Kunst Evi Fischer und Karl-Heinz Stufft-Fischer zeigen „Extase und Spiegelbild“

Digitales Duo: Evi Fischer und ihr Mann Karl-Heinz Stufft-Fischer (oben in ihrem Atelier) produzieren Kunst auch am Computer – jeder auf seine Weise, aber mit durchaus ähnlichen Anliegen. Das macht den Vergleich  bei der Ausstellung im Türmle reizvoll.
Digitales Duo: Evi Fischer und ihr Mann Karl-Heinz Stufft-Fischer (oben in ihrem Atelier) produzieren Kunst auch am Computer – jeder auf seine Weise, aber mit durchaus ähnlichen Anliegen. Das macht den Vergleich bei der Ausstellung im Türmle reizvoll. © Foto: Hendrik Rupp
Hendrik Rupp 09.01.2018
Mit „Extase und Spiegelbild“ zeigen Evi Fischer und Karl-Heinz Stufft-Fischer digitale Expeditionen in ein digitales Neuland der Wahrnehmung – nebeneinander und doch jeder auf seine Weise.

Hand aufs Herz: Wer schon 50 Jahre lang künstlerisch tätig ist, wandelt nicht mehr automatisch auf Neuland – er muss bereit sein, neue Wege zu suchen. Für Evi Fischer und ihren Mann Karl-Heinz Stufft-Fischer bot digitale Bildbearbeitung einen Weg.

Beide sind Künstler, akademisch ausgebildet, und sie sind ein Paar – ein Künstlerpaar im Sinne eines Duos aber sind sie nicht. Getrennte Ateliers haben beide in ihrem Heidenheimer Anwesen, aber auch den Raum, eigene Werke nebeneinander zu hängen, sich darüber auszutauschen. Und so wirken auch die „digitalen“ Arbeiten der beiden ganz unterschiedlich, gemeinsam ist eher das Mittel zum Zweck und der Zweck, Neues über die Wahrnehmung zu erfahren.

Denn beiden Künstlern geht es schon um das große ganze, nicht um technische Kniffe, deren Vorgeschichte schnell erzählt ist: Vor bald zehn Jahren nahm sich Evi Fischer erstmals elektronisches Material vor, Standbilder aus Videos, die sie am PC verfremdete. „Es geht einfach schneller“ sagt sie, und dieses Tempo, dass mehr Produktion, aber auch mehr Experimente ermöglicht, hat sie überzeugt – auch wenn Evi Fischer heute weit mehr als ihr Mann dazu neigt, doch auch zum Pinsel zu greifen.

Der Stoff darf einfach sein

Oder zum Stoff, der sich im Türmle durch ihre Arbeiten zieht. Faltenwürfe begeistern Evi Fischer, riesige Bahnen aus dem Modeatelier ihrer Tochter wirft sie aus. Stoff verhüllt hier nichts, Stoff umfließt hier nichts, er darf einfach nur sein und wird zum Stoff an sich – und zum Stoff, aus dem die Bilder sind. Denn die entstehen im Kopf, und die Wahrnehmung wendet sich wie auf Kommando, wenn Evi Fischer digital zu komponieren beginnt: Ist dieselbe Stoffbahn eisig, weil sie vor einem Berg zu sehen ist? Ätherisch, weil sie durch ein Besprechungszimmer schwebt?

„Ich würde all das gerne auch einfach Malen, aber es würde ein Jahrhundert dauern“, sagt sie.

Auch für Karl-Heinz Stufft-Fischer sind Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop reine Mittel zum Zweck. „Als Künstler setze ich mich mit meinen Medien auseinander, gleich ob ich sehe, was die Farbe macht oder schaue, wie ein Programm mein Bild verändert“. Fertige Filter nutzt er nicht, regelrechte Photoshop-Kurse haben beide bewusst nie besucht. Und auch Karl-Heinz-Stufft-Fischer sucht im Digitalen ganz klassischer Ziele von Kunst.

Beispiele? Evi Fischer fotografiert nur ihre Stoff-Würfe, Stufft-Fischer fotografiert gar nicht. Das Ausgangsmaterial für seine digitalen Collagen und Triptychen recherchiert er im Internet oder bedient sich bei eigenen Bildern, die er dann, besonders spannend, nach teils vielen Jahren digital neu „malt“ oder neu komponiert. Zweckentfremdete digitale Filter schaffen neue Wirkungen.

„Ich bewundere die reine Photoshop-Kunst“, sagt Stufft-Fischer. Doch ihm wie seiner Frau geht es nicht ums Künstliche, sondern ums Künstlerische. So malen beide nicht digital, nicht per Maus oder gar per Grafiktablett: Geschaffen und recherchiert wird in der Realität, verfremdet wird digital.

Und auf Bildschirmen oder mit Beamern digital dargeboten werden die Arbeiten auch nicht. Beide lassen ihre fertigen Arbeiten bei der Großkuchener Druckerei Esslinger digital auf Platten aufziehen. „Da geht es doch um eine Ursituation, der Betrachter vor dem Bild“, sagt Stufft-Fischer, der für die nötige „körperliche Korrespondenz“ schon immer gerne zu größeren Formaten gegriffen hat. und auch seine Frau schätzt jenen „Makro-Mikro-Effekt“, der durch rein physische Annäherung an die Oberfläche des Bildes entsteht.

Bild an der Wand? Muss sein!

„Natürlich entsteht mehr“, sagt Stufft-Fischer über seine digitale Kunst - doch am Ende weiß man gar nicht mehr, ob damit nur der schiere Output gemeint ist. Tatsächlich spiegeln die Arbeiten von Evi Fischer und Karl-Heinz Stufft-Fischer (und nicht umsonst kommen im Titel der Ausstellung auch die „Spiegelbilder“ vor) etwas grundsätzliches wieder: Wenn Evi Fischer Faltenwürfe von Deckenmalereien der Neresheimer Abteikirche neu zusammenstellt, wenn Karl-Heinz Stufft-Fischer Nazis und Onanie verbindet, zeigt dies auch, wie sich die Welt in den Köpfen der Künstler spiegelt, wie sie reflektiert wird. Und wenn sich dann analoge Arbeiten in digitalen Arbeiten spiegeln, ist das wie der Spiegel im Spiegel. Und man erkennt, dass hier zwei Künstler ein digitales Bildbearbeitungsprogramm verfolgen, dem es um weit mehr geht als Photoshop.

Die Ausstellung „Extase und Spiegelbild“ ist vom 13. Januar bis zum 10. Februar beim Heidenheimer Kunstverein im Türmle zu sehen. Die Vernissage ist am 13. Januar um 17 Uhr.