Heidenheim Erst das Casting, dann die Probe

Heidenheim / Tina Lischka 26.06.2018
Regisseurin Helen Malkowsky war auf der Suche nach Kinderstatisten für „Nabucco“ – und sie ist fündig geworden. Bei der ersten Probe im Schloss trafen Solisten und Statisten aufeinander.

Stellt euch vor, ihr seid auf einer Party eingeladen“, erklärt Helen Malkowsky den sieben, neugierig zu ihr aufblickenden, Kindern. Detailliert und so einfach wie möglich, versucht sie ihnen die Handlung der Szene zu beschreiben, in der sie mitspielen sollen. Sie ist die Regisseurin der diesjährigen Oper „Nabucco“, die am Freitag, 29. Juni, Premiere auf dem Schlossberg hat und auf der Suche nach Statisten. In diesem Fall: Kinderstatisten.

Beim Casting in der Schlosskirche hat sie diese ausfindig gemacht. In erster Linie wollte sie einen etwa elfjährigen Jungen für eine Solo-Statistenrolle und eine kleine Gruppe von Kindern finden, die ihn auf seiner Feier besuchen. „Das Casting ist der Einstieg in die Stimmung eines Stücks“, sagt die Regisseurin. Was zuvor nur eine Skizze war, wächst dann zu einer konkreten Form an. „Das ist ein Geben und Nehmen“, freut sich Malkowsky.

Konzentration und Disziplin

Indem sie die Kinder unterschiedliche Situationen vorspielen lies, entstanden neue Ideen für die Szene: „Lacht euch kaputt“, „jetzt traurig schauen“, „vorsichtig auf ihn zugehen“ oder „die Hände vors Gesicht halten“ – sind nur ein Teil der Regieanweisungen, die sie sich an diesem Abend angeschaut hat. Dabei nickte sie immer wieder anerkennend oder warf ein kurzes „Sehr gut“ in den Raum, bevor die nächste Übung erklärt wurde. Bereits nach einer Stunde waren alle Teilnehmer gesichtet und das Kostüm-Team war an der Reihe: Maßnehmen, Fotos machen und Schuhgröße abfragen, stand nun für die Kinder auf dem Plan. Denn: Für jede Statistenrolle wird ein passendes Kostüm benötigt.

Währenddessen machte sich Malkowsky bereits Gedanken darüber, wer geeignet für die Rollen ist. „Die Disziplin ist total wichtig. Aber auch die Konzentration und ein instinktives Verständnis für eine schnelle Umsetzung“, sagt sie. Daneben komme es oft auch auf die Optik an. Wenn zum Beispiel ein Statist gesucht wird, der dem erwachsenen Solisten ähneln soll. All diese Faktoren müssen beachtet werden, wobei Malkowsky jedem eine Chance gibt, da sich das Können oftmals erst in weiteren Proben entwickle. Auch Vorerfahrungen seien dabei nicht immer von Vorteil. „Das ist Fluch und Segen zugleich“, sagt sie. Denn: Die Kinder wüssten zwar schon, worauf es ankommt auf einer Bühne, versuchten aber oftmals, etwas nachzuspielen, was dann nicht mehr natürlich wirke, erklärt Malkowsky.

Und schon wird geprobt

Für die endgültige Entscheidung ließ sich die Regisseurin noch Zeit bis vor der ersten Probe im Schloss. Zu dieser waren dann fast alle Kinder vom Casting eingeladen. Denn: auch für Statisten braucht es eine Zweitbesetzung. „Die Entscheidung ist erst im Nachhinein gefallen“, sagt Malkowsky bei den Proben im Rittersaal. Jetzt kennt sie die erwachsenen Solisten und kann die Ähnlichkeit der Kinder zu diesen nutzen. Außerdem wolle sie bei allen Kindern ungefähr in derselben Altersgruppe bleiben, erklärt sie ihre Wahl.

Auch bei den Proben zeigt sich wieder dasselbe Bild. In einem Schnelldurchlauf beschreibt die Regisseurin – nun auf der echten Opernbühne und im Beisein der Solisten – wie die Szene abläuft. Es wird immer wieder probiert und erklärt, bevor Malkowsky ihr Okay gibt und die Musik einsetzt. Zum ersten Mal ist nun die Szene mit der vollen Besetzung zu sehen. Immer wieder unterbricht sie das Geschehen und nimmt sich die Zeit, den Kindern Tipps zu geben. Und es funktioniert: Schnell wird das Erklärte umgesetzt und die Szene nimmt Form an.

Währenddessen: Stolze Blicke der Eltern, die auf den Zuschauerrängen den Proben folgen. Zwei bis dreimal pro Woche werden ihre Kinder nun im Schloss üben. „Das hat Spaß gemacht und war toll“, sagt die zehnjährige Lana Zander über die Proben. Sie hat zwar zuvor noch nie eine Oper gehört, aber schon oft in Theaterstücken an der Schule mitgespielt.

Der Spaß kommt nicht zu kurz

Ähnlich ist das auch bei einer zweiten Statistin. Die achtjährige Lilli Trötsch war schon oft bei Inszenierungen im Naturtheater zu sehen. Was sie jetzt dazu bewegt hat, bei „Nabucco“ mitzumachen? „Meine Mama liebt die Oper“, sagt die Achtjährige und lacht.

Nach eineinhalb Stunden sind zwei Szenen mit den Kindern geprobt – Regisseurin Helen Malkowsky ist sichtlich zufrieden. Für die Kinder heißt es nun: Feierabend, während Regie, Solisten und der Rest des Teams die Proben im Rittersaal fortsetzen.

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