vereine bekommen weitere 15 Prozent der Summe.

Geld gibt es auch für Veranstaltungen wie die Fechtertage, Reitturniere, Moto-Cross oder Schwimmfeste. Hier schießt die Stadt insgesamt 45.000 Euro zu. Auch von Betriebskostenzuschüssen für Sporthallen und Freisportflächen profitieren HSB, FCH, TSG und SVM am meisten. Dieser Posten umfasst insgesamt rund 516.000 Euro.

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