Heidenheim / Silja Kummer  Uhr
Kinder und Jugendliche, die stationär im Klinikum Heidenheim bleiben müssen, können jetzt in einem neu eingerichteten Klassenzimmer unterrichtet werden.

Die wichtigste Aufgabe der Schule am Klinikum sei es, Brücken zu bauen. Das sagt Michael Trostel, der einzige Lehrer der mit Sicherheit kleinsten Schule im Landkreis. Die Brücken sollen entstehen zwischen Medizin und Pädagogik, genauso aber auch zwischen der Klinikschule und den Schulen draußen.

Denn Trostel ist nicht nur die einzige Lehrkraft, sondern muss gleichzeitig auch das komplette pädagogische Spektrum abdecken, von der Grundschule bis zur Abiturklasse, von der Sonderschule bis zum Gymnasium. Einfacher wird seine Aufgabe künftig dadurch, dass nun ein richtiges Klassenzimmer in der Aufnahmestation der Kinder- und Jugendklinik eingerichtet worden ist.

Mit interaktivem Whiteboard

Innenarchitektin Christel Bindig erläuterte, wie sie bei der Ausstattung vorgegangen ist: „Die medizinische Versorgung steht an erster Stelle, aber dann kommt das Ambiente“, meinte sie. Eingerichtet worden sei ein Raum für „ungestörte Kommunikation“, in den sich auch das Pflegepersonal für Besprechungen zurückziehen könne. Die Möblierung sei flexibel gehalten, weil die Kinder und Jugendlichen unterschiedlich groß und alt seien. Die Stühle und Tische sind höhenverstellbar, ein interaktives Whiteboard und ein 55-Zoll-Bildschirm mit Multi-Touch-Funktionen stehen für den Unterricht zur Verfügung.

Kreiskämmerer Roland Fuchs war als Vertreter des erkrankten Landrats für den Schulträger zur Eröffnung gekommen. Er erinnerte daran, dass der Beschluss für eine Schule im Klinikum schon 2010 gefallen sei. Zum Schuljahr 2011/12 sei der Unterricht für stationär aufgenommene Kinder und Jugendliche gestartet worden, allerdings ohne spezifischen Unterrichtsraum, dieser fand in den Krankenzimmern statt.„Diese Schule braucht aber das Beste“, so Fuchs, weil das ganze Bildungssystem abgedeckt werden müsse.

Mittlerweile habe sich der zuständige Referatsleiter des Regierungspräsidiums die Schule angeschaut und in Aussicht gestellt, dass die Wochenstundenzahl erhöht werden könne. Dies sei notwendig im Hinblick auf die gewünschte Erweiterung des Behandlungsspektrums in Richtung Psychosomatik. Dann nämlich würde sich die Aufenthaltsdauer der jungen Patienten verlängern.

Acht bis zehn Schulkinder

Momentan liege die durchschnittliche Verweildauer bei 3,2 Tagen, erläutert Chefarzt Dr. Andreas Schneider. Ungefähr acht bis zehn Schulkinder seien pro Tag auf der Station. Manche von ihnen müssten nach wie vor am Bett unterrichtet werden, weil sie nicht aufstehen können. Das Konzept der Klinikschule komme aus der Onkologie, da krebskranke Kinder oft lange in der Klinik sein müssen und man deshalb versuche, ihnen den Anschluss an ihre schulische Ausbildung zu gewähren. In Heidenheim werden aber keine an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen behandelt, weshalb die Verweildauer im Durchschnitt kürzer sei. Für ihn sei die Schule „eine Herzensangelegenheit“ und er hoffe, dass im September noch mehr Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden.

Die Schule gehört zu den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit dem Förderschwerpunkt „Schüler in längerer Krankenhausbehandlung“. Organisatorisch ist sie der Arthur-Hartmann-Schule zugeordnet. Deren Rektor Dr. Daniel Budka sagte, dass die Rahmenbedingungen für eine solche Einrichtung stimmen müssten. Deshalb sei die Einrichtung des Klassenzimmers als „wichtiges Signal“ auch in Hinblick auf die Weiterentwicklung in der Klinik zu sehen. „Wir brauchen aber noch mehr Räume und eine bessere Lehrerversorgung“, so Budka. Bisher stünden nur 50 Prozent des benötigten Personals zur Verfügung.

„Schule für Genesende“

Spenden zur Einrichtung des Klassenzimmers kamen vom Förderkreis für hör- und sprachgeschädigte Kinder der Arthur-Hartmann-Schule. Dessen Vorsitzender Dr. Thomas Fröschl beschrieb sehr plastisch, wie erkrankte Kinder und Jugendliche den Kontakt zu ihren Mitschülern und Freunden verlieren. Damit sie nicht auch im Ausbildungsstand ins Hintertreffen geraten, sei die Schule im Klinikum eine wichtige Einrichtung. Er hatte auch gleich einen Namen parat: „Schule für Genesende“ sei eine motivierende Bezeichnung.

Eine Gedenktafel für Dr. Irtel von Brenndorff

Da die Entwicklung einer Schule im Klinikum „absolut im Interesse“ des langjährigen Chefarztes der Kinderklinik und Ehrenvorsitzenden des Förderkreises Dr. Alexis Irtel von Brenndorff gewesen wäre, lässt der Förderkreis der Arthur-Hartmann-Schule eine Gedenktafel für ihn im Klassenzimmer anbringen. Dort soll an die Verdienste des Mannes, der von 1983 bis 2000 Chefarzt der Kinderklinik war, erinnert werden.