Heidenheim Falscher Bindestrich im Fahrzeugschein kostet Fahrer 500 Euro

Automobile Problemzone: das Kennzeichen ohne, der Fahrzeugschein mit Bindestrich.
Automobile Problemzone: das Kennzeichen ohne, der Fahrzeugschein mit Bindestrich. © Foto: Foto: räp
Heidenheim / Erwin Bachmann 15.08.2012
Urlaub in Österreich? - Für Rolf L. gestrichen, seit er dort vor kurzem von Amts wegen gehörig abkassiert worden ist. Ein kleiner Bindestrich im Kfz-Schein hat den Autofahrer 500 Euro gekostet. "Abzocke" nennt der Heidenheimer das.

Und er ist nicht allein mit dieser Meinung. Bundesweit mehren sich Beschwerden von Reisenden, die inÖsterreich, aber auch schon in Italien ein böses Erwachen erlebt haben.

Der Albtraum automobiler Art ist immer derselbe und wird stets im Zuge der zumal in der Alpenrepublik gern vorgenommenen Straßenkontrollen Wirklichkeit: Nach übereinstimmenden Berichten Betroffener bemängeln Polizisten, dass auf dem Kfz-Schein bei der Nummernschildbezeichnung noch ein automatisiert eingedruckter Bindestrich auftaucht, während es auf dem Euro-Kennzeichen zwischen dem der Abkürzung für die Ortsangabe– also HDH– und den folgenden Buchstaben keinen Trennstrich mehr gibt.

Die Lappalie ist alles andere als läppisch, hatte sie bei mindestens zwei Heidenheimer Autofahrern doch jeweils ein ausgesprochen saftiges Bußgeld in Höhe von 500 Euro zur Folge.„Hätte ich nicht bezahlt, wäre mein Wagen sichergestellt worden,“ berichtet einer der beiden Betroffenen, der sich als Opfer staatlich verordneter Wegelagerei sieht und nach seiner Rückkehr ins Bindestrichland Baden-Württemberg einen Anwalt eingeschaltet hat– in der Hoffnung, auf diese Weise wieder zu dem Geld zu kommen, das ihm ein„eifriger Dorfsheriff“ abgeknöpft hat.

Von Medienseite unternommene Nachfragen beim ADAC ergeben, dass die beiden um ihre Urlaubskasse erleichterten Heidenheimer offenbar nicht allein sind. Bundesweit finden sich von Tag zu Tag mehr Schicksalsgenossen solchgearteter Praxis, die nach Auffassung des Clubs keinen Gesetzesverstoß, sondern einen klaren Fall von Abzocke darstellt. Dort wie auch im Bundesverkehrsministerium geht man davon aus, dass das Kennzeichen in der Zulassungsbescheinigung sowohl mit als auch ohne den Bindestrich geschrieben sein kann– beide Schreibweisen seien gültig.

Während die Polizei in den beiden Nachbarländern weiter auf den Strich geht, sucht man in Deutschland nach Lösungen, die Autofahrer vor weiterer Unbill zu bewahren.„Das muss in erster Linie auf höherer Ebene, also zwischen dem Auswärtigen Amt und Österreich, auf die Reihe gebracht werden,“ urteilt Pressesprecher Lothar Haenle vom Landratsamt Heidenheim, deren Kfz-Zulassungsstelle verunsicherten Reisenden anbietet, Bindestrich-Zulassungspapiere gegen solche ohne Bindestrich umzutauschen. Allerdings verlangt man für diesen administrativen Federstrich eine Gebühr, die mit 11,20 Euro indes deutlich günstiger als das im Ausland erhobene Bußgeld ausfällt.

Noch günstiger macht man das aber in Landkreisen wie beispielsweise Böblingen und Calw. Dort hat man sich entschlossen, auf den Umschreibungspreis komplett zu verzichten. Im Landratsamt Tübingen wird man den teuren Bindestrich zum Kulanzpreis von einem Euro los. In Heidenheim geht man davon aus, sich mit der Gebührenerhebung rechtskonform zu verhalten.„DasÄrgernis entspringt ja nicht unserem Verschulden,“ so die Begründung des Behördensprechers:„Das Beckmesserische wird schließlich in Österreich betrieben.“

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