Heidenheim Elektronische Überwachung oder schlaue Stadt?

Wie viele Jugendliche halten sich am Freitagabend an der Ludwig-Lang-Straße auf? Dies soll im Rahmen des Smart-City-Versuchs mit einer W-Lan-Technologie überprüft werden.
Wie viele Jugendliche halten sich am Freitagabend an der Ludwig-Lang-Straße auf? Dies soll im Rahmen des Smart-City-Versuchs mit einer W-Lan-Technologie überprüft werden. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Von Silja Kummer 29.07.2018
Der Gemeinderat stimmte trotz vieler Vorbehalte einem Testsystem zu, mit dem vier Monate lang Daten in der Stadt erfasst werden.

Fast jeder trägt ständig sein Smartphone bei sich. Dass man damit nicht nur Daten empfängt, sondern auch ständig welche versendet, ist den wenigsten Menschen bewusst. Sobald man die W-Lan-Funktion oder Bluetooth aktiviert hat, übermittelt das Smartphone eine Mac-Adresse, auch wenn es nicht mit dem W-Lan verbunden ist. Darüber können Standort und Bewegungsdaten erfasst werden. Unter anderem diese W-Lan-Technologie will sich die Firma Fujitsu Technology Solutions im Rahmen eines Smart-City-Projekts (wörtlich übersetzt: „schlaue Stadt“) zunutze machen, um der Verwaltung Daten zur Verfügung zu stellen. Der Gemeinderat stimmte einer viermonatigen Testphase zu, die von September bis Dezember dauern soll. Dabei entstehen für die Stadt Kosten in Höhe von 35000 Euro.

Handy-Tracking auf Schulhöfen

Folgende Daten sollen dabei erhoben werden: Mittels des oben beschriebenen Handy-Trackings sollen die Schulhöfe des Hellenstein- und Schiller-Gymnasiums sowie die Hanns-Voith-Promenade überwacht werden. Dort soll es um die „ungewollte Nutzungsfrequenz“ gehen, man will also feststellen, wieviele Menschen sich dort abends oder nachts aufhalten.

Mit Hilfe von Ultraschallsensoren im Deckel wird der Füllstand von fünf öffentlichen Abfalleimern gemessen. Sinn dieses Versuchs ist es, dass die städtischen Betriebe erst dann zur Leerung ausrücken, wenn der Mülleimer auch voll ist.

Des weiteren soll die Frequenz von Passanten und Lieferverkehr in der Fußgängerzone ebenfalls über Handy-Tracking, aber auch mit Hilfe einer Kamera gemessen werden. Davon erhofft man sich Erkenntnisse für den Einzelhandel in der Hauptstraße.

Zuletzt beschäftigt sich die Firma Fujitsu mit sozialen Dienstleistungen im Projekt „In guter Nachbarschaft“ (Caring Community). Dabei soll visualisiert werden, welche sozialen Dienstleistungen wie angenommen werden.

„Smart City machen auch andere Kommunen“, argumentierte Carsten Urban von der Stadtverwaltung. Man wolle ein Testsystem installieren um Daten zu gewinnen, nach der Testphase soll dem Gemeinderat nochmal berichtet werden. Die Firma Fujitsu vertrat in der Gemeinderatssitzung Stefan Lenz. „Wir wollen Ihnen zeigen, was in Ihrer Stadt tatsächlich los ist“, sagte er. Mittels der Technologie könne man „Abweichungen von der Regel“ feststellen und die Frage beantworten, was das Internet der Dinge auf kommunaler Ebene bedeute.

Keine personenbezogenen Daten

Der Beschluss für die Testphase wurde vom Gemeinderat mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung getroffen, obwohl zuvor in der Diskussion viele Bedenken geäußert wurden. „Der Sinn dieser Datensammlung erschließt sich mir nicht“, sagte Gabi Wegmann (SPD). Sie mahnte zur Datensparsamkeit. „Wenn der Mülleimer nur zu einem Viertel voll ist, dafür aber mit stinkendem Hundkot, meldet das der Sensor nicht“, so Wegmann.

Norbert Fandrich (Die Linke) wollte von Stefan Lenz wissen, wie man dem Bürger vermitteln könne, dass dies eine positive Sache sei. „Man kann keine Rückschlüsse auf einzelne Geräte ziehen“, sagte Lenz, sondern nur feststellen, dass sich jemand an einem bestimmten Ort aufhalte. „Wir wollen keine personenbezogenen Daten aufarbeiten, sondern Ihnen die Informationshoheit über Ihre Stadt geben“, so Lenz. Auch Rudi Neidlein (SPD) trieb die Sorge um, dass die Daten personalisiert werden könnten. Die Daten seien nur dort, wo sie erfasst werden, nicht anonym, so Lenz. Schon an die zweite Station würden die Daten anonymisiert übermittelt werden und dieser Prozess sei auch nicht umgekehrbar.

„Wir können uns da nicht raushalten, nur weil wir befürchten, es könnte auch negative Seiten haben“, konstatierte Oberbürgermeister Bernhard Ilg zur Smart City. „Wir wollen sehen, ob es uns einen Mehrwert bringt. Wenn nicht, lassen wir es wieder“, so seine Einschätzung.

Welche Betriebskosten bei einer dauerhaften Nutzung entstehen würden, könne die Firma Fuijtsu erst nach der Testphase ermitteln. Dann wird der Stadt ein Übernahmeangebot vorgelegt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel