Heidenheim Für den Hansegispass soll es Streitschlichter geben

Ein bewaldeter Bergrücken trennt die Hansegisreute (rechts oben) von der Oststadt und dem Osterholz (hinten links). Eine direkte Straßenverbindung existiert nicht.
Ein bewaldeter Bergrücken trennt die Hansegisreute (rechts oben) von der Oststadt und dem Osterholz (hinten links). Eine direkte Straßenverbindung existiert nicht. © Foto: Luftbild-Geyer
Heidenheim / Karin Fuchs 08.08.2018
Anlieger wehren sich gegen die Idee einer neuen Straße über die Hansegisreute ins Osterholz. Die Stadt holt wappnet sich für die Diskussion mit Unterstützung von außerhalb.

Die Hansegisreute auf der einen Seite, das Osterholz und die Oststadt auf der anderen. Dazwischen ein bewaldeter Hügel. Wer von der einen Seite auf die andere möchte, kann entweder einen Wald- oder Fußweg benutzen oder mit dem Auto einmal um den Höhenzug herum fahren. Nicht nur deshalb gibt es seit Jahrzehnten die offene Frage: Wäre eine Straße nicht sinnvoll?

Damit wären nicht nur die Gebiete verknüpft, sondern auch eine alternative Verbindung aus Richtung Giengen in die östliche Innenstadt Heidenheims geschaffen.

Einen Plan für die Straße gibt es noch nicht

Einen Plan gibt es noch nicht, nur die Idee. Bisher schlängelt sich die Waldstraße vom Haintal hinauf bis zum Altenzentrum Hansegisreute, die Fortsetzung würde hinab zum Kleinen Bühl führen, wo ein neues Wohngebiet „Hinter dem Kleinen Bühl“ geplant ist und hinter dem Werkgymnasium in die Römerstraße münden. Doch allein die Vorstellung, eine neue Straße könnte die drei Wohngebiete verbinden und damit mehr Verkehr bringen, schreckt die Anlieger auf.

Vor genau einem Jahr im Juli hat der Gemeinderat die Stadt mit den Planungen beauftragt. Wenige Tage später wurde der Widerstand zunächst in Form von Leserbriefen deutlich formuliert. Im November formierte sich die Bürgerinitiative „Hansegispass? Nein Danke!“. Die Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland kümmerten sich um die organisation und lässt seither keine Gelegenheit aus, um den Widerstand deutlich zu machen und gegen den Straßenneubau zu argumentieren.

Fast 800 Heidenheimer haben unterschrieben

Jüngste Aktion ist eine Unterschriftensammlung, mit der die Initiative deutlich machen will, wie stark die Protestseite ist. Eingepflegt werden die Unterschriften auf einer Online-Plattform, die öffentlich zugänglich ist. Stand gestern gibt es dort 879 Unterstüpter, davon 795 aus Heidenheim. „Das ist keine Unterschriftensammlung für irgendwelche Rechtsmittel oder Bürgerbegehren, sondern ein Zeichen für die Missbekundung“, sagt Günther Staffa, Mitglied im VCD und der Bürgerinitiative.

Die Resonanz ist groß

Überrascht ist er über die große Resonanz. Anwohner seien von sich aus aktiv geworden und sammelten in den Wohngebieten Unterschriften. „Wir rennen offene Türen ein. Um Unterschriften betteln müssen wir nicht.“ Gesammelt werden soll noch bis Januar oder Februar. Dann wolle man angesichts der Kommunalwahl auf die Gemeinderatskandidaten zugehen und fragen, wie sie sich zum Hansegispass positionieren.

Oberbürgermeister Bernhard Ilg betonte immer wieder, dass er derzeit noch keinerlei Planungen gibt, deshalb könne auch keine Planung eingestellt werden. Tatsächlich ist die neue Straße aber im neuen Flächennutzungsplan vermerkt. Um sie zu bauen, muss ungeachtet eines Plans ein so genanntes Planfeststellungsverfahren geben, das zwei bis drei Jahre dauern kann.

Start der Diskussion für Herbst geplant

Direkt diskutiert haben Vertreter der Stadtverwaltung mit der Protestlern bislang noch nicht, auch wenn sie laut Staffa zu den Veranstaltungen eingeladen waren. Das soll nun anders werden. „Wir wollen in einen moderierten Prozess einsteigen“, sagt Oberbürgermeister Bernhard Ilg. Dazu habe man sich an ein externes Büro gewandt, das beim Austausch der Argumente moderieren werde.

Starten soll das Ganze im Herbst werde. Dabei soll es sowohl Treffen vor Ort geben als auch die Möglichkeit einer Online-Diskussion. Die Termine sind schon festgelegt, allerdings will man bei der Stadt erste den Gemeinderat informieren.

Doch gerade diese neue, gut gemeinte Art der Bürgerbeteiligung wirft bei der Bürgerinitiative neue Fragen auf: Günther Staffa: „Wir wundern uns schon, warum die Stadt so einen Aufwand betreibt. Notwendig ist die Straße eigentlich nicht, warum ist der Stadt dann Straße so wichtig?“

Bürgerprotest kann Wirkung haben

Zwei Beispiel gab es innerhalb der vorigen zehn Jahre, wo Bürgerprotest Wirkung gezeigt hatte.

Auf dem Mittelrain regte sich im Frühjahr 2015 Protest gegen den Umzug des Grünewald-Kindergartens ins ökumenische Gemeindezentrum. Die Initiative war von der evangelischen Kirche ausgegangen im Rahmen ihrer Sparpläne. 300 Unterschriften sammelten die Gegner. Für die Gemeinde wäre deutlich weniger Platz übrig geblieben. OB Ilg reagierte auf den Gegenwind und schlug das kirchliche Angebot aus.

In Mergelstetten wurde 2008 der Bau von zwei Kreisverkehren ad acta gelegt. Eltern, das gesamte Schulkollegium der Silcherschule und vieöe Geschäftsleute hatten sich gegen den Bau der zwei Kreisel an der Zoeppritzstraße ausgesprochen.

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