Mord Fall Bögerl: Spielhallen bleiben Thema

Hoffen auf den Treffer: Im Fall Bögerl sehen die Ermittler weiter die Chance auf Hinweise im Milieu regionaler Spielhallen. Dies trotz der Tatsache, dass sich eine vermeintlich heiße Spur in einem Casino als Lügengeschichte erwies.
Hoffen auf den Treffer: Im Fall Bögerl sehen die Ermittler weiter die Chance auf Hinweise im Milieu regionaler Spielhallen. Dies trotz der Tatsache, dass sich eine vermeintlich heiße Spur in einem Casino als Lügengeschichte erwies. © Foto: fotolia
Heidenheim / Erwin Bachmann 07.11.2013
Die von einem Falschinformanten im Mordfall Bögerl ersonnene Lügengeschichte hat die seit nunmehr dreieinhalb Jahren um Aufklärung bemühten Fahnder schwer in die Irre geführt. Die Eckpunkte des bis dato bekannten Ermittlungsbildes indes scheint sie nicht ins Wanken gebracht zu haben.

Klar, dass das die Ermittler wurmt. Mehr als ein halbes Jahr lang hat sie ein 40-jähriger Giengener in einer Mischung von Übereifer und Abzockerei mit frei erfundenen Hinweisen auf die falsche Fährte gelockt, hat sie nicht nur an der Nase herumgeführt, sondern ist ihnen regelrecht auf der Nase herumgetanzt. Vorwürfe, dass sie das zu spät gemerkt haben, müssen sich die Kriminalisten offenbar nicht machen. Selbst der Richter, der den Betrüger jetzt zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt hat, bescheinigt der Polizei, richtig gehandelt zu haben, allen sich bietenden Spuren nachzugehen.

Aber es wurmt. Sicher auch Armin Burger von der Staatsanwaltschaft, auch wenn sich der Vertreter der im Fall Bögerl ermittlungsführenden Behörde das nicht anmerken lässt. Bei der Befragung des ihm im Gerichtssaal gegenüber sitzenden Angeklagten deutete nur eine gewisse Schärfe in der Formulierung auf persönlichen Unmut hin. Nachvollziehbar, schaute er doch direkt in die Augen jenes Mannes, der den Ermittlern den Blick verstellt und auch noch dafür gesorgt hat, dass die von wenig Fortschritt kündende Ermittlungsgeschichte um ein weiteres unrühmliches Kapitel verlängert wird.

Sauer oder nicht: Die Strafe, die die im Frühjahr aufgeflogene Vertrauensperson zu erwarten hat, geht Burger nicht weit genug, so legte er am Dienstag gegen das vorm Heidenheimer Schöffengericht ergangene Urteil – drei Jahre Freiheitsstrafe – Berufung ein. Ob sie aufrecht erhalten wird, will der Vertreter der Anklagebehörde nach Vorlage der schriftlichen Urteilsbegründung entscheiden.

Er hatte dreieinhalb Jahre beantragt, liegt damit weit entfernt von den 18 Monaten, die die Verteidigung als angemessen erachtete. Auch von dieser Seite können noch Rechtsmittel eingelegt werden. Unabhängig von diesem Nebenkriegsschauplatz konzentriert sich die Soko „Flagge“ weiter auf die Spurenlage, über die nach wie vor nichts nach außen kommuniziert wird. „Zu Annahmen und Spekulationen nehmen wir keine Stellung,“ sagt Burger, macht aber deutlich, dass man ungeachtet der ins Spiel gebrachten Falschinformationen an Erkenntnissen festhält, die die Sonderkommission im Mai dieses Jahres veranlasst hatten, eine Pressemitteilung herauszugeben. Darin war erklärt worden, dass die Täter in der Spielhallen-Szene im Raum Neresheim, Giengen und Dillingen gesucht werden. Und davon rückt man bis heute nicht ab: Diese Erkenntnisse hätten nichts mit dem aktuellen Fall zu tun.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel