Heidenheim Er wird fehlen: Dr. Hendrik Rupp verlässt das Pressehaus

Hat jetzt mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben: Dr. Hendrik Rupp.
Hat jetzt mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben: Dr. Hendrik Rupp. © Foto: Archiv
Heidenheim / Günter Trittner 30.06.2018
Nach 20 Jahren Mitarbeit und zehn Jahren als Redaktionsleiter verlässt Dr. Hendrik Rupp das Pressehaus. Er hat sich um dieses große Verdienste erworben.

Manche Menschen stehen einfach zu ihrem Wort. Dr. Hendrik Rupp gehört dazu. Zehn Jahre und nicht länger wollte er Redaktionsleiter der Heidenheimer Zeitung sein. So seine Ansage bei der Unterzeichnung des Anstellungsvertrags im Jahr 2008. Entsprechend heißt es jetzt Abschied nehmen. Redaktion und Verlag fällt das nicht leicht. Sie beide hätten es gerne anders gehabt. Denn mit Hendrik Rupp verlässt eine außergewöhnliche Persönlichkeit das Heidenheimer Pressehaus.

Ein erstes und echtes Meisterstück ward dem gebürtigen Hürbener schon in den ersten Monaten in leitender Position abverlangt. Aus den Redakteuren der Heidenheimer Zeitung und der Heidenheimer Neuen Presse sollte der damals 38-jährige eine gemeinsame Redaktion schmieden. Die Weltwirtschaftskrise damals war auch am Pressehaus nicht vorbei gegangen. Sparen wurde in großen Buchstaben geschrieben. Doch die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit einer Fusion, so die klare Vorgabe des Verlags, durfte in keinem Fall zum Nachteil der Leserschaft werden.

Rupp, der 1998 bei der Heidenheimer Neuen Presse sein Volontariat begonnen und danach als Redakteur dort gearbeitet hat, ist beides gelungen. Der Nachfolger von Norbert Pfisterer auf dem Chefsessel der HZ hatte für die Redakteure den richtigen Ton und die richtige Parole. Rupp verstand es nicht nur die verschiedenen Kulturen der beiden Redaktionen zu versöhnen, sondern den Funken zu schlagen, gemeinsam an einer besseren Heidenheimer Zeitung zu arbeiten. Rupp war Motivator und unerschöpflicher Ideengeber. Und er war immer selbst beispielgebend, wenn es darum ging, Gutes noch besser zu machen. Auch wenn es gegen die Mathematik ist: Eine Zeitung war am Ende mehr als zwei.

Hendrik Rupp hat die Heidenheimer Zeitung zu einem souveränen Blatt gemacht für die Stadt und den Landkreis Heidenheim. Unparteiisch, die Fakten sichtend und wägend. Kein Blatt mit schriller Tonlage, das Partei sein will, keine laute Zeitung, sondern eine die Stimme hat. Eine Zeitung, welche ihre Funktion für die Demokratie dieses Landes darin sieht, dem Leser nicht die Entscheidung abzunehmen, sondern ihm Informationen zur Verfügung zu stellen, damit er sich ein Urteil bilden kann.

Der Blattmacher Rupp hat die Tageszeitung graphisch und inhaltlich neu gestaltet und ihr ein frisches Gesicht gegeben. Rupp hat Rubriken wie das viel gelesene „Ungelesen“ einführt, das seit zehn Jahren auf der ersten Seite des Lokalteils nicht fehlen darf, er hat journalistischen Formen wie dem Interview mehr Gewicht gegeben, hat vorgeführt, wie Texte und Seiten mit Bildern aufgewertet werden und über die Jahre das Blatt hin zu einer Autorenzeitung geführt.

Mit Rupp war nicht nur ein exzellenter Leitartikler zum Redaktionsleiter gewählt worden. Mit ihm stand in einer Person auch ein versierter Layouter und sicherer Graphiker an der Spitze, der wusste, dass Leser nicht mehr nur über Inhalte gewonnen werden, sondern dass sie zum Lesen verführt sein wollen.

Das richtige Gespür hatte Rupp auch für eine damals in der von Printprodukten dominierten Presselandschaft noch misstrauisch beäugte Entwicklung: das Aufkommen der digitalen Medien. Zwar war die HZ damals bereits seit zehn Jahren online. Doch irgendwie auch schon wieder abgehängt. Die sozialen Medien indes expandierten rasant, sie wurden die Sprache der Jugend, aber nicht nur dieser. Hendrik Rupp stellte in der Redaktion die Weichen: Online first. Diese zwei Worte kamen vor zehn Jahren noch einer Revolution gleich. Sie wurden in Heidenheim nicht nur gehört, unter Hendrik Rupp hat die HZ gelernt die Sprache des Internets zu sprechen. Hier im Haus wurde diese Revolution tatkräftig und gezielt betrieben. Die Heidenheimer Zeitung nutzt heute zahlreiche Kanäle der Information. Sie liegt nicht mehr nur als Druckwerk auf dem Frühstückstisch, sie ist zum digitalen Begleiter durch den ganzen Tag geworden. Stets abrufbar, stets mit aktuellen Informationen.

Die ersten Formen der Kontaktaufnahme zum Pressehaus ließen noch nicht den Redaktionsleiter erwarten. Als 15-Jähriger hatte Hendrik Rupp bei der Heidenheimer Neuen Presse als Zeichner einen Comic-Wettbewerb gewonnen, ein Jahr später jobbte er als Hilfshausmeister im Pressehaus.

Hendrik Rupp dürfte wohl in sehr weitem Umkreis der einzige Redaktionsleiter sein, der tatsächlich vom Keller aus in die Chefetage empor gestiegen ist, und er dürfte auch der einzige, der über 20 Jahre jeden Samstag die Lokalpolitik auf seinen Strich gebracht hat. Die ersten Karikaturen hatte er noch als freier Mitarbeiter gegen Honorar für die Heidenheimer Neuen Presse gezeichnet. Sehr selten wird man auch einen Redaktionsleiter finden, der im Haus alle technischen Systeme zur Herstellung einer Zeitung bis in Detail kennt. Einen, der in Peking auf Mandarin dem Taxifahrer sein Fahrtziel nennt, der samstags zum eigenen Vergnügen in einer Automobilwerkstatt mitarbeitet, der zeitgleich zum Volontariat den Doktorgrad in der Anglistik erworben hat. Muss man noch sagen, dass Hendrik Rupp ein guter Koch ist, ein Althistoriker und ein Heimatgeschichtler, einer der James-Bond-Filme nachsprechen kann – in allen Rollen und natürlich auf Englisch. Dass er versiert Diskussionsrunden leitet und nebenher noch als Dozent den Studenten der DHBW in Heidenheim die Grundsätze der Publizistik nahegebracht hat.

Hendrik Rupp verfügt über ein lexikalisches Gedächtnis, eine unerschöpfliche Neugier und einen großen Spieltrieb. Er möcht wissen, was die Welt im Inneren zusammenhält – und er möchte sich darin ausprobieren. Auch noch im 48. Lebensjahr. Aber nunmehr auch außerhalb der Heidenheimer Zeitung.

Die Redaktion der Heidenheimer Zeitung weiß, wen sie verliert. Denn Hendrik Rupp hat seinen Kolleginnen und Kollegen auch das immer gegeben, was das Allerwichtigste für die journalistische Arbeit ist. Vertrauen und Freiheit. Und er hat ihr den Rücken freigehalten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel