Heidenheim / Karin Greth Es gibt Schicksalsschläge, die jeden Halt rauben. Der plötzliche Tod eines Kindes, eine erfolglose Reanimation oder der Unfalltod eines nahen Angehörigen. In solchen und anderen Krisensituationen steht die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) den Betroffenen zur Seite.

Rund 31 Mitglieder engagieren sich in der Psychosozialen Notfallversorgung im Landkreis Heidenheim, 24 Notfallseelsorger und sieben ehrenamtliche Helfer des Kriseninterventionsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes. In den Einsatz gehen sie in der Regel zu zweit, die Mehrzahl der rund 45 Einsätze pro Jahr absolvieren Notfallseelsorger und DRK-Mitglieder als Team gemeinsam.

Sie bieten menschliche Hilfe und Nähe, begleiten durch die ersten schweren Stunden, hören zu, schenken Zeit, als „erste Hilfe für die Seele“ und psychosoziale Akuthilfe. Eine Aufgabe, auf die sie durch spezielle Ausbildungen und regelmäßigen Weiterbildungskurse vorbereitet werden.

Zu einer dieser Weiterbildungen wurde vergangenes Wochenende der Psychologe Bernd Willkomm, Bundesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Post-Traumatische Stressbewältigung aus Fürstenfeldbruck, vom Leiter des DRK-Kriseninterventionsteams Holger Loock nach Heidenheim eingeladen. In einem zweitägigen Lehrgang wurde speziell auf Gruppeninterventionen eingegangen. Die Ausbildung und anschließende Zertifizierung der Kursteilnehmer erfolgte nach international anerkannten und standardisierten Richtlinien (CISM) zur posttraumatischen Stressbewältigung und Krisenintervention, wie sie auch im nichtzivilen Bereich gelten – beispielsweise im Umgang mit traumatisierten Bundeswehrsoldaten oder bei zahlreichen Fluggesellschaften. Ziel der gelernten Techniken ist es, der Gefahr posttraumatischer Belastungsstörungen entgegenzuwirken.

Bernd Willkomm, ein gebürtiger Heidenheimer, war lange Jahre Truppenpsychologe bei der Bundeswehr und in vielen Krisen- und Katastrophengebieten der Welt im Einsatz – bei Zugunglücken und Amokläufen, Terroranschlägen und Brandkatastrophen. Neben Notfallseelsorgern, einem Rettungsdienstmitarbeiter und DRK-Mitgliedern aus Heidenheim, nutzten auch Notfallseelsorger aus dem Ostalbkreis die Gelegenheit, an diesem Lehrgang teilzunehmen.

Dabei stehen die PSNV-Helfer nicht nur Angehörigen von Unfall- oder Gewaltopfern zur Seite, sondern auch Ersthelfern, Zeugen und Einsatzkräften von Rettungsdienst und Feuerwehr. Sie helfen den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Rettern, einen schweren Einsatz besser zu verarbeiten. Denn selbst professionelle und erfahrene Retter können mitunter an den Rand ihrer Belastbarkeit geraten.

Dass eine spezielle Krisenintervention für Einsatzkräfte wichtig ist, wurde erstmals nach der Flugschau-Katastrophe in Ramstein und später beim ICE-Unglück in Eschede ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Aber es sind nicht nur die großen, medienwirksamen Unglücke, die für Einsatzkräfte zur psychischen Belastung werden können.