Heidenheim / sk Seit 30 Jahren gibt es an der DHBW Heidenheim den Studiengang Wirtschaftsinformatik. Viele der 953 Absolventen haben mittlerweile Karriere gemacht.

Smartphones und Laptops gab es noch lange nicht. Die meisten hatten nicht einmal einen Computer zu Hause, und wenn doch, war dieser wesentlich größer als heute.

Und man konnte damit nicht ins Internet, denn das World Wide Web existierte 1988 noch nicht. Zu dieser Zeit startete in Heidenheim ein neuer Studiengang: die Wirtschaftsinformatik. Am 11. November 1987 hatte das Kuratorium der Berufsakademien des Landes (heute: Duale Hochschule Baden-Württemberg) die neue Fachrichtung an der Berufsakademie (BA) befürwortet. „Das war ein historisches Datum für Heidenheim und die BA“, erzählt Prof. Eberhard Bappert. Der Mathematiker aus Stuttgart mit Erfahrungen im Rechenzentrum der Universität wurde damals zum Leiter des neuen Studiengangs und war dies auch bis 2010. Heute ist der 74-Jährige im Ruhestand.

Drei Jahre lang hatte der damalige Direktor der BA Heidenheim Kurt A. Hildenbrand für den neuen Studiengang in Heidenheim gekämpft. Bereits 1986 wurde bei einer Firmenumfrage großes Interesse am neuen Fachbereich festgestellt. Den Ausschlag gab schließlich eine öffentliche Zusage vom Ministerpräsidenten Lothar Späth 1987 in Schwäbisch Gmünd.

Große Computer, kleine Räume

22 Studierende starteten mit Eberhard Bappert am 1. Oktober ins Wintersemester 1988/89. „Wir hatten am Anfang noch gar keine Räume“, erzählt er. Zunächst war der Kurs deshalb in der Eugen-Gaus-Realschule untergebracht. Die Computerräume waren im damaligen Piltz-Fabrikgebäude am Bahnhof, weil dort im Keller die große IBM-Maschine untergebracht war, auf die die Studierenden zentral zugreifen konnten. Auch passende Lehrbeauftragte für den noch jungen Fachbereich zu finden, sei nicht leicht gewesen.

Der erste Professor, den Bappert gewinnen konnte, war Dr. Hans Jürgen Ott. Er hatte Ökonomie an der Universität Augsburg studiert und im Fach Wirtschaftsmathematik an der Universität Ulm promoviert. Er bediente die betriebswirtschaftliche Seite, während Studiengangsleiter Eberhard Bappert Programmierung und Dateiorganisation lehrte.

1990 zog die Wirtschaftsinformatik in das ehemalige Coop-Gebäude in die Heidenheimer Innenstadt um. Die PCs wurden kleiner, das Betriebssystem Windows 95 verbreitete sich, und die Anforderungen an die Lehre änderten sich. „Wir mussten uns schnell an äußere Umstände und die sich ändernden Bedürfnisse der Ausbildungsbetriebe anpassen – ein wesentlicher Zug der ersten Stunde“, erzählt Bappert.

Frauen waren eine Seltenheit

1995 studierte die gebürtige Erfurterin Sabine Knödler in Heidenheim – „eine unserer besten Studentinnen“, erinnert sich Bappert. „Damals war es eher unüblich, als Frau Wirtschaftsinformatik zu studieren. Meine Erfahrungen waren aber durchweg positiv, und bereits in den Folgejahrgängen kamen immer mehr Frauen dazu, was dem Studienfach sehr guttat“, sagt die heute 41-Jährige. Sie arbeitet heute bei Zeiss in Oberkochen und verantwortet den Bereich SAP-Security.

Im Laufe der Jahre wurden die Inhalte der Wirtschaftsinformatik vielfältiger, und es kristallisierten sich spezielle Vertiefungsrichtungen heraus. Im März 1999 wurde eine zusätzliche Studienrichtung – Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt E-Commerce – geschaffen, und Hans Jürgen Ott wurde Studiengangsleiter. „Mit dem Schwerpunkt E-Commerce waren wir die Ersten in Deutschland“, sagt er. Die Nachfrage sei explosionsartig gestiegen. „Wir konnten durch flexible Studienpläne rasch auf aktuelle Entwicklungen reagieren“, erklärt Bappert. Damals entwickelte sich der Informatik-Sektor sehr schnell, und das Studium in Heidenheim habe mitgehalten. „Rückblickend war es der richtige Schritt, früh auf das Internet zu setzen“, bekräftigt Ott.

Als das Internet neu war

„Um die Jahrtausendwende herrschte in der Wirtschaftsinformatik eine Art Goldgräberstimmung“, beschreibt Michael Fellmann seine Studienzeit. Der gebürtige Heidelberger studierte von 2000 bis 2003 in Heidenheim, in einer Zeit, in der immer mehr Haushalte einen Computer und einen Internetanschluss hatten. „Das Internet war damals noch nicht von den Großen wie Google usw. dominiert, und es war wichtig, einen Fuß in die Tür zu bekommen“, erzählt der heute 40-Jährige. Nach seinem Studium promovierte er an der Universität in Osnabrück, und seit 2015 ist er Juniorprofessor für Wirtschaftsinformatik mit dem Schwerpunkt „Betriebliche Informationssysteme“ an der Universität in Rostock.

Mittlerweile gibt es 953 Alumni, die Wirtschaftsinformatik in Heidenheim studiert haben. Aktuell studieren über 150 Wirtschaftsinformatiker an der DHBW Heidenheim, vergangenes Jahr begannen 57 Studieninteressierte in diesem Bereich.

„Der Erfolg unserer Absolventen zeigt, dass das Interesse an betriebswirtschaftlich denkenden Systemanalytikern sowohl in der Wissenschaft als auch in der freien Wirtschaft gefragt ist“, sagt Prof. Dr. Jürgen Seitz. Er leitet seit 2001 den Studiengang Wirtschaftsinformatik an der DHBW Heidenheim und war selbst einer der ersten dual Studierenden in diesem Bereich.

In den nächsten Jahren werde sich der Studiengang verstärkt mit künstlicher Intelligenz, Deep-Learning, Big Data, dem Internet der Dinge und IT-Sicherheit beschäftigen. „Hier werden wir aber nicht nur Aspekte der technischen Implementierung, sondern auch deren Auswirkungen auf die Gesellschaft betrachtet“, erklärt der Studiengangsleiter die zukünftigen Ziele der Wirtschaftsinformatik in Heidenheim.

Weitere Informationen zum Studiengang Wirtschaftsinformatik unter www.heidenheim.dhbw.de/wi