Prozess Fall Bögerl: 40-Jähriger führt Soko "Flagge" in die Irre

ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst": Fast 500 neue Hinweise gingen zum Mordfall Bögerl im September 2012 ein. Unter den Informanten war auch "Tom", der nun vom Amtsgericht Heidenheim zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt wurde.
ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst": Fast 500 neue Hinweise gingen zum Mordfall Bögerl im September 2012 ein. Unter den Informanten war auch "Tom", der nun vom Amtsgericht Heidenheim zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt wurde. © Foto: Symbolfoto/nachgestellte Szene: Jennifer Räpple
05.11.2013
Zu einer Haftstrafe von drei Jahren ist ein 40 jähriger Mann aus Giengen verurteilt worden. Er hatte die Soko "Flagge" im Mordfall Bögerl mit falschen Zeugenhinweisen in die Irre geführt
Er meldete sich nach einer Folge der Sendung "Aktenzeichen xy ungelöst", die im September 2012 ausgestrahlt worden war und in der die Ermittler um neue Zeugenhinweise zum Mordfall Bögerl gebeten hatten. Nun ist ein 40-jähriger Familienvater aus Giengen vor dem Amtsgericht Heidenheim zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Er hatte die Ermittler monatelang an der Nase herumgeführt, ja gar vorgeführt.   

Mordfall Bögerl: Ein Gespräch im Casino mitgehört

Doch was ist geschehen? Dem Bekunden des Angeklagten zufolge nahm die Geschichte in einem Herbrechtinger Spielcasino ihren Anfang. In dieser Umgebung will er im vergangenen Jahr ein verdächtig klingendes Gespräch zweier als Rumänen beschriebene Männer belauscht haben. Es fallen so bedeutungsschwangere Sätze wie „Hast du die die Sachen von der Frau Bögerl entsorgt?“, was in ihm – so die Vermutung von Richter Eberhard Bergmeister – den Jagdinstinkt weckt. Im Bestreben, mehr zu erfahren und zur Auflösung des Mordfalls beizutragen, treibt er sich tagelang in allen möglichen Spielcasinos herum, doch die Hoffnung, neuerlich auf die beiden Unbekannten zu treffen, erfüllt sich nicht.

Informant meldet sich nach"Aktenzeichen xy ungelöst"

Der 9. September 2012 markiert das Datum, an dem die Spirale Fahrt aufnimmt. Der selbsternannte Fahnder nutzt die nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ gebotene Möglichkeit, über ein von der Soko „Flagge“ eingerichtetes Hinweisgebersystem auf anonyme Weise Kontakt mit den Ermittlern aufzunehmen. Er nennt sich Tom und signalisiert, im Besitz konkreter Erkenntnisse, gar Beweismittel zu sein. Immer wieder klopft er auf dieser internetbasierten Kommunikationsplattform an, meldet sich Tag und Nacht und schafft es tatsächlich, das Interesse der verzweifelt nach Spuren suchenden Fahnder zu wecken.

Diese gingen monatelang Toms Hinweisen nach - bis aufflog, dass dessen Berichte ein Lügengebilde waren. 

Mehr zum Prozess sowie die ganze Geschichte des vorgeblichen Informanten "Tom" folgt.