Heidenheim / Silja Kummer  Uhr
Die Münchener Staatsanwaltschaft hat Durchsuchungen bei Firmen mit Geschäftsadressen in Heidenheim veranlasst, die zur Gruppe des Heidenheimer Unternehmers R. gehören.

Bei den Durchsuchungen, die vor einer Woche  in Heidenheim stattfanden, geht es um Untreue gegenüber der Karwendelbahn AG. Wie berichtet, hatten die Konsortium AG, die Kremlin AG und die Beteiligungen im Baltikum AG selbst mitgeteilt, dass ihre Geschäftsräume durchsucht worden seien. Bei allen drei Gesellschaften seien Unterlagen beschlagnahmt worden. Die Aktiengesellschaften gehören zur Firmengruppe rund um den Heidenheimer Geschäftsmann Wolfgang Wilhelm R.

Bei einigen Firmen der Heidenheimer Unternehmensgruppe um Wolfgang Wilhelm R. sind am Dienstag in Abwesenheit der Vorstände die Büroräume durchsucht worden. Das teilten die betroffenen börsennotierten Firmen in Pflichtmitteilungen selbst mit.

Die Staatsanwaltschaft München II hat die Durchsuchungen veranlasst. „Für alle durchsuchten Objekte lagen richterliche Durchsuchungsbeschlüsse vor“, sagt Pressesprecherin Andrea Mayer. Es werde gegen insgesamt fünf Beschuldigte ermittelt. Der Vorwurf lautet „Untreue zum Nachteil der Karwendelbahn AG“. Anlass für die Ermittlungen sei eine Anzeige der Marktgemeinde Mittenwald gewesen. Der Konsortium AG gehören rund 48 Prozent der Anteile an der Karwendelbahn AG, die in Mittenwald die zweithöchste Bergbahn Deutschlands betreibt. Der Markt Mittenwald selbst besitzt nur 33 Prozent seiner Bahn, die die wichtigste touristische Attraktion des Ortes darstellt.

In Mittenwald setzen sich Gemeindeverwaltung und die Heidenheimer Unternemerfamilie R. wegen der Karwendelbahn öffentlich und juristisch auseinander.

Die Auseinandersetzungen zwischen der Gemeinde Mittenwald und der Familie R. ziehen sich mittlerweile schon über mehrere Jahre. Der aktuellste Streit vor Gericht dreht sich um das Hausverbot, dass die Karwendelbahn AG gegen den Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner ausgesprochen hat. Diese wurde bereits per einstweiliger Verfügung für nichtig erklärt, das Hauptsacheverfahren vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen wurde Ende vergangener Woche kurzfristig abgesagt. Zu den Durchsuchungen in Heidenheim wollte sich Adolf Hornsteiner mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Er habe aus den Medien davon Kenntnis erhalten.

Die Karwendelbahn AG hat mittlerweile eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt, es gäbe keine Untreuehandlungen zum Nachteil der Karwendelbahn AG. Vielmehr habe die Karwendelbahn AG selbst Anzeige gestellt gegen den Vizebürgermeister von Mittenwald. Diesem seien Verleumdung, üble Nachrede und Kreditgefährdung vorzuwerfen. Das Aufsichtsratsmitglieder Wolfgang Wilhelm R. erklärt, dass sich die Staatsanwaltschaft München vom Markt Mittenwald instrumentalisieren lasse für den „Vernichtungsfeldzug des Bürgermeisters Adolf Hornsteiner gegen die Karwendelbahn AG.“

In vielen kleinen Verfahren kämpfen private Anleger und die Gemeinde Mittenwald gegen die Geschäftspraktiken der Heidenheimer Familie, die in zahlreichen Aktiengesellschaften tätig ist.