Heidenheim / Luise Hiller Schüler des HG lauschten gestern dem 94-jährigen Sally Perel. Er berichtete von seiner Zeit als Jude während des Nationalsozialismus.

„Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer!“ Mit diesem Zitat von Steven Spielberg begann Sally Perel gestern Vormittag seine Lesung in der Mensa des Hellenstein-Gymnasiums. Schüler der 9. und 10. Klassen hörten Geschichten aus dem Leben des 94-Jährigen, aber auch mahnende Worte des Buchautors von „Ich war Hitlerjunge Salomon“. Der ehemalige HG-Schüler Jochen Merkle von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung veranlasste, dass Sally Perel bei seiner Lesereise durch Deutschland auch in Heidenheim zu Gast war.

Als Jude den Holocaust überlebt

Die Erinnerung an das Geschehene und das Weitertragen der Wahrheit standen im Vordergrund der Lesung. Eindringlich erzählte Sally Perel von den Erlebnissen aus seiner Kindheit und Jugend. Er beschrieb, wie er während des zweiten Weltkrieges seine jüdische Identität versteckte und somit den Holocaust überlebte.

Noch vor Kriegsbeginn floh er von seinem Geburtsort Peine in Niedersachsen nach Polen. Als er später während des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion gefangen genommen wurde, gab er sich als Volksdeutscher aus. Sally Perel kam zur Wehrmacht und kämpfte zwei Jahre an der sowjetischen Front.

Eine gespaltene Seele

Anschließend wurde er an die Hitlerjugendschule in Braunschweig überwiesen. Diese Zeit bezeichnet er als „die Spaltung seiner Seele“. Zum einen konnte er sich durch die massive Beeinflussung mit der Nazi-Ideologie während seiner Zeit in der Hitlerjugend identifizieren, zum anderen blieb er im Innern immer ein Jude.

Kurz vor Ende des Krieges musste Perel noch einmal in den Krieg ziehen und wurde dabei von der US-amerikanischen Armee gefangen genommen. Kurze Zeit später wurde er wieder frei gelassen und gehörte somit zu einem der wenigen überlebenden Juden.

Oftmals erlebt Perel, dass ihn Schüler nach seinen Lesungen um Verzeihung bitten. Er ist sich sicher, dass sich auch zukünftige Generationen mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Allerdings sagt er auch: „Ich bin nicht hier um Schuldgefühle zu wecken. Die heutige Jugend ist nicht schuld, denn Schuld erbt man nicht.“ Zudem kritisierte Perel das Leugnen des Holocausts. Er forderte die Schüler dazu auf, das Gehörte weiterzutragen. Man müsse aufpassen, dass kein Hass geschürt wird, da laut Perel „Hass zu Verbrechen führt“.

Eigenständig denken

Genau dies spiegeln seiner Meinung nach aktuelle Gruppierungen wieder, die nicht aus der Geschichte gelernt hätten. Damit sich so etwas nie wiederhole, sei eine der wichtigsten Aufgaben einer Schule, junge Menschen zum eigenständigen Denken und Kritisieren zu erziehen.

Am Ende der Veranstaltung durften die Schüler Perel noch Fragen zu seiner Geschichte stellen. Anschließend konnten Perels Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“, welche 1992 erstmals in deutscher Sprache erschien, sowie der dazugehörige Film erworben und von ihm signiert werden lassen.

Bildergalerie Zeitzeuge Sally Perel zu Gast am HG