Ellwangen/Heidenheim Drogen und Falschgeld: Haftstrafe für Ex-Tribuns-Chef

Cihan O. wurde vom Landgericht Ellwangen verurteilt.
Cihan O. wurde vom Landgericht Ellwangen verurteilt. © Foto: Archiv
Ellwangen/Heidenheim / Silja Kummer 05.11.2018
Am vierten Verhandlungstag gegen Cihan O. fiel überraschenderweise das Urteil gegen den 29-jährigen Heidenheimer.

Zu einer Haftstrafe von vier Jahren und acht Monaten hat das Landgericht Ellwangen am Montag den 29-jährigen Cihan O. aus Heidenheim verurteilt. Der Mann war Präsident der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns.

Er hat mit Drogen gehandelt und Falschgeld gekauft und weiterverkauft. Das Urteil fiel am Ende des vierten Verhandlungstags, an dem zunächst eine Einlassung des Angeklagten im Mittelpunkt gestanden hatte.

Es sei ein komplexer Fall, sagte der Erste Staatsanwalt Dr. Jürgen Herrmann in seinem Plädoyer. Das Teilgeständnis des Angeklagten habe den letzten Verhandlungstag deutlich abgekürzt, da einige Beweise nicht mehr eingebracht werden mussten.

Herrmann sah es als erwiesen an, dass Cihan O. im Juni 2016 beim Verkauf von 70 Gramm Kokain für 4000 Euro von einem Bremer Lieferanten an den Vizepräsident der Ingolstädter United Tribuns nicht nur Vermittler gewesen sei, sondern selbst einen Vorteil von dem Geschäft hatte. „Ohne Eigeninteresse macht niemand Drogengeschäfte mit so großen Mengen, dafür ist das Risiko viel zu groß“, so der Staatsanwalt.

„Aberwitziger Staatsanwalt“

Auch die Aussage des Angeklagten, dass er vor einem Heidenheimer Spielcasino „von einem Balkan-Türken aus Bulgarien“, den er dort zufällig getroffen habe, 25.000 Euro Falschgeld für 2500 Euro gekauft habe, fand der Jurist nicht plausibel. Er bewertete die Aussage des 29-Jährigen am letzten Verhandlungstag als taktisch motiviert, sie erfolgte erst, als die beiden Hauptbelastungszeugen ausgesagt hatten.

Herrmann forderte deshalb, über Geldfälschung in drei Fällen und Drogenhandel mit nicht geringen Mengen zu urteilen. Er hielt eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten für angemessen.

„Völlig aberwitzig“ fand Verteidiger Benedikt Pauka die Einschätzungen des Staatsanwalts. Er hob vor allem auf die Aussage seines Mandanten hervor, dass dieser 15.000 Euro des Falschgeldes an seinen Vizepräsidenten verschenkt haben will. Dieser war bei der Schießerei in der Clichystraße im April 2016 schwer verletzt worden.

Sein Bruder, der damals Vizepräsident war, wurde von einem Mitglied der rivalisierenden Gruppe Black Jackets tödlich getroffen. „Ich wollte, dass er sich über Geld keine Sorgen mehr machen muss“, so der Angeklagte, der Mann habe es nach dem Tod seines Bruders ohnehin schwer gehabt.

Der 27-jährige Vizepräsident, einer der beiden Hauptzeugen im Prozess, hatte ausgesagt, dass er für die 15.000 Euro im Auftrag von Cihan O. drei Kilo Marihuana erworben hat. Er habe nicht gewusst, dass er die Drogen, die er von einem Albaner auf einem Parkplatz in Plochingen in einer Sporttasche überreicht bekam, mit Falschgeld bezahlt hatte.

Verteidiger Pauka betonte, dass der Angeklagte sich in von der Polizei überwachten Telefonaten mit dem 27-Jährigen von dessen Tat distanziert habe.

Es sei auch keine Erwerbsmäßigkeit beim Kauf der gefälschten 500-Euro-Scheine zu erkennen, das Falschgeld sei ihm „wie einen reife Frucht in den Schoß gefallen.“ Außerdem sei das umfassende Geständnis des 29-Jährigen sowie seine Abkehr von der Rockerszene positiv zu bewerten.

Der Rechtsanwalt forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren, beantragte aber, den Haftbefehl sofort außer Kraft zu setzen. Als Auflage sollten 25.000 Euro an Sicherheitsleistung erbracht werden, diese würde die Familie des Angeklagten aufbringen. „Es geht darum, Herrn O. eine Perspektive zu verschaffen“, so der Verteidiger. Er müsse in den offenen Vollzug kommen, damit er die Rückkehr ins bürgerliche Leben schaffe.

Vor Gericht geflüchtet

Im Kontrast dazu standen die Vorstrafen des 29-Jährigen: Eine gute Dreiviertelstunde brauchte Richter Gerhard Ilg dazu, um alle zu verlesen und die Urteile zu erläutern. Die erste Jugendstrafe gab es schon 2003, als der Angeklagte noch nicht einmal 15 Jahre alt war.

2006 wurde er wegen Handels mit Betäubungsmitteln verurteilt, was ihm eine zweijährige Jugendstrafe einbrachte. Wieder vor Gericht stand er 2012, jedoch flüchtete er in einer Verhandlungspause und setzte sich zunächst nach Rumänien und dann nach England ab, wo ihn die dortige Polizei festnahm. Wiederum verbrachte er zwei Jahre im Gefängnis. Nachdem er im Februar 2015 aus der Haft entlassen wurde, gründet er das Chapter Ulm-Heidenheim der United Tribuns.

Der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg brachte deutlich zum Ausdruck, dass das Gericht den Aussagen von Cihan O. wenig Glauben schenkte. Es stehe dem Angeklagten zu, nicht die Wahrheit zu sagen. „Wenn Sie uns eine Geschichte erzählen, die an den Haaren herbeigezogen ist, erlauben wir uns aber auch, diese nicht zu glauben.“

Zudem müsse ein Geständnis „aufrecht und von Reue getragen sein“, damit es strafmildernd sei. Wer reinen Tisch machen wolle, tue dies aber entweder schon bei der Polizei oder aber am ersten Verhandlungstag. Der Angeklagte hatte angeführt, dass die Geburt seines Sohnes sein Leben verändert habe. Jedoch habe er auch nach der Geburt des Kindes Straftaten begangen, so Ilg. „Und ein Familienleben hat gelinde gesagt auch vor der Inhaftierung nicht sehr intensiv stattgefunden“, meinte der Richter.

Aufgrund der Fluchtgefahr hat das Gericht beschlossen, den Haftbefehl weiter aufrechtzuerhalten.

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